Berliner Institut für Talententwicklung („IfT“) präsentierte seine „vocatium Region Koblenz“
Ausbildungseinrichtungen und Schulabgänger konzentriert zusammenbringen
Koblenz. Zum dritten Mal präsentierte jetzt das Berliner Institut für Talententwicklung („IfT“) seine „vocatium Region Koblenz“, eine zweitägige eintrittsfreie Fachmesse für Ausbildung und Studium. Zum zweiten Mal fand sie in der Rhein-Mosel-Halle statt. Die Messe, für die der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner die Schirmherrschaft übernahm, soll einerseits jungen Menschen Orientierungsmöglichkeiten auf dem Weg der Berufsfindung bieten. Andererseits kann sie den teilnehmenden Ausbildungsbetrieben, Verbänden, Akademien, Fachhochschulen und Hochschulen beziehungsweise Universitäten den gesuchten Nachwuchs von interessierten und qualifizierten Lernwilligen bescheren.
Verbindlich vereinbarte Gesprächstermine
Das Konzept der vocatium hebt sich ab von den üblichen Berufs- und Ausbildungsmessen durch die maximal vier im Vorfeld per Anmeldebogen verbindlich vereinbarten Gesprächstermine. Die Schüler der insgesamt 35 durch das IfT angesprochenen und auf den Termin vorbereiteten Schulen der Region konnten aus knapp fünfzig Ausstellern wählen, um sich im Gespräch konkret über Ausbildungs-, Studien- und duale Studienmöglichkeiten zu informieren. Zusätzlich bestand die Gelegenheit, die von einzelnen Ausstellern angebotenen Vorträge und den kleinen, praktische Einblicke gewährenden Berufeparcours zu besuchen.
Bei einem Pressegespräch, zu dem sich Vertreter aus Bildungseinrichtungen und Ausstellungsbetrieben am Morgen des ersten Messetages zusammenfanden, erläuterte Projektleiterin Tina Thewalt gemeinsam mit der Geschäftsführerin der IfT West GmbH, Martina Czerwinski, Wissenswertes zu vocatium und Institut. Die in vier Regionalgesellschaften gegliederte IfT GmbH arbeitet mit rund 240 Mitarbeitern an neunzig Standorten bundesweit (in Koblenz: Löhrstraße 64c) „mit Leidenschaft daran, SchülerInnen die Vielfalt der Berufsmöglichkeiten aufzuzeigen“ und sie mit Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen in Kontakt zu bringen. Seit bereits 18 Jahren ist das 1992 gegründeten Unternehmen auf die Themenschwerpunkte Berufsorientierung und Talentförderung spezialisiert.
Neben der Organisation von über 100 Bildungsmessen bereitet das IfT mit seiner „vocatium Akademie“ knapp ein Jahr vor den Messeterminen Schüler, Eltern und Lehrkräfte in Vorträgen, Workshops und bei Talente-Camps auf die Messen und das Thema Berufsorientierung vor. Jährlich motiviert das IfT mit diesem Angebotspaket fast 500.000 junge Menschen, ihre Talente zu erkennen und die Wahl ihres Ausbildungsweges ernst zu nehmen.
Eltern- und Schülertage „parentum“
Im nächsten Jahr, so Martina Czerwinski, sollen die Eltern- und Schülertage „parentum“ als zweite IfT-Bildungsmesse in Koblenz die vocatium ergänzen. Tina Thewalt, die die Statistik der Fachmesse aufzeigte, nannte das Vollzeitstudium einen „echten Hype“ unter den Ausbildungswegen. Währenddessen sei das Interesse am dualen Studium zurückgegangen. Die Schüler bevorzugten offenbar ein stressfreieres Lernen. Ein Sechstel der insgesamt 5.000 vereinbarten Gespräche wurde mit den Universitäten ausgemacht. In der Gunst der Schüler ganz vorne lagen die Studiengänge Medizin und Psychologie. Die Entscheidung für eine klassische Ausbildung sei weiterhin rückläufig. Allein siebzig Prozent der die Messe besuchenden Schüler strebe das (Fach-)Abitur an. Die Problematik der hochgesteckten Bildungsziele, die Bedeutung guter Abschlussnoten und die Aufgaben von Kurz- und Langzeitpraktika sowie Infotagen in den ausbildenden Betrieben/Institutionen waren thematische Schwerpunkte der anschließenden Diskussionsrunde. Als Fakt wurde herausgestellt, dass die große Zahl der Schulabgänger mit hohen Bildungsabschlüssen die Chancen derjenigen mit einfachen Abschlüssen erheblich herabsetzt. Es sei ein Verdrängungsprozess auszumachen, ausgelöst vor allem durch die Schüler, die sich mit Fachoberschulreife oder sogar Abitur für eine Berufsausbildung entscheiden.
