Der Hauptjahrgang 2002/03 und das Sams standen im Mittelpunkt
Brauchtum und neue Ideen auf der Gladbacher Kirmes
Neuwied-Gladbach. Sieben junge Erwachsene des Jahrgangs 2002/2003 hatten es sich am Wochenende zur Aufgabe gemacht, das Brauchtum der Gladbacher Kirmes weiterzuleben. Zur Verstärkung hatte sich der Hauptjahrgang das Sams als Kirmeskrone geschweißt und mit Tausenden bunter Krepppapierrosen bekleidet.
„Unsere Musiklehrerin hatte uns immer so schöne Geschichten vom Sams vorgelesen“, berichtete Mareike Hillen. Damals waren es 27 Mädchen und Jungen, die zusammen die Schulbank gedrückt hatten. „Leider sind einige verzogen oder anderenorts am Studieren und Arbeiten“, bedauerte Charlotte Blum. Und so stemmte die Kirmespräsidentin und Präsident Marcel Gilles das viertägige Geschehen mit insgesamt nur sieben Leuten. Aber, unterstrich Mareike Hillen, es hatte ganz viele tatkräftige Unterstützer aus dem Familien- und Freundeskreis gegeben.
Aufwendige Vorbereitungen
Vor allem die Kirmeskrone, begonnen wurde mit dem Bau bereits im November letzten Jahres, sei sehr aufwendig gewesen. Die letzten Tage habe man gefühlt rund um die Uhr in der Wagenbauhalle verbracht. „Der Zusammenhalt und die Gemeinschaft sind es auch, die uns motivieren“, unterstrich Charlotte Blum.
Bevor gefeiert werden konnte, hatte der Kirmesjahrgang also neben dem Kronenbau noch jede Menge weitere Aufgaben zu erledigen. Es mussten Preise für die traditionelle Tombola aufgetrieben werden und die Finanzierung, durch Haussammlungen und den Verkauf von Kirmesbändchen, gestemmt werden. Besonders viel Spaß und sehr zur Freude der zahlreichen Besucher hatte dem Jahrgang 2002/3 die Ausrichtung der Kreiselspiele am Sonntagnachmittag gemacht. An mehreren Stationen traten die Jubiläumsjahrgänge, sowie der Vor- und Nachjahrgang, gegeneinander an. Zur lustigen Gaudi wurde unter anderen der Wettlauf in den Schwimmflossen des Sams. Während der Kirmesumzug mit den Jubiläumsjahrgängen, die Tombola und die Messe mit der anschließenden Kranzniederlegung, festes Protokoll der Gladbacher Kirmes ist, war das Bouleturnier eine Premiere.
Unerwartete Hürden
„Eine tolle Idee, um den Zeitraum zwischen dem Aufhängen der Krone und dem Abendprogramm zu überbrücken“, freute sich Christian Harnisch. Der Vorsitzende der Kirmesgesellschaft war mit dem Verlauf der Kirmes hochzufrieden. Auch wenn er sich nur wenige Tage vor Beginn der Kirmes noch so richtig ärgern musste. Mir nichts, dir nichts hatte der Schausteller für den Autoscooter abgesagt. So blieb ein Kinderkarussell dann auch leider das einzige Fahrgeschäft. Immerhin boten verschiedene Buden den kleinen und großen Besuchern Amüsement und das Gefühl von Rummel.
Die Abende hatten es indes in sich. „Die Knocheläcker“ aus Engers und „Hot Spot“ rockten das Festzelt, dass in Kooperation mit der Kirmesgesellschaft von einem externen Unternehmer bespielt wurde. Dass die meisten Besucher aufgrund der hohen Temperaturen die Musik von außerhalb des Festzelts genossen, tat der Stimmung keinen Abbruch.
Neuerungen tragen Früchte
„Der neu eingeschlagene Weg, mit Festzelt und hochkarätiger Live-Musik, hat dazu geführt, dass zunehmend Besucher von außerhalb nach Gladbach kommen“, kommentierte Christian Harnisch zufrieden. Seit 2017, von Corona unterbrochen, stemmt der Verein die Kirmes federführend, kümmert sich um die notwendigen Versicherungen und die Beschickung des Festplatzes mit Schaustellern. Die Vereinsgründung war eine Konsequenz aus stetig kleiner werdenden Kirmesjahrgängen. Aber die ehrenamtlich engagierten Kirmesfreunde wollten ebenfalls mehr in Eigenregie übernehmen und weniger abhängig von der Stadt Neuwied sein.
Mittlerweile gibt es auch eine Kooperation mit den Nachbardörfern bezüglich des Kirmesbaums. Der „Wanderbaum“ pendelt zwischen Engers, Heimbach-Weis und Gladbach. Das spart Kosten und ist ökologisch sinnvoll. Demnächst werden die Wappen der drei südlichsten Neuwieder Stadtteile den Wanderbaum zusätzlich zieren. Das traditionelle „Baum holen“ bleibt den jungen Leuten aber dennoch erhalten, weil sich die Kirmesjahrgänge die Baumspitze immer noch selbst im örtlichen Wald beschaffen.
Mit der Kirmesübergabe ging die Kirmes am Montag zu Ende. Man darf davon ausgehen, dass es den Nachfolgern mit dem Verstecken der Rändelmaschine schwer, aber nicht unmöglich gemacht wurde die Kirmes zu erobern. Schließlich soll das Brauchtum auch im nächsten Jahr wieder stattfinden. FF
Das Präsidentenpaar Charlotte Blum und Marcel Gilles beim obligatorischen Walzer unter der Kirmeskrone.
