Allgemeine Berichte | 22.08.2022

Helferstab und Team von Arbeitsagentur und Jobcenter arbeiten im Flutgebiet eng zusammen

Das Team „AHRweit in Arbeit“ vermittelt im Katastrophengebiet

Archäologin wagt Neustart in Infopoint - Wer effektiv helfen will, muss dicht an der Not der Menschen bleiben

Sind alle für die Menschen an der Ahr im Einsatz (von links): Tatjana Hell-Zimmermann vom AHRWEIT-in-Arbeit-Team, Gabi Schneider, Personalverantwortliche des Helfer-Stabs, und Archäologin Tanja Niessner, die nun im Infopoint Ahrweiler arbeitet.  Foto: privat

Kreis Ahrweiler. Im Ahrtal hat Helfen seit gut einem Jahr eine tiefe, oft sogar lebenswichtige Bedeutung: Hier hilft jeder jedem wo und wie er oder sie kann. Und manchmal profitieren alle von der gegenseitigen Unterstützung. Wie im Fall von Tanja Niessner.

Die erfahrene Archäologin betreut seit einigen Wochen den Infopoint des Helfer-Stabs in Ahrweiler. Dort hilft sie Menschen, die mit der Beantragung von Fluthilfen überfordert sind - und reiht sich mit Begeisterung ins Team ihres gemeinnützigen Arbeitsgebers ein. Dass sie zueinandergefunden haben, verdanken Wissenschaftlerin und Helfer-Stab dem AHRweit in Arbeit-Team von Arbeitsagentur und Jobcenter, dessen Mitarbeiterin Tatjana Hell-Zimmermann den Lebensweg der Archäologin seit langem begleitet.

Dass sie einmal als Katastrophenhelferin im Ahrtal landen würde, hätte Tanja Niessner zu Beginn ihres Studiums nicht geglaubt. Sie wollte nach Spuren der Vergangenheit graben, Geschichte aufspüren, leitete Ausgrabungen, dokumentierte Funde. Ein Traumjob, um den viele sie beneideten.

Doch sie wurde erst krank, dann arbeitslos und landete schließlich beim Jobcenter, wo sie Arbeitsvermittlerin Tatjana Hell-Zimmermann begegnete. Der erste Schritt zurück ins Berufsleben führte über das Teilhabechancengesetz zu einem Digitalisierungsunternehmen. Das brachte der 48-Jährigen zwar die gesundheitlich benötigte Ruhe, war ihr aber auf Dauer zu eintönig. „Daten zu digitalisieren war weit weg von den Dingen, die mir Spaß machten. Vor allem sehnte ich mich nach Kontakt zu Menschen.“ Doch wie ließen sich die Erfahrungen aus ihren Jobs sinnvoll verbinden?

Tatjana Hell-Zimmermann, die mittlerweile dem AHRweit in Arbeit-Team angehörte, mit dem Arbeitsagentur und Jobcenter im Flutgebiet schnelle und möglichst unbürokratische Hilfe leisten wollen, war hellhörig. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen ist sie täglich im Flutgebiet unterwegs, weist auf Unterstützungsmöglichkeiten hin und versucht auch dort zu helfen, wo dies anfangs aussichtslos erscheint.

Die Zusammenarbeit mit dem Helfer-Stab ist da unausweichlich. Schließlich ist aus dem zunächst losen Zusammenschluss ehrenamtlicher Helfer*innen längst die wichtigste Schnittstelle zwischen Behörden, Verbänden, Ministerien, Kommunen und privaten Helferinnen und Helfern geworden. Außerdem dokumentiert der Helfer-Stab das Geschehen an der Ahr, „damit wir die Chance haben, etwas aus den dramatischen Ereignissen während und nach der Flut zu lernen“. So unvorbereitet wie die Bewohner des Ahrtals soll niemand mehr von einer Katastrophe überrollt werden.

Der Helfer-Stab ist aber auch Arbeitgeber. Denn viele der Aufgaben, die er übernommen hat, lassen sich auf Dauer nur von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erledigen. Von denen wurden im Laufe der Zeit immer mehr gebraucht. „Ich wusste gleich, dass das etwas für Tanja Niessner sein könnte“, schmunzelt Tatjana Hell-Zimmermann in der Rückschau. Also lud sie die Archäologin zu einer der für den Helfer-Stab organisierten Bewerberrunden ein.

Dort begegnete sie Gabi Schneider, Personalverantwortliche des Helfer-Stabs. „Eigentlich suchten wir vor allem Leute für die Aufsuchende Hilfe.“ Nicht unbedingt das, was Tanja Niessner sich vorstellte, zumal sie nicht mal ein Auto besitzt. „Aber ich hatte das Gefühl, dass wir gut zusammenpassen“, sagt Schneider. Also wurde anja Niessner mit Unterstützung des Jobcenters eingestellt.

