Allgemeine Berichte | 28.08.2019

Sanierung des Polcher Heimatmuseums ist abgeschlossen

„Christinas Stube“ wird wiedereröffnet

Gefeiert wird am 7. und 8. September mit Tagen der offenen Tür

„Christinas Stube“ im Bienengarten 6 in Polch.Fotos: privat

Polch. Polch hat sein Heimatmuseum „Christinas Stube“ wieder. Nach umfangreicher Sanierung wird am Wochenende 7. und 8. September Eröffnung gefeiert. Samstags und sonntags sind von 11 bis 18 Uhr Tage der offenen Tür im Bienengarten 6 in Polch. Bei freiem Eintritt dürfen die Besucher viel erleben: Im Vorderhaus erfahren sie, wie um 1900 auf dem Maifeld gelebt wurde. In der rückwärtigen Galerie sind Bilder der Polcher Künstlerin und Museumsgründerin Gisela Ackermann-Minwegen sowie der Mertlocher Malerin Anne Noll zu sehen. Im Verbindungsgang stehen Puppen und Puppenstuben von anno dazumal. Dazu lädt der wieder hergerichtete alte Bauerngarten mit dem lauschigen Pavillon zum Verweilen und Genießen ein.

1983 nach dem Tod ihrer Mutter Christine wandelte Gisela Ackermann ihr 1860 vom Großvater erbautes Elternhaus in das Heimatmuseum „Christinas Stube“ um, in dem neben den Möbeln aus der Zeit der Jahrhundertwende unter anderem auch original Porzellan, Wäsche, Küchenutensilien und Spielsachen bewahrt wurden. Zeit ihres Lebens ergänzte sie diese Sammlung und stellte auch eine umfangreiche Kollektion wertvoller alter Puppen und Puppenstuben zusammen. Als sie 2014 plötzlich verstarb, hinterließ die Künstlerin ganze Lager alter Schätze. Ihr Herzenswunsch: Das Museum und die Sammlungen sollten erhalten bleiben.

Dieses Anliegen hat die Ende 2016 neu gegründete Stiftung Gisela und Fred Ackermann-Minwegen unter der Regie der Eheleute Georgi umgesetzt. „Unsere Aufgabe war es, Museum und Sammlung wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Dafür ist jetzt gesorgt: Ab dem zweiten Septemberwochenende steht „Christinas Stube“ mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr für Besucher offen. Der Eintritt ist frei.

Arbeiten begannen im Februar 2018

Allein gut drei Jahre habe es gedauert, den Erbschein zu bekommen, so habe man erst im Februar 2018 anfangen können zu arbeiten, berichtet Dieter Georgi von der Stiftung Gisela und Fred Ackermann-Minwegen über den schwierigen Weg durch Instanzen und Behörden. Nachdem ein Gutachter belegt hatte, dass keine (modernen) feuerfesten Türen nötig sind, wurden die Elektrik beider Häuser komplett erneuert, die Heizung und die Fenster im Museum ausgetauscht. Das hintere Haus bekam ein neues Dach, das vordere einen neuen Innenanstrich, den der Polcher Malermeister Curt Jessen in praktisch vergessener Technik mit alten Gummirollen auftrug.

Das Problem: Es gab keine Baupläne, an den Häusern im Bienengarten 6 war jahrzehntelang nichts gemacht worden, was Segen und Fluch zugleich darstellte. So zeigte sich während der aus Versicherungs- und technischen Gründen notwendigen Renovierungsphase die ein oder andere neue Baustelle. So war beispielsweise der Bagger an einem Tag plötzlich verschwunden, weil er in eine alte neun Quadratmeter große Klärgrube vor dem Wohnhaus gestürzt war. An Teilen der Treppe hatte der Holzwurm sich breitgemacht. Es habe pausenlos Überraschungen gegeben, trotzdem habe alles gut funktioniert. Bis auf einen Mertlocher seien ausschließlich Polcher Handwerker beauftragt worden, fasst Dieter Georgi zusammen, der mit seiner Frau Monika und weiteren ehrenamtlichen Helfern im Einsatz war.

