Musikkabarettist Matthias Reuter lockte rund 230 Gäste in die Rheinhalle
„Auswärts denken mit Getränken“
Remagen. „Er ist kein Riese in Person, doch auf der Bühne wächst er über sich hinaus. Er besitzt eine Präsenz, die sich erst auf den zweiten Blick entfaltet.
Dabei besticht er mit musikalischer Virtuosität. Mit souveräner Gelassenheit greift er Themen von der Straße auf und steht damit in bester Tradition eines Jürgen von Manger.“ So hieß es in der Begründung zum Jurypreis Tegtmeiers Erben 2011, mit dem der Musikkabarettist Matthias Reuter ausgezeichnet wurde.
Und das stellte der Musikkabarettist Matthias Reuter jetzt auch in der Remagener Rheinhalle unter Beweis. Der 41-jährige Oberhausener begeisterte die rund 230 Gäste in der Remagener Rheinhalle mit seinem vierten Kabarettprogramm „Auswärts denken mit Getränken“, und machte klar, dass Denken schon immer sein Hobby war. Er machte sich Gedanken über Gott und die Welt und verlieh seinem Bedauern darüber Ausdruck, dass es zu Hause kaum mehr möglich sei zu Denken. Ständig werde man von Facebook, SMS, E-Mails, Twitter und WhatsApp abgelenkt.
Und genau darum habe er sich entschlossen, auswärts zu denken. Und was liege da näher als „Auswärts zu denken mit Getränken“.
Reuter präsentierte klassisches Musikkabarett und schaffte es sich mit eher leisen Tönen Gehör zu verschaffen.
Er sang über die Erfahrungen eines Zeitgenossen beim Umzug. In der Ballade heißt es: „Es schellt und vor der Tür da steht ein Monster und will rein. Ich denke ‚Was für ein Glück, das wird der Möbelpacker sein.‘ Durch den Spion sieht man schon seine baggergroßen Klauen mit den bloßen Händen kann er Braunkohle abbauen. Er ist selbst wie ein Möbel und kann Eisen verbiegen, Du musst werden wie der Feind, um den Feind zu besiegen, darum ist er halb Mensch und zur anderen Hälfte Schrank, stärker als ein Gallier voll Zaubertrank. Er frisst rohe Elche und säuft Möbelpolitur. Drück ihm nicht die Hand, sonst gibt´s ne Mittelhandfraktur. Glücklich öffne ich die Tür und begrüße den Koloss und er sagt: ‚Ich schlepp hier gar nix. Wozu bin ich denn der Boss?‘“
Matthias Reuters inzwischen viertes Programm bietet ein breites, humoriges Spektrum: karnevaleske Beobachtungen zur Einordnung der Flüchtlinge in entsprechendes Brauchtum, Lieder zum EU-Gezänk, der Entwurf eines ersten deutschen Flüchtlingsmusicals und immer wieder Absurd-Skurriles aus dem Ruhrgebietsalltag.
Wie zum Beispiel jene Beobachtung einer regelrechten Revolte Essener Biergartenbesucher, die den Redeversuch eines AfDlers nach dem Petry-Heil-Parteitag handfest deutlich unterbanden, was in dem Satz kulminierte:
„Komm geh wech mit deiner Scheiße und mach die Musik wieder an“.
Er singt einen NRW-Abitur-Blues und drückt darin aus, das es NRW gelungen sei in der Pisa-Studie noch hinter Bremen zu landen. Er hat schräge Stories im Angebot, mal vorgelesen, mal als Ballade und legt hie und da den Finger in die Wunde.
Reuter versteht es, zwischen Quatsch und Blues mit feinem, leisen Humor Dingen auf den Grund zu gehen, die selbst im Kabarett selten entlarvt werden.“ Ein Genuss für die Fans der leiseren Töne.
AB
