„Menschliches, Allzumenschliches“ im Rheinbacher Glasmuseum
Besondere Ausstellung auf die Beine gestellt
Von Heiligen und Madonnen, Trunkenbolden und neckischen Nackten
Rheinbach. Die Faszination des Glases erfreute wieder einmal eine große Anzahl Besucher im Rheinbacher Glasmuseum. Museumsleiterin Dr. Ruth Fabritius hatte mit ihrem Team eine Ausstellung der besonderen Art zusammengestellt. „Wir wollten einmal unabhängig von einem besonderen Anlass, etwa der Würdigung eines großen Glaskünstlers, zeigen, was in den Beständen unseres Museums an mehr oder weniger verborgenen Schätzen vorhanden ist. Da wir ja tagtäglich mit Menschen zu tun haben, lag es nahe, das Thema Mensch in seiner künstlerischen Darstellung zu präsentieren. Die Darstellung des Menschen ist seit Urzeiten ein Hauptanliegen der Kunst schlechthin, und damit auch der Glaskunst“, erläuterte Fabritius. Dennoch überrascht die Vielfältigkeit, mit der Glaskünstler aller Epochen den Menschen in ihr Schaffen auch mit dem Werkstoff Glas einbezogen oder sogar in den Mittelpunkt gestellt haben.
Vizebürgermeister Claus Wehage ging in seinem Grußwort insbesondere auf die Besonderheiten einiger dargestellter Figuren ein. So zeigen Gläser aus dem Barock, eine Zeit üppiger Prachtentfaltung, nicht nur höfische Herrscherporträts, sondern auch Darstellungen derber Erotik, die seinerzeit sicher schenkelklopfende Heiterkeit in privaten (eher männlichen) Zirkeln gefunden haben, die heute dem Betrachter aber allenfalls ein leichtes Schmunzeln abringen können. Bis tief in das 19. Jahrhundert hinein waren nackte oder kaum bekleidete Körper ohnehin überwiegend als mythologische Gestalten getarnt, sei es als Flora und Zephyr, sei es als Venus oder Luna.
Auch religiöse Motive wurden in das Glas geätzt oder geschliffen. Madonnen und Heilige, oft nach dem Vorbild populärer Gemälde etwa von Leonardo da Vinci, Raffael oder Albrecht Dürer, waren beliebte Motive.
Künstlerischer Aufbruch im 20. Jahrhundert
Erst das 20. Jahrhundert entließ den (gläsernen) Akt aus der Umklammerung des Mythologischen und stieß die Tür zum freien künstlerischen Umgang mit dem Thema bis hin zum Experiment und Happening auf. In den Arbeiten der Studioglasbewegung wird der Mensch in der technisierten Welt, aber auch bei Sport, Spiel und Tanz, wie etwa die Ballerina von Josef Welzel, dem großen Glaskünstler aus Hadamar, dargestellt. Gerade die Zerbrechlichkeit des Glases scheint geeignet, die Gefährdung des Menschen in unserer Zeit künstlerisch zu reflektieren. „Die Ausstellung vereint für einige Monate Gläser mit figürlichen Darstellungen und wagt damit einen etwas anderen Blick auf unsere eigenen Bestände einschließlich der Sammlung Bruns und Mülstroh. Dabei spürt sie dem Wandel des ‚gläsernen Menschenbildes‘ nach“, ermuntert die Museumsleiterin auch künftige Besucher, sich mit Muße die Objekte anzuschauen. Mit Musik und Histörchen nach dem Motto „Die schönsten Geschichten schreibt das Leben“ begleitete der Rheinbacher Komponist und Autor Bernd Schumacher die Ausstellungseröffnung.
Bleu People von Kjell Engmann, Schweden.
Leonardo da Vinci, Josep Maria Subirachs, Frankreich.
