„Wissenschaftsmarkt“ im Römerbergwerk Meurin in Kretz war gut besucht
Archäologische Ausgrabung wird auf kleiner Fläche nachgestellt
Kretz. Schauen, fragen, ausprobieren und für einen Tag selbst zu Forschern werden - dazu gab es nach fünfjähriger Pause wieder Gelegenheit im Römerbergwerk und in der angeschlossenen Antiken Technikwelt. Eingeladen hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Mainz, der Hochschule Mainz und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) in Mainz und Mayen. Unter dem Motto „Du kannst forschen“ betreuten sie gemeinsam mit dem Team der Vulkanpark GmbH an „Marktständen“ die wissensdurstigen Gäste. Das Römerbergwerk ist ein archäologisch-technikgeschichtliches Denkmal, und so bot der Wissenschaftsmarkt vor allem Einblick in verschiedene Arbeitsschritte der Archäologen. Schon lange vor der Ausgrabung beginnen die Arbeiten. So erfuhren die Gäste nicht nur, wie man mithilfe der Luftbildarchäologie eine Fundstelle entdeckt und deutet, sondern konnten an einem „Luftbild-Memory“ auch selbst Gespür für die verwirrenden Linienmuster beweisen, die aus der Luft zu erkennen sind.
Ist ein Fundplatz schließlich ausgegraben, geht es an die Dokumentation. Dies kann man ganz traditionell mit Maßband und Zeichenrahmen tun, wie es am Beispiel Römerbergwerk demonstriert wurde - beim Zusammenfügen des Gesamtplans kommt dann allerdings ein geographisches Informationssystem zum Einsatz. Dass es mit Hightech noch müheloser geht, bewiesen die Vermessungsingenieurinnen der Hochschule Mainz und des RGZM. Sie hatten einen modernen Streifenlichtscanner im Gepäck, mit dem sich virtuelle 3D-Modelle von historischen Objekten erstellen lassen - ganz gleich, ob Bergwerk oder Keramikgefäß.
Ordnen, vergleichen und interpretieren
Viel Geduld erfordert nach wie vor die Bearbeitung der Funde. Oft gehen sie zunächst durch die Hände der archäologischen Restauratoren. Was zwei hoch spezialisierte Profis aus den Werkstätten des RGZM in Vollendung vorführten, machten ihnen die jungen Gäste am Keramikstand begeistert nach: Mit viel Ausdauer fügten sie liebevoll zerscherbte Blumentöpfe, Schalen und Teller zusammen. Aber Fundbearbeitung bedeutet auch ordnen, vergleichen und interpretieren. So erfuhren hier die erwachsenen Besucher, was unscheinbare Keramikscherben alles an spannenden Informationen über die Vergangenheit bereithalten.
Faszinierend sind auch die Aussagemöglichkeiten in archäologischen Spezialgebieten, etwa bei der Arbeit mit Tierknochen, der Archäozoologie. Die Küchenabfälle der Vorfahren verraten mindestens ebenso viel über Wirtschaftsweise, Wohlstand und soziale Unterschiede wie andere Funde einer Ausgrabung. Auch das Museum für Antike Schiffahrt, Außenstelle des RGZM in Mainz, war nicht ohne Grund auf dem Wissenschaftsmarkt vertreten, wäre doch der wirtschaftliche Boom des antiken Industriereviers zwischen Eifel und Rhein ohne eine exzellente Verkehrsanbindung gar nicht möglich gewesen. Lastschiffe und -boote brachten die schwere Steinfracht mühelos auch zu entfernten Absatzmärkten.
Es gab viel zu schauen und zu testen
Viele Familien verbrachten bei bestem Wetter den ganzen Tag auf dem „Wissenschaftsmarkt“. Da traf es sich gut, dass es auch draußen in der Antiken Technikwelt für Groß und Klein genug zu schauen und zu testen gab. An gleich drei Stationen zeigte die Experimentelle Archäologie, was sie kann. Der beste Beweis ist der Nachbau der Steinsägemaschine von Ephesos. Diese größte Installation der Technikwelt ist selbst das Ergebnis langer Versuchsreihen. Während sie mit Wasserkraft automatisch arbeitet, konnten Besucher an der kleineren mobilen Säge Hand anlegen. Ganz ohne Vorbilder archäologischer Funde wurde die antike Steindrehbank rekonstruiert - nur nach den Beschreibungen des römischen Schriftstellers Plinius. Auch tonnenschwere Säulen dreht man auf dieser Maschine mit Leichtigkeit, wovon sich die Besucher unter kundiger Anleitung selbst überzeugen konnten. Eine dritte Station war den Töpferöfen von Mayen gewidmet, die seit einigen Jahren am Labor für Experimentelle Archäologie auf dem Mayener Grubenfeld erforscht werden. Hier gab es Gelegenheit, alte Handwerkstechniken kennenzulernen und die Eigenschaften der Mayener Tone sinnlich zu erfahren.
Wem das Lauschen, Begreifen und Ausprobieren Lust auf mehr gemacht hatte, konnte schließlich noch in einem kleinen Vortragsprogramm die Themen des Wissenschaftsmarktes auf sich wirken lassen. Am Ende sorgten Kaffee und Kuchen für Stärkung.
Der „Wissenschaftsmarkt“ bot den Besuchern vor allem Einblick in verschiedene Arbeitsschritte der Archäologen.
