Blick in die Heimatgeschichte
Das „Dedenbacher Kloster“ - eine römerzeitliche Wach- und Signalstation?
von Gerd Otto
Über den Vinxtbach als Grenze zwischen den römischen Provinzen Ober- und Niedergermanien hatte ich bereits in der Ausgabe 14/2013 unter dem Titel: „Das römische Dreiländereck“ berichtet.
Profunde Recherchen haben inzwischen ergeben, dass deren endgültiger Verlauf über den Dedenbach, den „Wahlenbruch“ und anschließend via Kohlstraße bis nahe Kelberg erfolgte. Interessant ist die Stelle, an welcher der Dedenbach in den Vinxtbach einmündet, wo sich eine Brücke befindet.
Nach der regionalen Sagenwelt soll sich in alter Zeit an diesem Ort ein Kloster mit besonders ertragreichen Ländereien befunden haben. Den Interessenten unserer Heimatgeschichte dürfte bei einer Ortsbesichtigung auffallen, dass bei der Beurteilung der beengten landschaftlichen Verhältnisse kaum Platz für ein Kloster mit angemessenem Umland vorhanden ist!
Wenn man in Betracht zieht, dass selbst den Sagen oder volkstümlichen Überlieferungen oftmals ein Funke Wahrheit zugrunde liegt, erhebt sich die Frage: Woher stammt der Klosterbegriff am Ort?
Genau oberhalb der Stelle erhebt sich eine schroffe Bergformation, von der ein glatter und steiler Schieferfelsen tief ins Dedenbachtal abfällt. Die weiteren Nachforschungen ergaben, dass sich auf der Höhe ein kleines Plateau befindet, das im Kataster „Weiersberg“ genannt wird, weiter westlich sinngemäß der „Währsberg“. Von hier oben aus eröffnet sich ein vortrefflicher Blick auf die Geländepartie vom Dedenbach, über den Wahlenbruch bis zur Kohlstraße. Diesen Vorteil wird man in römischer Zeit nicht ungenutzt gelassen haben, denn hier oben wären ideale Voraussetzungen für eine Beobachtungs- bzw. Signalstation gewesen.
Zur ausschlaggebenden Einschätzung kam der Flurname zu Hilfe: In der nachrömischen Zeit wurde u. a. bei römischen Ansiedlungen aus dem Begriff „Villa“ der fränkische: „Villare“. Aus Letzterem entstand im Volksmund „Weiler“ und hieraus durch Abschleifung „Weier“. Nebenbei: Aus „Weier“ wurde im Fränkischen „Wire“ gegenüber im Elsass „Wilre“. Aber auch in unserem Bereich entstanden Begriffe mit dem Bestimmungswort „Wehr-“ u. a. die gleichnamige Ortsgemeinde Wehr mit ihrem „Wirrbach“ und der römischen Villa Rustica in der Hommeswies.
Am römerzeitlichen Ursprung bzgl. des Weiers,- bzw. Währsberges sollten keine Zweifel mehr bestehen, ebensowenig am Ursprung des Klosterbegriffs, denn oftmals wurden kleinere römische Befestigungen zur Bezeichnung „Kloster“ umgewidmet. (siehe auch: H. Dittmaier, Rheinische Flurnamen 1963). Übrigens: Im Falle des Währsbergs schwingen im Unterton die Begriffe Gewahren/Wahrnehmen mit, was die ehemalige Funktion als Beobachtungsposten unterstreicht.
Gerd Otto
Weiersberg: Steilhang vom Plateau zum Dedenbachtal.
