Sylvia Wetzel warb im Laacher Forum für tolerante, interreligiöse Offenheit
Buddhistin mit versöhnlichem Blick auf das Christentum
Im Anschluss gab es Gelegenheit zur Diskussion
Maria Laach. In aller Dichte und voller Freiheit im Geiste machte die Buddhistin Sylvia Wetzel den Zuhörern im Laacher Forum Mut, ihr Christentum – Feste, heilige Räume, Riten und Gebete – für sich neu wiederzuentdecken. Nach einer „glücklich-katholischen Kindheit“ war Sylvia Wetzel aus Kirche ausgetreten. In Maria Laach erzählte sie von ihren Erinnerungen und sprach positiv von Festen, Riten und von der Beichte. Sylvia Wetzel wurde zur Suchenden und fand in Indien einen auch dem Christentum gegenüber offenen Buddhismus, „der mir das Tor geöffnet hat, zu meditieren.“ Eine weitere, wichtige Entdeckung war ein kleines Reclam-Heftchen, ein Werk des spätmittelalterlichen Mystikers Meister Eckhart „Vom Wunder der Seele“. Positiv war für sie auch die offene Begegnung mit den Benediktinern von Niederaltaich und Vertretern der Evangelischen Kirche, weshalb sie heute ein positiveres Verhältnis zur Kirche hat als mit 21 Jahren. Dankbar ist Sylvia Wetzel gegenüber beiden Religionen: „Das Christentum hat mir in meiner badisch-katholischen Kindheit und Jugend den Zugang zum Gottvertrauen geschenkt und es durch Liturgie und Lieder, Gebete und konkrete Anleitungen zu einem ethischen Leben gestärkt. Und der Buddhismus hat es mir ab Zwanzig durch die Praxis der Meditation und durch gute Erklärungen ermöglicht, mich selbst besser zu verstehen und mein Vertrauen in die Weisheit in allen und allem zu stärken.“ Aber woran sollen sich die Menschen in ihrer Religion halten, an Symbole, Riten, Lehrer, Schrift oder Überlieferung? Sylvia Wetzel: „Im katholischen Christentum beruft man sich explizit auf beides, auf den Kanon der Heiligen Schrift und auf die Überlieferungslinie, d.h. die Tradition ihrer Interpreten der letzten zwei Jahrtausende als gleichwertige Inspiration für das Leben. Ich halte das für sehr angemessen, denn jede Generation trägt ihre Weisheit bei, und die fehlt uns, wenn wir uns ausschließlich auf die Schriften verlassen.“ Dabei übernehme die Tradition „die wichtige Aufgabe, Kontinuität zu sichern und sichtbar zu halten“, wenn Lehren von jeder Generation in der je eigenen Sprache neu interpretiert werden. Um eine Religion lebendig zu halten, „reicht es nicht, den Stifter zu verehren und die Schriften zu studieren. Es braucht Menschen, die die Erinnerung wachhalten, konkrete Übungen und den Mut, sich den Herausforderungen der jeweiligen Zeit zu stellen.“ Eine Herausforderung für den Buddhismus wie fürs Christentum ist der Individualismus und die damit verbundene Abwehr gegen Liturgie und das gemeinsame Gebet. „Wenn aufgeklärte Verstandesmenschen das sinnlose Geplapper von liturgischen Gebeten und Wiederholungen kritisieren, kritisieren sie eigentlich nur ihre eigene Unfähigkeit, symbolisch zu denken und zu erleben.“ Und darum geht es Sylvia Wetzel, „dass wir die symbolische Sprache wieder verstehen lernen.“ Im symbolischen Verständnis gilt es auch dem Begriff „Sünde“ nachzuspüren, der „von ahd. sunt, ursprünglich ‚Trennung‘“ stammt. „Das Gefühl, von Gott getrennt zu sein, löst Angst und Unsicherheit aus. Weil wir uns nicht getragen fühlen vom großen Ganzen, von Gott und seiner Schöpfung, erleben wir uns als unvollkommene Mängelwesen. Und das macht uns gierig, ängstlich und bequem.“ Deshalb fordere Buddha uns auf, „unsere Motive zu prüfen, die unser Handeln leiten. Jedes von Hass und Verblendung bestimmte Handeln führt zu zusätzlichen Leiden, und alles von Großzügigkeit, Freundlichkeit und Weisheit bestimmte Handeln verringert das Leiden für uns und andere.“ Immer wieder stellte Sylvia Wetzel christliche und buddhistische Lehren nebeneinander und zeigte auf, wo Christen und Buddhisten sich ergänzen und voneinander lernen können. Eine gute Grundlage für die anregende Diskussion, die von vielen Zuhörern im Laacher Forum genutzt wurde.