Ihr Job ist es nun, Flutopfer beim Ausfüllen der Anträge auf Wiederaufbauhilfe zu unterstützen. Ihre Aufgabe geht allerdings weit darüber hinaus, erklärt Niessner. „Die Leute, die zu mir kommen, bringen ja ihre ganze Geschichte mit. Und wenn ich erkenne, dass sie auch auf anderen Ebenen Hilfe brauchen, versuche ich, diese zu organisieren.“ Das breitgefächerte Spektrum des Helfer-Stabes ist dabei eine enorme Hilfe.

Gabi Schneider ist mit ihrer Mitarbeiterin jedenfalls mehr als zufrieden. Besonders schätzt sie deren Gabe, strukturiert vorzugehen und trotzdem dicht an der Not ihres Gegenübers zu sein. „Empathie und Fingerspitzengefühl sind Kernkompetenzen, die unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitbringen müssen – egal, ob sie als Hausmeister, Lkw-Fahrer, im Büro oder in der Aufsuchenden Hilfe eingesetzt sind. Viele Menschen an der Ahr sind auch ein Jahr nach der Flut noch immer traumatisiert. Damit muss man umgehen können.“

Eine weitere wichtige Voraussetzung für effektive Hilfe ist laut Schneider eine gehörige Portion Flexibilität. Das gelte für jeden Einzelnen, aber auch für den gesamten Helfer-Stab. „Unsere Arbeit verändert sich mit den Bedürfnissen der Menschen. Wie wir in einem oder zwei Jahren aufgestellt sind, kann deshalb niemand sagen.“

Ein dickes Lob schickt Gabi Schneider in Richtung AHRweit in Arbeit-Team, das knapp die Hälfte der rund 50 Beschäftigten vermittelte. „Wenn wir Unterstützung brauchen, können wir uns auf dieses Team verlassen. Das erleichtert uns die Arbeit ungemein. Ohnehin ist die gewaltige Aufgabe nur zu bewältigen, wenn viele zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.“

Pressemitteilung

Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen

Sind alle für die Menschen an der Ahr im Einsatz (von links): Tatjana Hell-Zimmermann vom AHRWEIT-in-Arbeit-Team, Gabi Schneider, Personalverantwortliche des Helfer-Stabs, und Archäologin Tanja Niessner, die nun im Infopoint Ahrweiler arbeitet. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
Titel
Schulze Klima -Image
Wohnträume
Wohnträume
Werksverkauf Anhausen
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Wohnträume
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
57

Die Woche vom 20. bis 26. April fällt in eine Phase des spürbaren Übergangs. Der Frühling zeigt sich vielerorts bereits stabil, gleichzeitig wächst die Erwartung auf den Mai. Diese Mischung aus Aufbruch und Ungeduld prägt viele Entscheidungen. In Liebe, Gesundheit und Beruf entstehen Chancen, aber auch Momente der Unsicherheit. Kleine Veränderungen im Alltag können große Wirkung entfalten.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
297

Im Bereich der Ahrtalbahn könnte es nachts etwas lauter werden:

Ab 15.04.: Schleifzüge fahren auf der Ahrstrecke

Kreis Ahrweiler. Seit Dezember 2025 fahren die Züge wieder vollständig auf der gesamten Ahrstrecke zwischen Remagen und Ahrbrück. Seit März 2026 sind beide verkehrenden Linien rein elektrisch und damit umweltfreundlicher unterwegs. Damit die neuen Schienen nun noch einen „letzten Schliff“ erhalten können, wird nachts ein Schleifzug unterwegs sein. Dies betrifft die folgenden Zeiträume und Abschnitte:

Weiterlesen

15

Ausbau der Ladeinfrastruktur am Rathaus

Neuer Schub für die Elektromobilität

Meckenheim. Das regionale Energieunternehmen e-regio erweitert die Ladeinfrastruktur in Meckenheim und schafft am Rathausparkplatz zusätzliche Möglichkeiten zum komfortablen Laden von Elektrofahrzeugen. Aufgrund der hohen Nutzung der bestehenden Ladesäule werden derzeit zwei neue AC-Ladesäulen mit insgesamt vier Ladepunkten installiert. Die neuen Ladepunkte sind so angeordnet, dass sie von jeweils zwei Parkbuchten optimal erreichbar sind.

Weiterlesen

25

Allgemeine Berichte

Ortsübliche Bekanntmachung

Sinzig. Ortsübliche Bekanntmachung über die öffentliche Bekanntgabe der Bestimmung und Abmarkung von Flurstücksgrenzen in der Gemeinde _Sinzig_______ In der Gemarkung __Bodendorf______, Flur __13__, Flurstücke __124/1, 133______ wurden die Flurstücksgrenzen aus Anlass einer Liegenschaftsvermessung auf Antrag bestimmt und abgemarkt. Über diese Maßnahmen wurde am _17.3.2026_ eine Grenzniederschrift angefertigt.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Daueranzeige
Imageanzeige
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Tag der offenen Tür
SB Standesamt
PR-Anzeige
Unterstützeranzeige
125-jähriges Jubiläum der Rosenkranzkirche Bad Neuenahr und offizielle Wiedereröffnung am 12.04.26
  WÄRMEPUMPE ÖL/GASHEIZUNG
Stellenausschreibung Hausmeister/in
Aushilfskraft (w/m/d)