Traktorfreunde setzen 500 Eichen im Hillscheider Wald
Anpacken! So lautet die Devise
Im Interview: Revierförster Bernd Nückel
Hillscheid. Für ihre soziale Ader, ihre Hilfs- und Handlungsbereitschaft sind die MitgliederInnen des Traktorfreunde Kannenbäckerland e.V. weit über die Grenzen Hillscheids hinaus bekannt. Aufmerksam verfolgt der Verein das Geschehen um sich herum und findet immer wieder ein Handlungsfeld, welches es Wert ist, von ihnen unterstützt zu werden. Ist die Idee eine Aktion zu fördern erst einmal gekeimt, wächst schnell mit bereitwilliger Motivation ein Plan, der jedes Mal erstaunlich schnell in die Tat umgesetzt wird. Der Einsatz und das Vorgehen der Traktorfreunde sind dabei gleichermaßen uneigennützig wie verbindlich, sozial und zukunftsweisend. So ist es wenig verwunderlich, dass die Truppe am Pfingstsamstag in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Revierförster Bernd Nückel sowie zwei seiner Mitarbeiter 500 Eichen im Hillscheider Wald auf einem Waldstück in unmittelbarer Nähe des Limeskastells gepflanzt haben. Warum der Verein sich dafür engagiert hat, erklärt der erste Vorsitzende Eckhard Kilian: „Grundsätzlich haben die Traktorfreunde nicht nur das Hobby land- und forstwirtschaftliche Geräte zu erhalten, zu sammeln und vorzuführen, sondern uns liegt viel daran, etwas für die Natur zu tun. In der letzten Zeit gab es viele Veröffentlichungen in den Printmedien, aber vor allem auch in den sozialen Netzwerken, die mich doch etwas verwundert haben. Es ärgert mich, dass so viel geschrieben, aber nichts getan wird. Kurzum haben die Traktorfreunde beschlossen nicht nur zu reden und zu lamentieren, sondern etwas zu tun und anzupacken. Dafür haben wir auch ein schönes Motto gefunden: Mit Traktor Eichen – mehr erreichen. Natürlich sind wir alle durchgeimpft oder mit aktuellem negativen Coronatest an den Start gegangen.“
Bernd Nückel freut sich ganz besonders über das enthusiastische Anpacken der Traktorfreunde und dass das Projekt unter den günstigen Ausgangsbedingungen in diesem Frühjahr, weil aufgrund der anhaltenden niedrigen Temperaturen noch keine Vegetation da ist, kurzfristig angepackt und schnell in die Tat umgesetzt werden konnte. Gerüchte darüber, dass den Forstbeamten die Hilfe von Privatpersonen beim Pflanzen von Bäumen zur Wiederaufforstung nicht recht sei, weist der Revierförster übrigens entschieden zurück. Im Gegenteil freue man sich über jede helfende Hand.
Interview mit Revierförster Bernd Nückel
BLICK aktuell: Herr Nückel, warum werden hier auf diesem Stück Wald Eichen gesetzt, statt einer anderen Baumart?
Bernd Nückel: Eichen kommen insbesondere mit den zu erwartenden Veränderungen des Klimawandels, das heißt weniger Niederschläge und höhere Temperaturen, gut zurecht. Die Eiche bildet eine ausgeprägte tiefe Pfahlwurzel aus, die in der Lage ist Wasserressourcen in tieferen Bodenschichten zu erschließen.
BLICK aktuell: Wie hoch wären die Kosten für das Einsetzen der 500 Eichen am heutigen Tag, wenn dies nicht ehrenamtlich von den Traktorfreunden durchgeführt würde?
Bernd Nückel: Die Kosten für das Pflanzen und Beschaffen eines Baumes liegen bei ca. 1,50 Euro.
BLICK aktuell: Die Fichten der heimischen Wälder sind in den letzten drei Jahren dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Warum wurden diese in früherer Zeit überhaupt gesetzt?
