Fliegende Händler, Ritter, Söldner und Naturprodukte gab es beim Fest an der Burgruine Reichenstein
Das Mittelalter wurde so richtig lebendig
Puderbach. Im Mittelalter haben die Ritter Händler und andere Vermögende überfallen, um ihr kostspieliges Leben in herrschaftlichen Anwesen und auf Burgen zu finanzieren. Heute geht das anders. Der Förderverein der Burgruine Reichenstein braucht auch Geld, um das hoch übers Holzbachtal hinausragende Relikt aus dem 14. Jahrhundert zu erhalten. Der Verein überfällt aber niemanden, um an die nötigen Penunzen zu kommen. Stattdessen veranstaltet er ein unterhaltsames Burgenfest, um mit den Einnahmen seine Kasse zu füllen.
In dem Fall geben die um Geld gebetenen freiwillig und gern, wie am vergangenen Sonntag jeder ganz klar sehen konnte. Wolfgang Kunz, nicht Ritter oder Burgherr, aber Vorsitzender des Fördervereins der Burg Reichenstein, freute sich bereits am Nachmittag über 1000 verkaufte Eintrittskarten. Besucher waren es schon deutlich mehr, denn Kinder mussten den Obolus von zwei Euro gar nicht entrichten. Zu der Zeit waren schon zwei Schafe am Spieß und ein Spanferkel gegrillt worden. Kunz verwies auf die abgeschlossenen Arbeiten an der Burg wie die Sanierung der Südwest- und Südostflanke im vergangenen Jahr für rund 170.000 Euro. Jetzt sei der Verein auf der Suche nach Menschen und Gruppen, die Spaß hätten, sich weiter an der Erhaltung und dem Aufbau der Burg zu beteiligen. Kunz denkt besonders an Pfadfinder, für die das eine interessante Sache sein könnte. Bisher haben das hauptsächlich die Mitglieder des Fördervereins getan, denen Kunz seinen ganz besonderen Dank ausdrückte. Besonders schloss er Michael Führer und Benjamin Skupin von der Verbandsgemeindeverwaltung in diesen Dank ein, die alle organisatorischen Vorbereitungen für das große Burgenfest getroffen hatten. Nicht zu vergessen Rolf Schmidt, der als Burgenführer und unterhaltsamer Erklärer der 700-jährigen Geschichte von Reichenstein unschätzbare Dienste leistet.
Die Turmsanierung ist abgeschlossen, ein notwendiges Geländer wurde denkmalgerecht angebracht und einige Mauern saniert. Als nächstes Großprojekt steht die Sanierung einiger Stützmauern an. Seitdem der Förderverein vor 18 Jahren seine Arbeit aufgenommen hat, wurden mit der Hilfe der Verbandsgemeinde, vieler örtlicher Unternehmen und des Landes bereits einige hunderttausend Euro in den Erhalt der Burg gesteckt, die eigentlich gar nicht mehr Ruine genannt werden kann, weil in ihr eine Wohnung für den alten Burgherrn eingerichtet ist, der dort Wohnrecht hat. Nachdem alle sicherheitsrelevanten Arbeiten abgeschlossen sind, können ab sofort auch wieder Gruppen Führungen durch die Burgruine Reichenstein absolvieren, die beim Förderverein oder der Verbandsgemeindeverwaltung angemeldet werden können.
Ritter, Knechte, Söldner und mittelalterliche Markthändler hatten am Fuß der Burg ihre Zelte aufgeschlagen. In den Pferchen grasten Schafe, Ziegen, Alpakas, Gänse und Hühner. Wer mal Robin Hood spielen wollte, spannte beim „Grünen Bogenschützen“ Bernd Grajewski die Sehne und ließ die Pfeile auf die Zielscheibe sausen. Oder probierte mal eine Schwertkämpfer-Ausrüstung an, mit der sich die Gäste bei Wolfgang Tischler auch fotografieren lassen konnten. Leckere Sachen zum Mitnehmen boten die Markthändler an: Schmuck, Edelsteine, viele Produkte aus Honig, Met, Weine und Liköre, Essige, Käse und unzählige Senfsorten. Kinder konnten sich bei mittelalterlichen Spielen vergnügen oder einer Märchenerzählerin zuhören. Irmgard Schroer vom Naturpark Westerwald bot Entdeckertouren durch das Gelände an.
Kleine Ruhepause nach dem Schwertkampf? Diese beiden Gesellen machten sich im Mittelalter-Lager gemütlich.
Beim „Grünen Bogenschützen“ Bernd Grajewski und seiner Begleiterin durften auch Kinder mal selbst anlegen.
Mensch und Tier nah beieinander - das gab es im Mittelalter und auch beim Fest an der Burgruine Reichenstein. Verbandsgemeinde-Bürgermeister Volker Mendel (Zweiter von rechts), der das Fest und den Förderverein unterstützt, freute sich über den regen Besuch.
