Österliches Vergnügen am Weinhexbrunnen in Winningen
Alter Brauch um bunte Eier
Alles drehte sich um die Fragen „Wer hat die Spitze?“ und „Wer hat den Arsch?“
Winningen. Man schätzt, dass die Fragen an Ostern „Wer hat die Spitze?“ „Wer hat den Arsch?“ schon vor zirka 170 Jahren gestellt wurden. Aber nicht in feinem Hochdeutsch, sondern im Winninger Platt. Dann lautet es: „Ber hät en Schbetz? Ber hät en Oarsch?“ Es ist das Ostereierkibben, das mit diesen Fragen seinen Anfang nimmt. „Kibben“ ist auch Winninger Platt, kommt von „kebbe“ und bedeutet schlagen. Zum Eierkibben finden sich zwei Gegner zusammen, die sich jeweils mit einem gekochten und gefärbten Ei bewaffnen. Zuerst werden die Spitzen aufeinandergeschlagen, dann das stumpfe Ende – der „Oarsch“. Wer das Ei des Gegners an beiden Enden beschädigt, darf es behalten.
Unentschieden endet der österliche Zweikampf, wenn beide Eier Beschädigungen aufweisen.
Dann behält jeder sein eigenes Ei und fordert einen neuen Gegner heraus.
Das Resultat ist außer einem riesengroßen Spaß, ein leckerer Eiersalat, den es an Ostern wohl in vielen Winninger Haushalten gibt. Auch in diesem Jahr kamen viele Besucher nach Winningen, um sich am Weinhexbrunnen zu amüsieren. Außer der Tradition des Eierkibbens, wurden die Gäste auch mit Eier-Wein verwöhnt. Es ist ein Ur-Winninger Getränk, das außerhalb des Ortes seinesgleichen sucht und sich wachsender Beliebtheit erfreut.
Man nehme: eine Flasche fruchtigen Moselriesling, zwei Esslöffel Zucker und eventuell eine Prise Vanillezucker, das Ganze aufschlagen und dann „zum Wohl“.
Er mag nicht jedermanns Sache sein, doch die Auswahl an guten Winninger Weinen ließ sowieso keine trockenen Kehlen zu. Das traditionelle Ostereierkibben ist zugleich die Saisoneröffnung und wird jedes Jahr von einem anderen Ortsverein ausgerichtet. In diesem Jahr war es das Trommler- und Pfeiffer Corps, das die Organisation übernommen hatte.
Von 11 bis 18 Uhr konnten die Besucher „kibben“, schauen, testen, bummeln und genießen. Auch an die Kleinen hatten die Verantwortlichen gedacht.
Sie hatten viel Spaß am mit vier
Metern größten Osterei an der Untermosel und mit Spielen, bei denen es attraktive Preise zu gewinnen gab. Getoppt wurde das Vergnügen am Weinhexbrunnen vom Musikverein Löf, der mit seinem umfangreichen Repertoire für die richtige musikalische Unterhaltung sorgte.
Der uralte Winninger Brauch am Ostersonntag lockt Jahr für Jahr zahlreiche Besucher an die Mosel. Der genaue Ursprung ist wegen sehr spärlicher Information nicht mehr zu klären. Erzählt wird, dass das Eierkibben sich vor zirka 170 Jahren in der heutigen Osterstraße zugetragen hat, als die Bürger nach dem Gottesdienst diesem Brauch frönten, der bald Tradition wurde. Später „kibbten“ sie dann in der Fährstraße vor dem Haus des Eierhändlers, „Eierfritz“ genannt. Der zweite Weltkrieg stoppte auch diese Tradition, danach wurde sie wieder entdeckt und in diversen Winninger Gasthäusern in kleinem Kreis wiederbelebt. 1970 entschloss sich der Fremdenverkehrsverein, dem Ostereierkibben wieder einen öffentlichen Rahmen zu geben. Und so erfreuen sich jedes Jahr zahlreiche Besucher am Spiel mit 6000 bunten Eiern und auf „Schbetz“ und „Oarsch“.
EP
Wer wollte trank das Ur-Winninger Getränk, den Eier-Wein, aber auch die guten Winninger Weine mundeten und machten Stimmung.
Ein aktuelles Video zu diesem Thema finden Sie im Internet unter: www.blick-aktuell.tv Reinschauen lohnt! Viel Spaß.
