Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Meckenheim
Das Gedenken an die Einheit sollte immer gegenwartsrelevant sein
Bürgermeister Bert Spilles (CDU) erinnerte daran, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeiten seien
Meckenheim. Mit einem Festakt mit rund 200 Gästen im Ratssaal feierte die Stadt Meckenheim den Tag der Deutschen Einheit, zugleich wurde die Ausstellung „Meckenheim. Bilder einer wachsenden Stadt“ von Bürgermeister Bert Spilles (CDU) offiziell eröffnet. Das Saxophon-Quartett „Padafrage“ glänzte dabei mit faszinierenden musikalischen Intermezzi.
Spilles erinnerte daran, dass 2019 mehrere große Jubiläen begangen würden. 70 Jahre Grundgesetz, 50 Jahre Kommunale Neugliederung und damit das Bestehen der heutigen Stadt Meckenheim sowie 30 Jahre Mauerfall kämen zusammen. Heute könne man feststellen, dass Deutschland geeint ist und die meisten europäischen Staaten in der Europäischen Union verbunden sind. Der Tag der Deutschen Einheit sei ein Feiertag, der der Erinnerung diene. Doch das ehrliche und aufrichtige Erinnern stelle große Anforderungen an alle. „Aber wir sollten es wagen, damit diejenigen, die nach uns kommen, verstehen und daraus lernen können für ihre Gegenwart und Zukunft“, fand Spilles und forderte: „Daher sollte das Einheitsgedenken gegenwartsrelevant sein.“
Zur Einheit gehört ein Vorher und ein Nachher
Der 3. Oktober dürfe nicht nur als isoliertes Ereignis in Festakten begangen werden, sondern die deutsche Einheit als eine langjährige Phase betrachtet werden, zu der ein Vorher und ein Nachher gehörten. Denn auch zum 3. Oktober 1989 gebe es eine Vorgeschichte. Damals endeten Jahrzehnte der Teilung, 28 Jahre einer menschenverachtenden Mauer, die das Land, Gemeinden und Familien getrennt hätten, so Spilles. „Es herrschte ein kalter Krieg, den Menschen im Osten Europas wurden durch totalitäre Regime die Demokratie, Meinungs- und Reisefreiheit verweigert. Und es war die Zeit des Aufstandes gegen diese Regimes, das Verlangen der Menschen nach Rechtsstaatlichkeit und Freiheit setzen sich durch.“ Die Bilder der Menschen, die nach dem Montagsgebet mit brennenden Kerzen auf die Straße gegangen seien, um für ihre Rechte zu demonstrieren, dokumentierten deutlich, welche Kraft und welch fester Wille die Menschen beseelt habe, nämlich ihr fester Wille zur Freiheit. Nicht alle Befreiungsgeschichten in der Historie seien so friedlich und ohne Blutvergießen abgelaufen wie die friedliche Revolution vom Herbst 1989, in deren Folge beide deutsche Staaten sich wiedervereinigen konnten. „Aber es endete auch eine Zeit der unterschiedlichen Erfahrungen der Menschen in Ost und West. Erfahrungen, die alle Bereiche des Lebens betrafen und die Menschen prägten. Erfahrungen, die nach der kurzen Zeit der Euphorie viele Menschen auf den harten Boden der Realität auftreffen ließen.“
Ostdeutsche schulterten den allergrößten Teil des Umbruchs
Und so müsse man sich die Frage stellen, was 1990 überhaupt begonnen habe. Wenn aus zwei Staaten ein Staat werde, gebe es viele Probleme, aber auch ungeheuer viel Solidarität. Die Ostdeutschen seien es gewesen, die den allergrößten Teil des Umbruchs geschultert hätten, damit Deutschland wieder zusammenfand. „Sie mussten ihr Leben gewissermaßen von Neuem beginnen, ihren Alltag neu organisieren, Chancen nutzen“, wusste der Bürgermeister. Doch nicht alle hätten die Kraft oder die Möglichkeit gehabt, diese Chance zu ergreifen oder hätten das neue System nicht verstanden. Er gab zu, dass im Osten Deutschlands Wohnungen ebenso wie Häuser und ganze Städte modernisiert, die Infrastruktur ertüchtigt oder neu geschaffen worden sei. Etliche Unternehmen produzierten heute mit modernster Technik und könnten sich im Wettbewerb behaupten. „Aber in Berichten ist auch von Ängsten und Demütigungen bei ostdeutschen Mitbürgern die Rede, von einer Häufung sozialer Notlagen, die aus gebrochenen Erwerbsbiografien resultieren“, so Spilles. Wer nach der Wende jahrelang ohne Job gewesen sei, bekomme die Quittung mit seinem Rentenbescheid. Darüber hinaus sei nach der Wiedervereinigung fast ein Viertel der ursprünglichen Bevölkerung Ostdeutschlands in den Westen gezogen. Die meisten, weil in ihrer Region Betriebe geschlossen wurden und die Arbeitslosigkeit drastisch anstieg. Und um die Jahrtausendwende habe erneut eine große Abwanderungswelle eingesetzt, „es waren vor allem die Jungen, es waren Frauen und es waren die gut Ausgebildeten, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den Westen zogen.“ Fast alle Landkreise im Osten hätten zwischen 1991 und 2017 Menschen an den Westen verloren, zitierte Spilles „Die Zeit“. Dadurch seien nicht nur Steuereinnahmen verloren gegangen, es zerbrach auch vielerorts das, was man die soziale Infrastruktur nennt. Erst jetzt, bald 30 Jahre später, hätten wieder die Hälfte aller ostdeutschen Regionen eine positive Wanderungsbilanz mit den alten Bundesländern. Das liege auch daran, dass einige Großstädte und Regionen im Osten mittlerweile wieder Menschen anlocken könnten.
