25 Jahre „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.“
Aktiv gegen Gewalt und Missbrauch von Kindern und Jugendlichen
Westerwälder Verein unterstützt bundesweit junge Opfer von Gewalt und kämpft für die Verbesserung des Kinder- und Jugendschutzes – Mehr als 1.000 Fälle wurden betreut – Ansprechpartner für Betroffene und Angehörige
Siershahn. Immer wieder werden Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt. Dies geschieht am häufigsten im familiären Nahbereich des Kindes, aber auch in Institutionen oder anderenorts. Aus diesem Grund hat sich vor 25 Jahren die „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.“ gegründet. Bis heute setzt sie sich unter dem Vorsitzenden und Mitgründer Johannes Heibel für einen wirkungsvolleren Kinder- und Jugendschutz in Deutschland ein, will Missstände und Gesetzeslücken aufzeigen.
Bundesweiter Einsatz gegen Gewalt an Kindern
Die Initiative ist bundesweit aktiv. Von den 110 Vereinsmitgliedern sind circa 20 Mitglieder aktiv. Für die Beratung und Unterstützung der Gewaltopfer sowie ihrer Vertrauenspersonen ist in erster Linie der Diplom-Sozialpädagoge Johannes Heibel zuständig. Oberstes Ziel des Vereins ist es, Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern möglichst zu verhindern. Und wenn das nicht gelingt, jungen Gewaltopfern zumindest im Nachhinein beizustehen, sie zu schützen und zu beraten, zu Gerichtsterminen zu begleiten und sie an erfahrene Anwälte und Therapeuten zu vermitteln.
„Für die Betroffenen ist es unglaublich wichtig, dass sie nicht alleine sind“, macht Heibel deutlich. „Manchmal reicht es schon, dass man ihnen einfach nur zuhört.“ Die Initiative entwickelt einen Hilfeplan für Betroffene, zeigt ihnen Perspektiven auf. Falls nötig, greift sie den Betroffenen auch finanziell unter die Arme, sollte das Geld beispielsweise für die Fahrt zur Therapiestätte, Anwaltskosten oder andere Maßnahmen notwendig sein.
Ein wichtiger Aspekt der Initiative ist darüber hinaus die Prävention. Der Verein hat eigens dafür ein Kinderbuch herausgegeben und ein Präventionsprojekt für Kinder im Grundschulalter entwickelt. Dazu kommt, dass auch Fortbildungsveranstaltungen für Erzieher, Lehrer, Gruppenleiter und Eltern angeboten werden. Gleichermaßen versucht sich die Initiative für die Opfer stark zu machen und engagiert sich auch öffentlich.
Berührende Einzelschicksale, die keine Einzelfälle sind
Bis heute hat die Initiative mehr als 1.000 Fälle bearbeitet. Teilweise lassen Heibel einzelne Schicksale seit der Gründung nicht los. Mit einigen Betroffen steht er noch heute in Kontakt. „Das sind ganz unterschiedliche Geschichten. Das geht sogar bis hin zu Mord“, erzählt der Vorsitzende. Mehr als 20 Jahre hat der studierte Sozialpädagoge doppelt gearbeitet. Seine letzte Arbeitsstelle war Remagen. Dort baute er für die Stadt ein Jugendzentrum auf und leitete es bis Ende November 2012. Sein ehrenamtliches Engagement liegt ihm bis heute sehr am Herzen.
Mit unzähligen Schicksalen sah Johannes Heibel sich konfrontiert. Alle sind ihm sehr nah gegangen. „Die Fälle haben mich immer belastet“, erzählt er. „Man muss aufpassen, dass es nicht zu viel wird.“ Heibel hat nie sein Ziel aus dem Blick verloren. Es geht ihm in erster Linie darum, dass jungen, betroffenen Menschen geholfen und möglichst jeglicher Verdacht aufgeklärt wird.
Was ihm hilft, mit den belastenden Erlebnissen der Kinder besser umzugehen, sind die vielen Projekte seitens der Initiative, erzählt er. Dazu gehört unter anderem das oben bereits erwähnte Präventionsprojekt mit dem Titel „Schutzbär Bulli“ (ein großer Teddy in Polizeiuniform), aber auch Kunstprojekte. Darüber hinaus schreibt er auch gerne. Sein letztes Buch „Der Pfarrer und die Detektive“, ein Sachbuch über den Umgang mit Priestertätern in der katholischen Kirche, ist im Juni 2014 erschienen.