Mit guten Abschlussnoten könne ein Praktikum unter Umständen gegensteuern. Denn im Betrieb hat jeder Schüler die Chance, seine Qualitäten ins rechte Licht zu rücken und den Arbeitgeber von sich zu überzeugen. In jedem Fall gebe ein Praktikum, darin waren sich alle Gesprächspartner einig, Arbeitgebern und Auszubildenden die Möglichkeit zu prüfen, ob die Chemie passt. Darüber hinaus rückt es die selbst entworfenen Berufsbilder in einen realen Rahmen. Ganz ungeplant findet sich mit einem Praktikum gelegentlich sogar ein neuer Traumberuf. Für Kurzzeitpraktiken gilt das nur eingeschränkt. In der Kürze der Zeit kann dem Praktikanten kaum ausreichend Wissen vermittelt werden, um ihm in sämtliche Facetten des Berufes fundierte Einblicke zu gewähren.
Starthilfe für Schulabgänger
Auf verschiedene Weise gab die vocatium den künftigen Schulabgängern eine Starthilfe für den nachschulischen Bildungsweg. Hier konnten sie nicht nur allgemeine Informationen einholen, sondern zugleich ihre Chancen auf einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz bei den „werbenden“ Institutionen und Betrieben abklopfen. Dazu gehörten unter anderem DRK-Mittelrhein, Stadtverwaltung Koblenz, Stabilus, Laserline, Schottel, evm – Energieversorgung Mittelrhein, „Die Lohner’s“ Bäckereien, Zoll, Hochschule Koblenz und Trier, Bistum Trier, und Dr. Schmidt und Partner. Am Stand der Deutschen Bahn sprach Ausbildungskoordinator Steffen Dietze auch kritische Punkte an. So führte er aus, dass Ausbildungsstandorte und Berufsschulen, die nicht wohnortnah aufgestellt sind, bei den jungen Schulabgängern ziemlich unbeliebt seien. Trotz einiger schwarzer Schafe, die entgegen dem IfT-Konzept den Messebesuch nur als Pflichtprogramm betrachtet haben sollen, gab es bei der überwiegenden Zahl der Aussteller hinsichtlich des gezeigten Interesses positive Rückmeldungen. Sogar an Ständen, wie beispielsweise dem von „Media Arts Academy Pixlvisn“ aus Köln, wo für die Ausbildung zum „Digital Media Artist in der Unterhaltungsindustrie“ ein fünfstelliger Euro-Betrag zu zahlen ist, bildeten sich regelmäßig wahre Besuchertrauben. Viele Aussteller, darunter auch der Bildungscampus Koblenz des Katholischen Klinikums Koblenz-Montabaur, meldeten vor allem an den Vormittagen zahlreiche intensive Gespräche mit zum Teil sehr gut vorbereiteten Besuchern.
Am Ende der beiden Messetage konnte das IfT resümieren, einen erfolgreichen Beitrag geleistet zu haben, um Ausbildungseinrichtungen und künftige Schulabgänger konzentriert zusammenzubringen.
BSB
DB-Ausbildungskoordinator Steffen Dietze (vorne) freut sich über ernst gemeinte Informationsgespräche, wie dieses zu den Karrierechancen bei der Deutschen Bahn.
