Rathaussturm in Meckenheim
Bürgermeister nach Sieg der Karnevalisten verpflichtet
Meckenheim. Auch wenn Bürgermeister Bert Spilles den Jecken, den Helfern und den Schaulustigen für den Erhalt der tollen Tradition dankte, dachte er nicht im Traum daran, sich aus dem Rathaus vertreiben zu lassen. Daran sollten auch die Jecken und der Sturm, den das Tief Viktoria an diesem Wochenende mitgebracht hatte, nichts ändern. Barrikaden, Schilder mit der Aufschrift: „Karnevalisten haften für ihre Jecken“ und treue Mitarbeiter sollten den Machterhalt auch über die jecken Tage hinweg sichern. „Wir regieren ab jetzt hier“, erklärte dagegen Kinderprinzessin Saskia I. zusammen mit dem Kinderdreigestirn aus Altendorf-Ersdorf dem Bürgermeister.
Als die erste Angriffswelle mit den jüngsten der Karnevalisten auf das Rathaus zumarschierte, fühlte sich Bert Spilles noch sicher an seinem Fenster oberhalb des verbarrikadierten Rathauses. Mit der zweiten Angriffswelle, den Damen der gesammelten Meckenheimer Karnevalisten, wurden es schon einige Jecke mehr, die sich den Weg in das Rathaus bahnen wollten. Schließlich rückten die Männer aus den Vereinen mitsamt der Feldhaubitze an, die lautstark mit reichlich Konfetti schoss. „Wir haben eine Genehmigung für 50 Schuss“, kündigten die Karnevalisten an.
Um Spilles den Abschied von der Macht einfacher zu machen, rollten schließlich die Kindertollitäten einen großen, in weiße Tücher gehüllten Rollwagen heran. Ein Geschenk warte hier unten auf den Bürgermeister. Es sei etwas, das er bald schon gebrauchen könne, kündigten die jungen Regentinnen an. Neugierig geworden begann Bert Spilles zu raten, was sich in der Hülle des Rollwagens befinden könnte. Diesen Moment der Unaufmerksamkeit nutzten die ersten Jecken, um in das Rathaus vorzudringen und dem Gefolge den Weg zu bereiten.
Schließlich standen die Kommandanten der Prinzengarde und der Stadtsoldaten am Fenster des Rathauses und verlasen einen Vertrag für den im Herbst scheidenden Bürgermeister, den er gleich vor Ort zu unterzeichnen hatte. Darin wurde er verpflichtet, an allen zukünftigen Köttzügen teilzunehmen und mit seinem Wissen um die Schwachstellen im Rathaus zukünftige Rathausstürme beratend zu unterstützen. Das Geschenk für den Bürgermeister wurde prompt ebenfalls enthüllt: Eine Plakette für die Holzbank vor dem Rathaus, auf die sich der Stadtobere zukünftig setzen könne, mit der Aufschrift. „Freizeitsitz Bert Spilles, Bürgermeister a.D. in spe, Die Meckemer Karnevalisten“.
Nach seinem „Rausschmiss“ tanzte Bert Spilles mit den Jecken vor dem Rathaus. Foto: Petra Reuter
Ein gut verhülltes Geschenk rollten die jungen Majestäten heran. Foto: Petra Reuter
Die Jecken haben das Rathaus erobert und Bürgermeister Bert Spilles (Mitte) entthront. Foto: Petra Reuter
