Eduard Pinger aus Welling ist seit über 40 Jahren als „Phänologischer Beobachter“ für den Deutschen Wetterdienst im Einsatz
„Biologie war in der Schule schon mein Lieblingsfach“
Welling. Als der pensionierte Kriminalhauptkommissar Eduard Pinger aus Welling 1981 sein Ehrenamt als „Phänologischer Beobachter“ des Deutschen Wetterdienstes (DWD) antrat, hätte er sich ganz sicher nicht träumen lassen, dass er dafür 40 Jahre später mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet werden würde.
Wenngleich er zur Ordensverleihung wegen der Corona-Pandemie nicht, wie normalerweise üblich, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin empfangen werden konnte, freute der Hobby-Botaniker sich, als er –gemeinsam mit seiner Ehefrau Ingrid- für den 11. November 2021 eine Einladung von Bürgermeister Maximilian Mumm in den Ratssaal der Verbandsgemeinde Maifeld erhielt, wo er die von Bianca Pflückhahn, Leiterin der Agrarmeteorologischen Beratung des Deutschen Wetterdienstes, im Auftrag des Bundespräsidenten überreichte hohe Auszeichnung entgegen nahm. Frau Pflückhahn unterstrich bei dieser Gelegenheit: „Ihre Daten sind ein großer Schatz im Beobachtungsnetz des Deutschen Wetterdienstes und unverzichtbarer Bestandteil der agrarmeteorologischen Beratung im Mittelrheinischen Becken. Auf der Basis Ihrer Informationen berechnen wir u.a. Pollenflug und Waldbrandgefahr. Pflanzen sind unbestechlich, sie zeigen Veränderungen im Klima viel deutlicher als Messgeräte.“
Gegenüber BLICK aktuell sprach der 1954 in Naunheim geborene und seit ca. 50 Jahren in Welling wohnende Naturfreund Eduard Welling über sein langjähriges Interesse an der Pflanzenwelt.
BLICK aktuell: „Während heute viele junge Menschen für den Schutz der Natur kämpfen, befassen Sie sich schon seit einigen Jahrzehnten mit der Entwicklung der Pflanzenwelt. Wie kam es dazu?“
Eduard Pinger: „Ich war schon immer ein Naturmensch. Bereits während der Schulzeit war Biologie mein Lieblingsfach. Wir hatten in der Realschule Mayen einen Lehrer, der zu jeder Jahreszeit mit uns direkt in die Natur ging. Als ich später, im Alter von etwa 20 Jahren allein durch Wiesen und Wälder streifte, lernte ich zufällig den 2012 verstorbenen bekannten Botaniker Hans Hoffmann aus Mayen-Hausen kennen. Von diesem Zeitpunkt an gingen wir regelmäßig einmal pro Woche -meistens sonntags- gemeinsam in die Natur und haben Pflanzen bestimmt. Aufgrund meiner erworbenen Kenntnisse wurde ich häufig auch als Gutachter befragt und nahm an vielen Kartierungen teil, wie zum Beispiel an der ersten Biotop-Kartierung von Rheinland-Pfalz im Jahr 1980. Außerdem habe ich gemeinsam mit Herrn Hoffmann, der damals schon als Phänologischer Beobachter für den Wetterdienst arbeitete, an der mitteleuropäischen Pflanzenkartierung teilgenommen. Auf seinen Wunsch hin wurde ich 1981 beim Deutschen Wetterdienst sein Nachfolger. Damals hat er mir nicht nur seine gesamten Unterlagen, sondern auch die seines Vorgängers übergeben, sodass ich rückwirkend bis 1951 über alle Aufzeichnungen verfüge. Nachdem ich meine Beobachtungen ca. 20 Jahre lang in einem phänologischen Jahreskalender dokumentiert hatte, begann ich zusätzlich meine Arbeit als so genannter „Sofortmelder“ und berichte seitdem auch, wenn zum Beispiel eine neue Farbe oder gar eine neue Pflanze in dem von mir betreuten Radius auftaucht. Während damals noch alles per Hand notiert und per Post an den Wetterdienst geschickt wurde, hat sich auch hier die Digitalisierung als ein willkommener Fortschritt erwiesen.“