Erwartungen wurden viele Menschen enttäuscht
„Sicher wurden nach 1990 die Erwartungen bei vielen Menschen in Ostdeutschland enttäuscht, für viele hatte sich ja auch eine ganze Welt verändert“, blickte Spilles zurück. Er erinnerte daran, dass das demokratische Haus, in das die Westdeutschen 1949 eingezogen seien, mit der Unterstützung der westlichen Alliierten vorgefertigt und durch den Parlamentarischen Rat bezugsfertig gemacht gewesen sei. Sein wirtschaftlicher Unterbau habe sich als tragfähig erwiesen und den Westdeutschen eine lang anhaltende Besserung ihres materiellen Daseins beschert. Demgegenüber habe die Demokratie in der ehemaligen DDR von unten erkämpft, die Wiedervereinigung gegen alle Einwände und Bedenken vorangetrieben werden müssen. Doch kaum sei das primäre Ziel des ostdeutschen Aufbruchs erreicht gewesen, wie Grundrechte und elementare Freiheiten für jedermann, hätten Millionen von Ostdeutschen den wirtschaftlichen und sozialen Halt verloren. Durch die tief greifende Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft im Zuge der Globalisierung entfremdeten sich Menschen von demokratischen Institutionen, was dann zwangsläufig mit dem Anstieg von nationalistischen Strömungen und Parteien einhergehe. Wie derzeit im Osten. Es sei nicht in erster Linie die persönliche wirtschaftliche Situation der Menschen, die sie beunruhige, zitierte Spilles erneut „Die Zeit“. So schätzten die Ostdeutschen ihre finanzielle Lage als grundsätzlich gut ein, und die Hoffnungen, die sie mit der Einheit verbunden hätten, hätten sich im Großen und Ganzen erfüllt.
Verdüsterung der Stimmung festzustellen
Demgegenüber stehe aber eine Verdüsterung der Stimmung in anderen Bereichen. So schätzten die Ostdeutschen die soziale Gerechtigkeit als weniger gut ein als vor 1990. Und die Meinungsfreiheit und die staatliche Willkür werden in einer Studie von einem erstaunlich hohen Prozentsatz als nicht anders oder wesentlich besser eingestuft als in der DDR. „Da fragt man sich wirklich, wie kann es zu dieser Einschätzung, die im ersten Moment kaum zu fassen ist, kommen“, fragte Spilles.
Eine Mehrheit im Osten habe das Gefühl, keine Stimme zu haben, die wahrgenommen werde. Keine Rolle zu spielen und sogar majorisiert zu werden, unter einer Wortführerschaft zu leiden. Das Gefühl sei in den vergangenen Jahren stärker geworden. Spilles warnte auch davor, zuzulassen, dass die 1989 und 1990 schwer erkämpfte Freiheit sowie die demokratische Selbstbestimmung in Deutschland in irgendeiner Weise gefährdet würden. „Unverzeihbar wäre es, wenn wir durch Gleichgültigkeit oder das Unterschätzen von Personen, Ideen und Handlungen anderen dieses Land überließen. Denn sie würden die Werte mit Füßen treten, für die hunderttausende Bürger vor 30 Jahren gekämpft haben.“ Um die Rechtsverschiebung im politischen Spektrum aufzuhalten, seien alle gefordert. Es müsse immer wieder bewusst werden, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeiten seien und dass die Europäische Union, trotz ihrer Bürokratie, trotz der mangelnden Solidarität vieler EU-Länder, die größte Errungenschaft der europäischen Nachkriegsgeschichte sei und sehr wohl ein Garant für Frieden und Wohlstand. „Die Freiheit, die mit der friedlichen Revolution gewonnen wurde, kommt vielen aus heutiger Sicht selbstverständlich vor. Wir wissen jedoch: Sie immer wieder zu bewahren ist unsere große und unverzichtbare Aufgabe.“
Ausstellung über die Entwicklung Meckenheims seit 1969 eröffnet
Im Anschluss eröffnete Spilles die Ausstellung mit zahlreichen Luftaufnahmen der Stadt Meckenheim im Laufe ihrer 50-jährigen Entwicklungszeit nach der kommunalen Neugliederung. Archivar Dr. Andreas Jüngling hatte die Ausstellung zusammengestellt und auch erläuternde Kommentare dazu verfasst. Man könne sich manchmal gar nicht mehr vorstellen, was hier in fünf Jahrzehnten alles entstanden sei, gab Spilles zu. Diese Ausstellung dokumentiere die städtebauliche Entwicklung der Stadt seit den 1960er Jahren. Sie wird noch bis zum Ende des Jahres im Ratssaal zu sehen sein. JOST
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