Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands
Beim Stollenfest in Dresden
Odendorf/Essig/Ludendorf. „Auf zum Stollenfest nach Dresden“, so lautete das Thema der Fahrt, welche die kfd St. Petrus und Paulus Odendorf-Essig-Ludendorf, im Dezember 2014 ihren Mitgliedern anbot.
Immer am 2. Adventswochenende veranstaltet die Stadt Dresden im Rahmen ihres Stritzelmarktes ein Stollenfest. Dies wollten sich 46 Mitglieder der kfd nicht entgehen lassen. In Erinnerung an das Zeithainer Lustlager 1730 August des Starken zogen auch diesmal verschiedene Gilden und Innungen wie Bäcker, Schornsteinfeger, Räuchermännchenmacher oder verschiedene Soldatenregimenter mit dem vier Tonnen schweren Stollen durch die Innenstadt von Dresden. Unter den kritischen Augen August des Starken wurde der Riesenstollen mit dem 1,6 m langen Stollenmesser in mindestens pfundgroße Stücke geteilt. Tausende Touristen schauten sich diese Spektakel vergnügt an und erwarben sich ein Stück des leckeren und nach alter Tradition gebackenen weltgrößten Riesenstollens. Der Erlös kam einem guten Zweck zugute.
Aber in Dresden gibt es mehr zu sehen, als den Stollenumzug. Auf der Stadtführung beeindruckte das Gesamtensemble von Schloss, Semperoper, Zwinger, Schlosskirche, Fürstenzug, Brühlscher Terrasse, Coselpalais und Frauenkirche umrahmt von der Elbe. Nicht umsonst wird Dresden auch liebevoll als „Elbflorenz“ bezeichnet.
Nach der Ankunft in Dresden hatte die Gruppe einen Empfang bei Dr. Heiner Koch, früher Weihbischof von Köln und jetzt Bischof von Dresden und Meißen. Gerade im Zeichen der aktuellen Pegida-Demonstrationen, von deren auch Größe auch er überrascht wurde, berichtete er von seiner Arbeit und den neuen Herausforderungen. Seinen Ausführungen über die Schwierigkeiten, mit 4 Prozent Katholiken und 83 Prozent Ungetauften den Glauben weiterzugeben, hörte man gebannt zu. Er berichtete von vollen Kirchen, Kindern im Kindergarten, die den christlichen Glauben mit Herzblut leben, Firmlingen, die einen weiten Weg zum Unterricht in Kauf nehmen und Familien, die bei einer Mahlzeit von ihren Jüngsten mit einem Gebet überrascht werden oder einer Großmutter, die es nicht fassen kann, dass sich die Familie ihres Sohnes komplett taufen lässt. Er sieht die Gemeinde wachsen und hat auch genug junge Männer, die sich für das Priesteramt interessieren.
Sehr angetan und berührt von seinen Äußerungen zeigte sich die Gruppe mit einem „Überlebenskorb aus seiner Heimat“, bestückt mit Flöns und Kölsch, erkenntlich. Zum Abschied bekam er noch ein Ständchen in kölscher Mundart gesungen, das ihn wiederum sehr berührte.
Für den Freitag war eine Fahrt ins Erzgebirge angesagt. Die Not der Bergleute im Silberbergwerk, ihre schlechten Arbeitsbedingungen, aber auch ihr fester Glaube, berührte die Gruppe bei der Besichtigung des „Gössner Stollens“ in Annaberg Buchholz sehr. Imposant stellte sich „St. Annenkirche“, eine spätgotische Hallenkirche vor, dessen Gewölbe mit sechsteiligen Schlingen- und Schleifenblüten und dem Bergmannsaltar seinesgleichen sucht.
Schwippbögen, ob in Fenstern oder in die Landschaft gestellt, begleiteten den Weg nach Seiffen. Hier ist die Tradition der erzgebirgischen Schnitzkunst sehr ausgeprägt. Ursprünglich wurde Holzspielzeug gefertigt, das besonders zu den Auswanderern in die USA verschickt wurde. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Weihnachtsdekorationen auf. Das Seiffener Spielzeugmuseum bot darüber einen guten Überblick. Auffallend war, dass durch die jahrzehntelange Ausgrenzung der christlichen Tradition in der ehemaligen DDR wenige christliche Motive zu finden waren. Engel, Nussknacker, Bergmänner und Kerzen überwogen. Ein geselliger und zünftiger Abend im Pulverturm in Dresden mit Gesang und Lautenklang rundete den Tag ab.
Ein Besuch des Weihnachtsoratoriums von Bach in der wunderschönen Frauenkirche war sicherlich eines der Höhepunkte der Fahrt. Nach dem gemeinsamen Besuch der Sonntagsmesse im Dom mit dem Genuss die Silbermannsorgel in ihrer vollen Bandbreite zu hören, ging es mit einem Stopp in Erfurt wieder angefüllt mit unauslöschlichen Eindrücken der Heimat zu.
