Allgemeine Berichte | 04.07.2017

Förderverein der evangelischen Kirchengemeinde Bad Ems hatte zu Bierprobe und Flammkuchen eingeladen

„Bier und Bibel“ fröhlich kennengelernt

Erstmals hatte der Förderverein der Kirchengemeinde zu einer Bierprobe eingeladen.

Bad Ems. „Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!“, schallte es kräftig aus der evangelischen Martinskirche in Bad Ems. Das war durchaus auch auf die leckeren Getränke gemünzt, die es im Anschluss an die kurze Andacht im Gemeindehaus zu genießen gab. Erstmals hatte der Förderverein der Kirchengemeinde zu einer Bierprobe dorthin eingeladen.

„Weinproben kann jeder, deshalb hatten wir die Idee, zugunsten der neuen Orgel mal den Gerstensaft zur Verkostung anzubieten“, erklärt Siegfried Preuß zum Hintergrund des bekömmlichen Sommerabends unter dem Motto „Bier und Bibel“. Ein emsiges Küchen- und Keller-Team schenkte nicht nur elf verschiedene Biersorten aus, sondern verköstigte die gut gelaunten Gäste im evangelischen Gemeindehaus auch mit frisch zubereitetem Flammkuchen.

Gemeindepfarrer Armin Himmighofen stellte die einzelnen Biersorten vor und verkürzte die Wartezeiten zwischen den Proben mit Wissenswertem und Amüsantem rund ums Thema. Den Anfang machte er mit Goethes Ballade „Der treue Eckart“. Sie handelt von der wundersamen Weise, auf die sich Bierkrüge wieder füllten, die Kinder für ihre Eltern abholen sollten und unterwegs von „unholdigen Schwestern“ leer getrunken bekamen. Auch im Gemeindehaus füllten sich die Gläser immer wieder mit anderen schäumenden Sorten. Kölsch, Pinkus-Pils, klösterliches Scheyern-Bier, irisches Kilkenny oder Stout-Bier gehörten zu den Proben. Den Abschluss machte ein Manufaktur-Bier aus Augsburg mit leichtem Limonengeschmack, der durch eine besondere Hopfensorte eingebracht wird.

Die biblische Geschichte von der Hochzeit zu Kana, in der Jesus während einer Hochzeitsfeier Wasser in Wein verwandelt, dürfte nicht nur bibelfesten Christen ein Begriff sein. Dass Bier zumindest im Alten Testament der Bibel in der Einheitsübersetzung nicht unerwähnt bleibt, darauf wies der Gemeindepfarrer hin, als er auf eine Stelle im 5. Buch Mose aufmerksam machte. In dem Abschnitt geht es um das „Zehntjahr“, in dem offenbar „alles auf den Kopf gehauen wurde, um Scheune und Keller zu leeren“. Bei dieser Gelegenheit sei auch Bier erlaubt gewesen, wobei das jüdische „schechor“ besser mit starkem „Rauschgetränk“ übersetzt werden müsse. „Solch ein Getränk durfte man damals nur erlaubt verabreichen, wenn jemand sterbenskrank war.“

Es gebe zwar archäologische Funde vom Einsatz von Hopfen beim Bierbrauen. „Gegorene Stärke eignet sich aber auch zum Einsatz von Kräutern, vielleicht sogar von halluzinogenen, weshalb es heißt, dass das Rauschgetränk wild macht“, erklärte Himmighofen. Bei dieser Gelegenheit berichtete er vom Grutbier, das vor allem in Norddeutschland, Holland und in Dänemark gebraut wurde. Dabei kamen auch Fliegenpilz und Tollkirsche zum Einsatz. Vielleicht sei deshalb das Reinheitsgebot entstanden. Das stammt aus Bayern und ist übrigens genau ein Jahr älter als Luthers Thesenanschlag, mit dem vor 500 Jahren die Reformation eingeleitet wurde.

Die Bierprobanden erfuhren außerdem, dass Hopfen eine konservierende Wirkung hat, weil es antibakteriell ist. Himmighofen erklärte den Unterschied zwischen obergärig und untergärig und erläuterte die einzelnen Phasen der Bierherstellung vom Mälzen und Keimen zum Darren und Gären und Lagern. Der Geschmack entstehe beim Malzdarren oder -brennen, bei der Wasserzugabe und bei der Zusammensetzung des Malzes und des Hopfens sowie der Nachgärung im Lager.

„Bierische Heimatkunde“

„Für die Kultur des Biertrinkens in unserem Land sind vor allem die Mönche verantwortlich“, stellte der Theologe fest. „Sie haben in Fastenzeiten fünf Krüge Bier pro Tag trinken dürfen, was ungefähr zehn Litern entsprach“, erzählte Himmighofen und nahm an, dass der Alkoholanteil damals sehr gering war. Bier besänftige den Hunger. Dass es dick macht, sei ein verbreitetes Vorurteil, das der Duden befördere, indem dort „Bierbauch“ mit „dicker Bauch“ beschrieben werde. Oft sei es ein Kapuzinermönch, mit dem für Bier geworben werde. „Es gibt jedoch nur noch wenige Klosterbrauereien. Die älteste ist im Kloster Weltenburg mit dem Asam-Bier; in unserer Region gibt es noch die Klosterbrauerei Machern an der Mosel“, bot Himmighofen etwas bierische Heimatkunde. Auch persönliche Erlebnisse zum Thema kamen an diesem Abend nicht zu kurz. Ludwig Müller, der im Namen des Fördervereins allen Akteuren für ihr Engagement dankte, erzählte von seinem ersten Gang zum Biertrinken mit dem Bruder. Der habe damals mit drei Fingern ein Pils bestellt. Und als er nach dem Grund für die drei Finger fragte, antwortete der Bruder: „Weil es sieben Minuten braucht, bis ein Bier gezapft ist“. Für Heiterkeit sorgte die Namensgeschichte des Pubarschknall-Bieres aus Quedlinburg. Das nur kurz gelagerte Braunbier wurde im 19. Jahrhundert von Bierkutschern ausgefahren, musste mit Wasser gemischt werden, um es dann in Flaschen noch etwas reifen zu lassen. Wer es nicht abwarten konnte, dem bescherte der Genuss des unreifen Bieres allerdings üble Magenschmerzen und Blähungen, was zu dem außergewöhnlichen Namen führte. Die legendäre Biermarke ziert heute noch die Etiketten.

Wenn vom Bier in der Einheitsübersetzung der Bibel überhaupt die Rede ist, dann immer in Verbindung mit Wein. Der taucht mehr als 1500 Mal im Buch der Bücher auf. „Bier ist vor allem bei den Kelten beliebt gewesen und kommt in der Bibel kaum vor. Die Bibel ist eben in Weingegenden entstanden“, so Gemeindepfarrer Himmighofen.

Pressemitteilung Evangelische

Öffentlichkeitsarbeit Rhein-Lahn

Gemeindepfarrer Armin Himmighofen gab Wissenswertes zur Geschichte von Bier und Klöstern zum Besten. Fotos: privat

Gemeindepfarrer Armin Himmighofen gab Wissenswertes zur Geschichte von Bier und Klöstern zum Besten. Fotos: privat

Erstmals hatte der Förderverein der Kirchengemeinde zu einer Bierprobe eingeladen.

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