Die Sorge von Wirgeser Eltern gab den Impuls für die Initiative
Der heutige Verein geht auf eine Initiative besorgter Eltern aus der Verbandsgemeinde Wirges zurück. Anfang 1992 hatten Schülerinnen über einen Lehrer geklagt, er hätte sie geschlagen und sei zudringlich geworden. Eine Schülerin versuchte sogar, sich das Leben zu nehmen. Die besorgten Eltern gründeten zunächst eine „Elterninitiative gegen Gewalt und sexuelle Belästigung in unserer Schule“. Die Ermittlungen gegen den Lehrer wurden damals wegen Geringfügigkeit und Verjährung eingestellt. Doch der Wunsch nach einem gemeinnützigen, anerkannten Verein, der sich in solchen Fällen für Betroffene stark macht, kam mehr denn je auf. So trafen sich am 15. Januar 1993 insgesamt 27 Bürger in der Gaststätte Wehler in Dernbach bei Montabaur und gründeten die „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.“
25 Jahre Opferschutz – Johannes Heibel blickt zurück
„Grundsätzlich bin ich mit unserer Arbeit sehr zufrieden. Wir tun, was nur irgend möglich ist und scheuen uns auch nicht, uns mit den Systemen und der Politik anzulegen. Gesellschaftspolitisch haben wir einiges erreicht und mit dazu beigetragen, dass das Thema weit über die Grenzen des Westerwaldes hinaus heute eine andere Wahrnehmung erfährt, als vor 25 Jahren. Besonders stolz sind wir darauf, dass es uns gelang, eine Gesetzesänderung auf Bundesebene in die Wege zu leiten.“
„Womit ich nach wie vor nicht zufrieden bin“, so Heibel weiter, „ist die Haltung von Politik und Justiz. In den letzen 25 Jahren gelang es uns in über einem Dutzend Fällen nur durch eigene, akribische Recherchearbeit diese aufzuklären und Täter zu überführen, was gleichzeitig auch die Besonderheit unsere Arbeit ausmacht. Bundesweit ist mir bis heute keine Beratungsstelle bekannt, die diese nicht ganz ungefährliche Arbeit auf sich nimmt. Gleichzeitig ist das für mich ein Indiz dafür, dass die Ermittlungsbehörden immer noch nicht gut genug aufgestellt sind. Das muss sich dringen ändern. Die Messlatte für einen Anfangsverdacht, der die Behörden erst berechtigt, Ermittlungen aufzunehmen, muss dringend runter geschraubt werden. Zudem fehlt es häufig noch an der notwendigen Professionalität von Mitarbeitern der Justiz. Hier muss in Zukunft auch über andere Arbeits- und Vorgehensweisen nachgedacht werden. Es wäre sinnvoll, sich zum Beispiel auch mit unserer Arbeit intensiver auseinanderzusetzen. Nur wenn wir bereit sind miteinander zu sprechen und voneinander zu lernen, kann der Kinder- und Jugendschutz in unserem Land wirklich spürbar verbessert werden. Kinder sind unsere Zukunft; Sie zu schützen muss oberste Priorität im Staat sein“, sagt Johannes Heibel.
Zum diesjährigen Jubiläum sagt er: „Eine Feier wird es nicht geben. Unter diesen Umständen gib es nichts zu feiern. Wir haben uns aber mit Mitgliedern und einigen Freunden um den Zeitpunkt unserer Gründung in einem Restaurant in Dernbach getroffen. Anstelle einer Feier werden wir 2019 einen Bildband über unsere bundesweite Mühlsteinaktion herausgeben“, sagt der Vorsitzende der Initiative abschließend. Infos zur Mühlsteinaktion gibt es vorab schonmal auf www.initiative-gegen-gewalt.de unter „Projekte“ und dort unter „Mahnender Mühlstein“.
In der Not immer erreichbar dank Spendern und Helfern
Der Verein ist für alle Betroffenen und Angehörigen erreichbar unter Tel. (0 26 23) 68 39, Mobil (01 71) 1 86 92 20 und E-Mail: info@initiative-gegen-gewalt.de. Der Sitz des Vereins ist in der Poststraße 18 in 56427 Siershahn. Informationen zu den Aktivitäten des Vereins gibt es auch online unter www.initiative-gegen-gewalt.de (Haupthomepage) und www.schutzbaer-bulli.de (Präventionsprojekt).
Die Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V. ist gemeinnützig anerkannt und bundesweit aktiv. Spenden für die weitere aktive Arbeit zugunsten der Kinder und Jugendlichen nimmt der Verein entgegen auf folgendem Konto: Westerwald Bank eG Volks- und Raiffeisenbank, Vereins- und Spendenkonto IBAN: DE41 5739 1800 0005 3509 13.
Initiative gegen Gewalt
und sexuellen Missbrauch an
Kindern und Jugendlichen e.V.
Schutzbär Bulli inmitten seiner Freunde: Abschlussfoto nach Durchführung des Präventionsprojektes „Schutzbär Bulli“ an der Grundschule St. Martin in Remagen (2012).
Die Initiative demonstrierte 2011 vor dem Landgericht in Koblenz und forderte eine klarere gesetzliche Regelung des Obhutsverhältnisses zwischen Lehrern und Schülern. Die intensive Öffentlichkeitsarbeit der Initiative führte schließlich zum Erfolg. Ab Januar 2015 stehen alle Schülerinnen und Schüler einer Schule zu allen pädagogischen Fachkräfte in einem Obhutsverhältnis und sind vor sexuellen Übergriffen des Lehrpersonals gesetzlich geschützt.
Mit dem „Mahnenden Mühlstein“ ist die Initiative seit 2008 in ganz Deutschland unterwegs. Mit dem bekannten Zitat aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 18, Vers 6, möchten die Initiative und ihre Kooperationspartner ein Zeichen setzen und Erwachsene an ihre große Verantwortung gegenüber ihnen anvertrauten Kindern erinnern. Kinder müssen vor Vernachlässigung, Misshandlung und sexuelle Gewalt geschützt werden. Die Verantwortung hierfür tragen die Erwachsenen – und nur die Erwachsenen. Die Aktion ist nicht als Appell für die Wiedereinführung der Todesstrafe zu verstehen. Die Initiative ist gegen jegliche Gewalt! Der Mühlstein wurde mittlerweile in über 30 Städten ausgestellt.