BLICK aktuell: „Nun sind Sie seit fünf Jahren pensioniert. Wie konnten Sie dieses doch recht umfangreiche Hobby mit Ihrem nicht minder anspruchsvollen Beruf in Einklang bringen?“
Eduard Pinger: „Da der Radius meiner Begehung hier am Rand des mittelrheinischen Beckens nur einen Umfang von 2-3 Kilometern umfasst, war mein Hobby ein willkommener Ausgleich zu meinem Berufsalltag. Außerdem muss ich dank meiner langjährigen Erfahrung nicht unbedingt Diagramme erstellen, um festzustellen, dass die Natur immer früher erwacht. So zum Beispiel die Haselnuss, die noch vor ca. 10 Jahren Ende Januar anfing und in diesem Jahr schon am 3. Januar blühte. Interessant ist jedoch, dass die Zeiten mancher Pflanzen konstant bleiben. So blüht der Flieder unverändert zwischen dem 28. April und dem 5. Mai.“
BLICK aktuell: „Ende der 80er Jahre waren Sie Vorsitzender des AHO (Arbeitskreis heimische Orchideen), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, wild wachsende einheimische Orchideen zu erforschen, zu kartieren, zu pflegen und durch Ankauf gefährdeter Biotope deren Vorkommen zu sichern. Waren oder sind Sie noch in weiteren Vereinen aktiv?“
Eduard Pinger: „Da ich, insbesondere was die Natur betrifft, sehr vielseitig interessiert- und je nach Jahreszeit sehr viel unterwegs bin, möchte ich mich nicht auf die speziellen Themen der zahlreichen Vereine festlegen. Ein weiteres rein privates Hobby ist nämlich auch die Wetterbeobachtung. So habe ich in meinem Garten eine große und eine kleine Wetterstation installiert, so dass ich hier jeden Morgen die Werte genau ermitteln und minutiös aufzeichnen kann. Vervollständigt werden meine Daten durch einen ebenfalls von mir installierten Regenmesser, der von Professor Hellmann, einem preußischen Meteorologen, im Jahre 1886 entwickelt wurde und bis heute Standard bei den professionellen Messungen ist. Jeden Morgen lese ich auch hier alle Werte ab und dokumentiere sie.“
BLICK aktuell: „Was sagen Sie als Fachmann für Botanik, Phänologische Messungen und Wettermessungen sowie Co-Autor eines Büchleins über sakrale Bauten in Welling über das Engagement der Klima-Aktivisten?“
Eduard Pinger: „Von den nicht militanten Gruppen halte ich viel, da die vorwiegend jungen Menschen erkennen, was für unsere Natur wichtig ist. Während meiner Jugendzeit waren die jungen Leute in Sachen Politik und Natur nicht annähernd so interessiert. Selbstverständlich kann nicht alles von heute auf morgen geändert werden, da dies von den meisten Menschen wohl kaum zu finanzieren wäre. Dass die Jugend mitunter zum Polarisieren neigt, halte ich jedoch nicht unbedingt für falsch, da es bei der Klimaveränderung schließlich um ihre Zukunft geht und sie damit die Gesellschaft wach rütteln wollen.“
BLICK aktuell: „Vielen Dank für das Gespräch!“ FRE
Aus rein privatem Interesse installierte Eduard Pinger in seinem Garten eine professionell ausgestattete Wetterstation.
An einem ebenfalls von ihm installierten Regenmesser, der von Professor Hellmann, einem preußischen Meteorologen, im Jahre 1886 entwickelt wurde und bis heute Standard bei den professionellen Messungen ist, lies Eduard Pinger ebenfalls die Werte ab und dokumentiert diese für sich privat.
