Allgemeine Berichte | 08.03.2017, 10:18 Uhr

Historisches lebte in Erinnerungen auf

Alte Bräuche und wo sie zu finden sind

Bachemer Gespräche schlagen Brücke zwischen Alteingesessenen und neuen Bürgern des Ortes

Auf manchem bislang unveröffentlichten Foto wurden Situationen oder Familienmitglieder wiedererkannt und der zugehörige Brauch besprochen.-CEW-
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Wachtberg-Niederbachem. Im Anschluss an die jecke Session fand sich im Henseler Hof wieder die Zeit, im Rahmen der Gesprächsreihe „Bachemer Gespräche“ in die Heimathistorie des Ortes zu schauen. Seit September 2016 traf man sich zum dritten Mal, um im lebendigen Gespräch über die Heimat zwischen Alteingesessenen und Neubürgern Brücken zu schlagen, berichtete Dr. Walter Töpner. Als stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Niederbachem moderierte er, selbst Autor von heimatbezogenen Büchern, an diesem Abend das Gespräch.

Thema war die Veränderung des Brauchtums und die Gliederung des Jahresverlaufs durch traditionelle Feste und Bräuche, die der Lokalhistoriker Frank Hüllen eingehend erforscht hat. Während noch in der Mitte des letzten Jahrhunderts die Religion und die dazugehörenden Feste den Lauf des Jahres gliederten, sind einige Traditionen verschwunden und manche neuen Bräuche haben einen festen Platz in unserem Leben gefunden. So wurden nach und nach die Junggesellenvereine in den Dörfern immer weniger. Veranstaltungen wie den Wettbewerb im Fahnenschwenken und Mailehenversteigerungen zum Wonnemonat Mai gibt es kaum noch. Ein interessanter Brauch, das Beiern, wird nur noch in wenigen Gemeinden von einzelnen Personen gepflegt. Hierbei werden Schnüre an den Klöppeln der Kirchenglocken befestigt und ein Ende der Schnüre fixiert. So kann man mit wenigen Bewegungen an den Schnüren den Glocken interessante Klänge und Melodien entlocken, die sonst nie zu hören sind. Weil es bei dieser Tradition gelegentlich zum Bruch der einen oder anderen Glocke gekommen war, wurde das Beiern von der Obrigkeit jedoch nicht immer gern gesehen.

Dass das Hahnenköppen, bei dem man mit verbundenen Augen einen Hahn köpfen musste, nicht mehr dem heutigen Zeitgeist entspricht, freut sicher die meisten Tierfreunde. Die Schürreskarrenrennen, die mancher als Kind noch im Drachenfelser Ländchen erlebt hat, vermissen hingegen sicher einige Bürger. Lustig sei es gewesen, wenn man mit den einrädrigen Karren um die Wette mit seinen Lasten einen Parcours zu bewältigen hatte. Bis der Sieger feststand, hatte es immer etliche Lacher gegeben.

Auch der Brauch, eine Puppe, die am Aschermittwoch als stellvertretender Schuldiger für die Ausschweifungen des Karnevals verurteilt wurde, zu verbrennen, ist in den meisten Orten in Vergessenheit geraten. Vielfach sei die Entwicklung einerseits dem fehlenden Nachwuchs in den Vereinen, andererseits aber auch dem Erlahmen des Interesses der Bevölkerung geschuldet, berichtet Dr. Töpner.

Damit auch die neuen Bürger der Gemeinde und besonders des Ortes Niederbachem viele Bräuche, Traditionen und Zeitzeugen in Form von Denkmälern verstehen und einordnen können, will man sie teilhaben lassen an der Historie des Dorfs. So erfuhr man an diesem Abend, dass das Schnafelskreuz einer bedauernswerten Familie gewidmet ist, deren Hof bei einem historischen Hochwasser am 24.06.1693 mit Mann und Maus weggeschwemmt wurde.

Auch die Kreuzgänge in Oberbachem, Kürrighoven und Niederbachem kann kaum mehr jemand dem „Weg der sieben Fußfälle“ zuordnen. Diese Wege ging man entlang, wenn jemand gestorben war, und an jedem Kreuz wurde ein Gebet für den Verstorbenen gesprochen. Hingegen erfreuen sich die Martinsbräuche wie die Martinszüge, das Feuer und das Schnörzen immer noch großer Beliebtheit. Auch die Schützenvereine behalten mit ihren Umzügen und Festen noch die Tradition und das dörfliche Miteinander fest im Auge.

Der Lokalhistoriker Frank Hüllen hat Brauchtum und Feste der vergangenen Zeit in der Gemeinde Wachtberg erforscht und ein Buch darüber geschrieben. In Erzählungen und Zitaten ließ er an diesem Abend der Bachemer Gespräche lokale Geschichten lebendig werden. So erhielten auch neu Hinzugezogene einen Einblick in das, was dieses Fleckchen Erde im Laufe der letzten Jahrzehnte geformt und geprägt hat. Wer sich genauer mit den Bräuchen und der Historie des schon in der Römerzeit besiedelten Ortes beschäftigen möchte, wird in dem Buch „Sitten und Bräuche in der Gemeinde Wachtberg“ fündig.

Alte Bräuche und wo sie zu finden sind

Alte Bräuche und wo sie zu finden sind

Auf manchem bislang unveröffentlichten Foto wurden Situationen oder Familienmitglieder wiedererkannt und der zugehörige Brauch besprochen.Fotos: -CEW-

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