Ort der Erinnerung und Hoffnung
Ahrtor-Friedhof nach Flutkatastrophe wiedereingeweiht
Ahrweiler. Die Bilder des bei der Flut 2021 schwer zerstörten Ahrtor-Friedhofs gingen um die Welt: herausgerissene Grabsteine, Kreuze, Bäume und Pflanzen, Massen an angeschwemmtem Schlamm, Trümmern und Treibgut, sogar Autos waren auf den Friedhof gespült worden – ein wahrhaft apokalyptisches Bild, das seinerzeit sogar auf der Titelseite der New York Times zu sehen war. Die Heimsuchung eines Ortes, der Leben und Tod miteinander verbindet und für viele Menschen in Ahrweiler von besonderer, emotionaler Bedeutung war und ist. Umso mehr schmerzten die unsagbaren Zerstörungen, die der altehrwürdige Gottesacker erlitten hatte und umso größer war am vergangenen Freitag die Freude, als der Ahrtor-Friedhof unter großer öffentlicher Anteilnahme wiedereingeweiht wurde. Zahlreiche Helfer sowie Einheiten der Bundeswehr beseitigten das erste Chaos, bevor zunächst die Wiederherstellung vorn Frei- und Grünflächen, Wegen, Kriegsgräbern sowie der Strom- und Wasserleitungen im Auftrag der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler erfolgen konnte. Es entstanden Sitzgelegenheiten, Wasserstellen und eine neue Bepflanzung mit 32 Laubbäumen, Hecken, Beeten, Sträuchern und Staudenrabatten. Auch die Friedhofsmauer konnte in Natursteinoptik wiedererrichtet werden.
Neubau von Aussegnungshalle und Betriebshof
Vollständig neu erbaut werden mussten Aussegnungshalle und Betriebshof, die bei der Gelegenheit den Standort tauschten. Entstanden ist eine 156 m² große Trauerhalle mit Raum für rund 80 Sitzplätze und einer Dachfensteranordnung, die sakralen Lichteinfall und Blick gen Himmel ermöglicht. Der neue Betriebshof hat eine Fläche von 54 m² mit öffentlichen- und nicht öffentlichen Sanitäranlagen, Abstellraum, Garderobe und genügend Platz für Betriebsfahrzeuge und Materialien. Als landschaftsprägendes Gebäude blieb die denkmalgeschützte Friedhofskapelle nach Sanierung von Dachstuhl- und Gebälk sowie der Restaurierung von Fenster und Türen in ursprünglicher Form erhalten. Die Gesamtkosten für die Wiederherstellung des Friedhofs von rund 8,6 Millionen Euro wurden aus dem Sondervermögen „Aufbauhilfe 2021“ beantragt und bewilligt. „Ich hätte vor etwas mehr als vier Jahren niemals geglaubt, dass hier wieder irgendwann etwas anderes sein kann, als Schlamm, Trümmer und Zerstörung. Aber durch die Mithilfe Vieler wurde wiederaufgebaut, wurde die Zerstörung beseitigt und etwas Neues geschaffen“, so Herbert Wiemer, Geschäftsführer der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft.
„Unser Friedhof lebt wieder“
Auch für Bürgermeister Guido Orthen war die von einer Fotoausstellung begleitete Wiedereinweihung des Ahrtor-Friedhofs ein ganz besonderer Moment: „Wir können sagen: unser Friedhof lebt wieder. Unsere Geschichte, die Geschichte Ahrweilers, lebt weiter. Ein Ort, der die Lebensgeschichten vieler Generationen in sich trägt, der Geschichten von Leben, von Liebe, von Abschied, Erinnerung und auch von Hoffnung erzählt. Seit 2021 erzählt dieser Ort auch die Geschichten von Entsetzen und Zerstörung. Wir spürten, dieser Ort muss wiederaufgebaut werden. Nicht nur, weil er ein elementarer Teil von Ahrweiler ist, sondern weil er für viele ein Teil ihres Lebens und der Erinnerung ist. Wir bewahren, was uns wichtig ist. Und wir schaffen Neues, ohne das Alte zu vergessen“, so Guido Orthen, der allen zum Gelingen des „Gesamtkunstwerks Ahrtor-Friedhof“ dankte. „Dieser Ort bekommt heute seine Würde zurück. Es ist wichtig, dass dieser Ort der Begegnung, wie so vieles andere, wiederaufgebaut wurde“, ergänzte RLP-Innenminister Michael Ebling, der zudem die Wichtigkeit von Helfern, Handwerkern, Planern und der Bundeswehr beim Wiederaufbau des Ahrtor-Friedhofs hervorhob, bevor Pastor Jörg Meyrer und Pfarrer Friedemann Bach nach einer Andacht die Einsegnung vornahmen.
RLP-Innenminister Michael Ebling Zweiter von rechts) war zur Wiedereinweihung des Ahrtor-Friedhofs nach Ahrweiler gekommen.