Zeitreise ins Jahr 1900

Es musste mehr erneuert werden als ursprünglich gedacht. Entsprechend verzögerte sich die Neueröffnung und die Baukosten stiegen. Sie konnten aber aus dem Vermögen Gisela Ackermanns finanziert werden. Die liebenswerte, stets freundliche Maifelderin hatte immer sehr sparsam gelebt, die Pension ihres Schweizer Ehemannes Fred Ackermann kaum angerührt und mit dem Verkauf ihrer Bilder und kunstvoll bemalter Gänse- wie Enteneier Geld verdient, das sie fast komplett in Unterhalt und Neuanschaffungen unter anderem auch historischer Puppenstuben steckte.

Schon in Jugendjahren entdeckte die gebürtige Kölnerin, die mit zwei Jahren mit ihrer Mutter wieder nach Polch zog, ihre künstlerische Ader. Davon zeugen noch ihre Zeichenblöcke aus der Schule. Mit 14 fertigte sie ihren ersten Scherenschnitt. Etwa 50 ihrer Bilder sind noch im Besitz der Stiftung, dazu 72 Eier. „Insgesamt hat Gisela in ihrem Leben bestimmt 1.000 Eier bemalt, viele davon aber als Zahlungsmittel eingesetzt oder verschenkt“, sagen die Georgis, die ihre Freundin als „stets bescheidene, aber hochbegabte Künstlerin“ in Erinnerung haben und ihr Erbe mit der Stiftung bewahren.

Das eigentliche Museum „Christinas Stube“ führt die Besucher zurück in die Zeit um 1900, als die guten Stuben die einzigen beheizten Räume im Haus waren und in den (oft eiskalten) Kammern geschlafen wurde. Im ersten Stock des komplett original eingerichteten typisch Eifler Bruchsteinhauses aus der Biedermeierzeit lässt beispielsweise ein Ehebett Gedanken über den Platzbedarf der damaligen Zeit zu: Auf 110 mal 170 Zentimetern schliefen zwei Personen.

Wer durch einen Verbindungsgang in die zum Wohnhaus umgebaute frühere Scheune geht, kann Puppenstuben aus der Zeit von 1880 bis 1930, wertvolle Stücke der berühmten thüringischen Puppenmanufakturen und handgemachte Künstlerpuppen namhafter Puppenmacherinnen bestaunen.

Galerie mit wechselnden Ausstellungen junger Künstler

Im Anbau selbst, dem ehemaligen Wohnhaus der Ackermanns, wurde neben der Stiftungsverwaltung eine Galerie eingerichtet. Auf der einen Seite sind Bilder von Gisela Ackermann-Minwegen zu sehen, auf der anderen wechseln die Ausstellungen junger Künstler. Außerdem findet sich hier noch eine Bibliothek mit Büchern aller wissenschaftlichen und literarischen Bereiche aus zwei Jahrhunderten und ein Raum für Veranstaltungen rund um Kunst und Kultur.

Auch vom Maifeld-Radweg wurde eine Zuwegung zum Heimatmuseum geschaffen. So gelangen Radfahrer und Spaziergänger von der alten Bahntrasse aus in den Bienengarten 6, wo sie Museum, Galerie und den romantischen Museumsgarten genießen können. Der Eintritt ist frei. Es steht ein Spendentopf bereit, dessen Inhalt ausschließlich für die Unterhaltung der Einrichtung genutzt wird.

Gruppen können auf Anfrage unter Tel. (0 26 54) 40 62 24 5 oder (01 60) 94 92 16 12 auch außerhalb der Öffnungszeiten – am Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr – kommen.

Pressemitteilung Verbandsgemeindeverwaltung Maifeld

Im romantischen Museumsgarten lädt ein Pavillon zum Verweilen ein.

Im romantischen Museumsgarten lädt ein Pavillon zum Verweilen ein.

„Christinas Stube“ im Bienengarten 6 in Polch.Fotos: privat

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