Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft Gemütlichkeit Rot-Weiß Villip
Das Publikum sorgte selbst für die musikalischen Effekte
Die engagierte Musikgruppe war nicht erschienen – Sitzungspräsident Gilberg spannte kurzerhand die Gäste ein
Villip. Entsetzen herrschte bei der Karnevalsgesellschaft „Gemütlichkeit“ Rot-Weiß Villip vor der Prunksitzung in der Aula des Schulzentrums Berkum. Die Musikgruppe, die den musikalischen Rahmen für die Sitzung geben sollte, war trotz gültigen Vertrags schlicht und einfach nicht erschienen. Noch während Sitzung rätselte man allenthalben, was der Grund dafür sei, doch da alle Versuche der Kontaktaufnahme scheiterten, blieb das Geschehen rätselhaft.
Kann eine Prunksitzung ohne Tusch, Überbrückungsmusik und Einmarsch überhaupt funktionieren? Bange Gesichter im Vorstand um die Vorsitzende Renate Offergeld machten sich breit. Doch die Befürchtungen waren umsonst, und dafür war ein „neuer Mann“ verantwortlich, der sich als wahrer Glücksgriff entpuppte. Erstmals hatte die KG nämlich einen auswärtigen Sitzungspräsidenten engagiert, und zwar keinen Geringeren als den Sitzungspräsidenten der Großen Allgemeinen KG von 1900 aus Köln, der wenige Tage zuvor noch die Fernseh-Mädchensitzung geleitet hatte. Helge Gilberg spannte kurzerhand das Publikum selbst ein nach dem Motto: „Wenn ich rufe: ‚Jubel‘ – dann müsst ihr richtig ausflippen!“ Das närrisch kostümierte Publikum in der fast ausverkauften Aula ließ sich das nicht zweimal sagen und unterstütze den ganzen Abend über mit lautstarkem Getöse das Geschehen auf der Bühne, auf der die beiden Assistentinnen Sandra Beu und Tanja Zorn die Fäden in der Hand hielten.
Der Usjeflippte und die Bürgermeisterin
Los ging es mit dem Einmarsch der KG mit allen Garden und Uniformierten zu den Klängen der Rheinland-Fanfaren aus Hersel, die anschließend noch für ordentlich Stimmung im Saal sorgen. Von der ersten Sekunde an hatte der „Usjeflippte“ (Ralph Kuhn) sein Publikum im Griff, der sowohl mit dem „Fuss“ aus der ersten Reihe wie auch mit Bürgermeisterin Renate Offergeld kleine humorvolle Scharmützel austrug und so ziemlich alles durch den Kakao zu, was man sich nur vorstellen kann.
Nun war es an der Zeit, einem wahrhaft stattlichen Dreigestirn Lebewohl zu sagen, denn für Prinz Thomas II. (Köhler), Bauer Thomas (Brück) und Jungfrau Baptista (Norbert Schulten) war die Zeit der närrischen Regentschaft zu Ende. Begleitet von der Juniorengarde und der Prinzengarde betraten sie noch einmal die Bühne, um mit tosendem Applaus für ihre unvergessliche Session belohnt zu werden, denn sie hatten ihr Motto tatsächlich gelebt: „Leeve ze viel jefiert als ze wennisch jelaach!“
Je länger der Abend, desto schöner die Männer
In diesem Jahr feiert die KG ein – allerdings unkarnevalistisches – Jubiläum, weshalb auch das diesjährige Sessionsmotto lautet: „Net ze jlöve awwer wohr, de KG widd 85 Johr“. Darauf stießen auch die beiden Kölner Mädchen von den „Domhätzjer“ musikalisch an, die wie zwei schnuckelige Wirbelwinde über die Bühne fegten. Nadine Fiegen und Chantal Will wussten schließlich: „Je länger der Abend, desto schöner die Männer!“
„Brass on Spass“ importierte die Eschweilerer Stimmungsband gleichen Namens nach Berkum, die zwei Dutzend Musiker im Bigband-Format brachten ihre Blasinstrumente zum Glühen und das Publikum zum Jubeln. Die Entertainerin und Komödiantin Mirja Regensburg machte zwischen ihren beiden Auftritten in Hamburg und Stuttgart einen Abstecher ist Drachenfelser Ländchen und veranstaltete einen lustigen Mädelsabend, diesmal auch für Männer. Ganz egal, ob Punkte in Flensburg, Punkte beim Essen oder Punkte beim Fußball – die vielseitige Entertainerin teilt ihre Erlebnisse mit dem Publikum, und das war zum Schreien komisch.
Nach dem sehenswerten Showtanz der Prinzengarde der KG mit einigen Überraschungselementen sorgte zum Abschluss die Kölner Stimmungsband „5 Jraad“ noch einmal dafür, dass die Aula in ihren Grundfesten erbebte, bevor nach Mitternacht die Bühne zum Tanzboden und die Sektbar zum Treffpunkt wurde.
JOST
