Gut besuchte Gemeindeversammlung der katholischen Kirchengemeinde Rheinbach
Auf dem Weg zur Versöhnung
Weihbischof Ansgar Puff fand lobende Worte
Rheinbach. Selbst Weihbischof Ansgar Puff vom Erzbistum Köln zeigte sich überrascht vom starken Besuch der Gemeindeversammlung, zu der mehr als 200 Katholiken in die Rheinbacher Pallotti-Kirche strömten. Der Weihbischof befindet sich noch bis Mitte März auf Visitation in der katholischen Kirchengemeinde St. Martin, durch die im Zusammenhang mit der Verabschiedung der Patres des Deutschen Ordens schon seit etwa einem Jahr ein tiefer Riss geht. Puff machte allerdings klar, dass er nicht deswegen in die Glasmetropole gekommen sei, sondern dass es sich um eine ganz normale Visitation handele. Dass er die Gelegenheit nun nutzen könne, zu versuchen, die aufgerissenen Gräben wieder zuzuschütten, könne man vielleicht als Glücksfall ansehen.
Gute und vertrauensvolle Atmosphäre
Und da sei er durchaus zuversichtlich, erklärte der Weihbischof nach der Gemeindeversammlung. In einer sehr guten und vertrauensvollen Atmosphäre seien von den Gemeindemitgliedern sehr persönliche Ansichten geäußert worden, die sicherlich dazu beigetragen hätten, den jeweils anderen Standpunkt besser zu verstehen. „Ich sehe diesen Abend als Meilenstein an auf dem Weg, wieder normal miteinander umzugehen, sich wieder zuzuhören und aufeinander zuzugehen“, so Weihbischof Puff. Verständlicherweise habe es einige emotionale Stellungnahmen gegeben, doch letztlich könne man feststellen, dass alle bereit seien, sachlich und unaufgeregt aufeinander zuzugehen. Er halte das für einen ersten Schritt beim Versuch der Verständigung.
Ehrenamtliche Beteiligung wichtiger denn je
Die Teilnehmer der Gemeindeversammlung waren zu Beginn gebeten worden, auf drei verschiedenfarbigen Kartons aufzuschreiben, welche Verletzungen es gegeben habe, was man sich für die Zukunft wünsche und wie es in der Gemeinde weitergehen solle. Pastoralreferentin Brigitte Schmidt aus Bonn hatte dafür die Moderation übernommen. Gerade in der jetzigen Zeit sei eine ehrenamtliche Beteiligung der Gemeindemitglieder wichtiger und notwendiger denn je, deshalb sei es umso mehr von Bedeutung, dass man wieder zueinander finde und zusammenarbeiten könne, merkte sie an. Sämtliche schriftlichen Stellungnahmen des Abends sollten im Anschluss zusammengefasst und ausgewertet werden. Dafür wurde am Ende der Gemeindeversammlung ein kleines Gremium mit zwei Mitgliedern des Pfarrgemeinderates sowie Moderatorin Schmidt und Pfarrverweser Hermann Josef Zeyen zusammengestellt, das die Stellungnahmen sichten und aufbereiten soll. Der Pfarrgemeinderat als gewähltes Gremium müsse sich dann letztlich - voraussichtlich unter Einbeziehung weiterer Gremien und Personen - mit der Frage beschäftigen, wie man damit umgehen wolle.
Starke Spaltungen in der Gemeinde
Derzeit gebe es eine Pro-Patres- und Contra-Patres-Fraktion in der Gemeinde, bedauerte Puff. Dadurch habe es ziemlich starke Spaltungen in der Gemeinde gegeben, doch ihm liege sehr am Herzen, dass die Gemeinde wieder zu einer Einheit zusammen finde. „Wir möchten versuchen, die Gemeinde auf einem längeren Prozess zu begleiten, so dass man vielleicht zwar unterschiedlicher Meinung ist, dennoch aber weiterhin zusammenarbeiten kann.“ Pfarrverweser Zeyen und er wollten nun versuchen, Brücken zu bauen und die Verletzungen zu heilen. „Anscheinend lebt man hier in einer Parallelwelt und hat gar keine Vorstellung davon, dass das, was der andere empfindet, auch vernünftig, richtig, plausibel und gut sein könnte“, hatte Zeyen in seiner etwa zweimonatigen Amtszeit als Pfarrverweser festgestellt. Vielleicht könne die Gemeindeversammlung die Tür öffnen zu einem Weg, auf die man dann vielleicht langsam, aber kontinuierlich weitergehen könne.
Weihbischof Ansgar Puff und Pfarrverweser Hermann Josef Zeyen zeigten sich optimistisch, dass die Gemeindeversammlung einen ersten Schritt zur Versöhnung der Kirchengemeinde darstellt.