Bernd Nückel: Also für den Gemeindewald Hillscheid kann ich sagen, dass hier in den letzten 30 Jahren keine einzige Fichte mehr gepflanzt wurde, weil man bereits erkannt hatte, dass wir uns in Richtung eines Klimawandels bewegen. In den 60er Jahren hatten wir den kältesten Winter des Jahrhunderts. Wenn man nun bedenkt, dass die meisten Fichten vor 60 bis 120 Jahren gesetzt wurden, kann man heute nicht den Menschen, die das damals entschieden haben, einen Vorwurf machen. Für mich ist auch ganz wichtig, dass es Eigentümerentscheidungen waren. Eigentümer wie die Ortsgemeinde Hillscheid, kleine Privatlandbesitzer und Bauern, die damals entschieden haben Fichten zu pflanzen, damit die Enkel später wertvolles Bauholz kostenlos zur Verfügung haben. Vor hundert Jahren hat man so eine in die Zukunft gerichtete Entscheidung getroffen auf Basis der damaligen Erkenntnisse.
BLICK aktuell: Der Borkenkäfer hat den größten Teil des Fichtenbestandes bei uns zerstört. Was passiert denn dahingehend in diesem Jahr?
Bernd Nückel: Der Borkenkäfer ist im Moment arm dran. Er wartet auf Temperaturen, die mehrere Tage hintereinander über 20°C betragen. Dann schwärmt er und die vorhandenen Fichten kann er auch noch befallen. Aber eines ist in diesem Jahr schon abzusehen: Es bilden sich mehrere Generationen. Im letzten Jahr hatten wir über die Sommerzeit drei Generationen Borkenkäfer. Das bedeutet, dass aus einem Weibchen bis zu 2 Millionen Käfer entstanden sind. In diesem Jahr wird es wahrscheinlich nicht möglich sein, dass sich drei Generationen entwickeln. Da kalte Frühjahr entlastet die Situation, auch wenn wir noch nicht wissen, wie der Sommer wird.
BLICK aktuell: Herr Nückel, ein großes Thema war in den vergangenen Jahren die fehlende Niederschlagsmenge und der niedrige Grundwasserspiegel. Hat sich die Lage etwas entspannt?
Bernd Nückel: Auf der Montabaurer Höhe sind in den vergangenen Jahrzehnten durchschnittlich etwa 1000 mm Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. In den Jahre 2018, 2019 und 2020 wurden an der Alarmstange nur 600 – 700 mm nachgewiesen. Es fehlte also ein Drittel des Niederschlags. In diesem Jahr ist das Grundwasser wieder gefüllt, aber für die Pflanzen ist entscheidend, dass das Wasser vorhanden ist, wenn sie wachsen, also jetzt in der Vegetationszeit.
BLICK aktuell: Haben Sie noch weitere engagierte BürgerInnen, die sich mit einer Baumpflanzaktion in Hillscheid einbringen wollen?
Bernd Nückel: Ja, im Herbst dieses Jahres plant die Bürgergemeinschaft MACH MIT e. V. eine ähnliche Aktion mit Kindern durchzuführen. Hier geht es auch um die Symbolik. Es ist Handlungsbedarf da und man will sich einbringen. Auch für die Kinder ist es eine wertvolle Erfahrung später „ihren“ Wald hier wachsen zu sehen.
BLICK aktuell dankt Bernd Nückel für dieses Interview.
„Wir machen das für die nächsten Generationen“
Mit 25 ehrenamtlichen Helfern brachten die Traktorfreunde also am Pfingstsamstag mit einem Spezialwerkzeug, genannt Göttinger Fahrradlenker, Elan und natürlich jeder Menge guter Laune und Spaß 500 Eichen in den Waldboden. Besonders hervorzuheben ist das Engagement von Millie. Die Neunjährige aus den Reihen der Traktorfreunde hat aus ihrer Spardose Bäume gekauft und auch tatkräftig beim Einpflanzen geholfen. Eine sehr gelungene Aktion des Vereins. Gefördert wurde der Einsatz vom Tönissteiner Mineralbrunnen.
„Wir machen das nicht für uns, wir machen das für die nächsten Generationen“, so der erste Vorsitzende Eckhardt Kilian.
Millie plünderte ihre Spardose um das Projekt ‚Mit Traktor Eichen mehr erreichen‘ zu fördern und half natürlich auch aktiv bei der Umsetzung.
Anpacken statt lamentieren! Traktorfreunde erstmals mit dem Göttinger Fahrradlenker im Einsatz.
