Allgemeine Berichte | 24.03.2025

Medizinischer Betrieb soll uneingeschränkt weitergehen

Das Verbundkrankenhaus Linz-Remagen ist insolvent

Das Krankenhaus Maria Stern in Remagen.  Foto: ROB

Linz/Remagen. Das Verbundkrankenhaus Linz-Remagen hat Insolvenz angemeldet. Die Krankenhausverbund Linz/Remagen gemeinnützige GmbH stellte am Freitag letzter Woche beim zuständigen Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren. Zudem wurden für die Maria Stern MVZ Remagen GmbH und die HL Service-Gesellschaft Remagen mbH Eigenverwaltungsverfahren beantragt. Dies teilte die Trägergesellschaft in einer Pressemitteilung mit.

Ziel der Verfahren sei die wirtschaftliche Neuausrichtung des Verbundkrankenhauses mit den Standorten Franziskus Krankenhaus Linz und Krankenhaus Maria Stern Remagen sowie der angegliederten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und der Servicegesellschaft. Der Geschäftsführer der beteiligten Gesellschaften, André Tillmann, erklärte: „Wir nehmen unseren regionalen Versorgungsauftrag sehr ernst und setzen alles daran, unsere Patientinnen und Patienten mit umfassender medizinischer Expertise zu behandeln. Unser Ziel ist es, eine langfristig stabile und zukunftssichere Gesundheitsversorgung für unsere Region zu gewährleisten. Um dies angesichts der aktuellen gesundheitspolitischen und wirtschaftlichen Lage zu erreichen, planen wir eine gezielte Restrukturierung und Sanierung.“

„Volle Handlungsfähigkeit“

Der medizinische Betrieb bleibe uneingeschränkt bestehen. Alle ambulanten und stationären Behandlungen sowie Therapien sollen wie geplant stattfinden. Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden seien gesichert.Thomas Werner, Geschäftsführer der Krankenhausverbund Linz/Remagen gemeinnützige GmbH und der Maria Stern MVZ Remagen GmbH, betonte: „Wir als Geschäftsführung bleiben voll handlungsfähig: Wir leiten unsere Gesellschaften weiterhin eigenverantwortlich und können gleichzeitig von zusätzlicher fachlicher Unterstützung durch unsere Sanierungsexperten profitieren. Wir haben heute bereits unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert und danken für das Vertrauen in uns und unsere Entscheidung.“

Die betroffenen Gesellschaften stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie zahlreiche andere medizinische Einrichtungen bundesweit. Nicht refinanzierte Tariferhöhungen, steigende Energie- und Sachkosten, Fachkräftemangel sowie hohe Investitionskosten belasten die wirtschaftliche Situation. Zudem sind die pandemiebedingten wirtschaftlichen Ausfälle und der anhaltende Rückgang der Fallzahlen weiterhin spürbar.

Das Gericht bestellte Rechtsanwalt Jens Lieser von der Kanzlei „Lieser Rechtsanwälte“ zum vorläufigen Sachwalter. Er wird die Verfahren überwachen und besonderes Augenmerk auf die Interessen der Gläubiger legen. Die Mitarbeitenden wurden am Freitag umfassend über die eingeleiteten Verfahren informiert.

Derweil gibt es zu der Insolvenz-Meldung viel Feedback aus der Politik. So erklärte der Remagener Bürgermeister Björn Ingendahl. „Das Krankenhaus Maria Stern und das medizinische Versorgungszentrum in Remagen sind eine unverzichtbare Säule der Gesundheitsversorgung in unserer Stadt und in unserer Region. Es sichert die medizinische Betreuung für tausende Bürgerinnen und Bürger, bietet wohnortnahe Notfallversorgung und ist ein bedeutender Arbeitgeber für viele Fachkräfte im Gesundheitswesen."

Ingendahl appelliertan Verantwortliche

Ingendahl weiter: „Ich appelliere daher an alle Verantwortlichen, sich mit ganzer Kraft für den Fortbestand unseres Krankenhauses einzusetzen. Die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger muss oberste Priorität für uns haben und darf niemals wirtschaftlichen Gesichtspunkten untergeordnet werden.“

Ähnlich sieht es auch Frank Becker, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Linz: [...] „Eine sichere Gesundheitsversorgung hat in unserer Region höchste Priorität. Das Verbundkrankenhaus Linz-Remagen ist für uns daher unverzichtbar und spielt eine zentrale Rolle in der medizinischen Versorgung für unsere Bürgerinnen und Bürger. Ich gehe fest davon aus, dass sich alle handelnden Akteure darüber einig sind und sich dementsprechend verantwortungsvoll verhalten.“

Auch der Linzer Stadtbürgermeister Helmut Muthers klinkt sich in die Diskussion ein: „Das Franziskus Krankenhaus Linz ist unabdingbar für die Gesundheitsversorgung in unserer Region und im nördlichen Rheinland-Pfalz. Nicht ohne Grund sind in den letzten Jahren viele Millionen Euro in die Sanierung und Renovierung investiert worden. [...] Das darf nicht umsonst gewesen sein. Die Politik, die Träger, die Geschäftsführung und externe Unterstützer sind aufgerufen, alles Menschenmögliche zum dauerhaften Erhalt des Krankenhauses und der Beschäftigung qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu tun.“

Schneider: Mit aller Kraft für den Erhalt einsetzen

Petra Schneider ist CDU-Landtagsabgeordnete im Wahlkreis 13, der auch Remagen mit einschließt. Schneider erklärt: „Die Nachricht über die Einleitung des Schutzschirmverfahrens des Verbundkrankenhauses ist für die Bürgerinnen und Bürger eine sehr schlechte Nachricht. Gesundheitsminister Hoch verkennt die Situation, wenn er die die Nachricht als „nicht schön“ bezeichnet – es ist eine Katastrophe! Es ist von allerhöchster Dringlichkeit, dass der Krankenhausstandort, der die medizinische Versorgung von tausenden Bürgerinnen und Bürgern sichert, erhalten bleibt. Ich appelliere an alle Verantwortlichen, sich mit aller Kraft für den Erhalt einzusetzen. Auch das Land sehe ich in der Pflicht, alle nötigen Schritten einzuleiten um den Standort zu erhalten.“

Ellen Demuth, Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags und designierte Abgeordnete des Deutschen Bundestages (CDU), sieht dringenden Handlungsbedarf bei SPD-Gesundheitsminister Clemens Hoch: „Der Standort unseres Linzer Franziskuskrankenhauses muss zur Versorgung der Bevölkerung im nördlichen Kreis Neuwied erhalten bleiben!“ [...] Demuth fordert konkrete Maßnahmen von SPD-Gesundheitsminister Clemens Hoch: „Die Landesregierung in Mainz muss das Krankenhaussterben in Rheinland-Pfalz endlich beenden. Jede Woche zählt, um die medizinische Versorgung der Menschen zu sichern!“

Auch die Landrätin des Kreises Ahrweiler Cornelia Weigand meldet sich zu Wort: [...] „Das Schutzschirmverfahren stellt eine Möglichkeit dar, die sich ergebenden Herausforderungen strukturiert und zielgerichtet anzugehen und bietet damit grundsätzlich die Chance auf eine Sanierung. Es ist bedauerlich, dass vor der Umsetzung der dringend notwendigen Krankenhausreform, deren Ziel es ist, die stationäre medizinisch Versorgung zu sichern, erneut ein Krankenhaus in unserer Region ums Überleben kämpft. In Kürze wird mit allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren ein runder Tisch stattfinden. Ich hoffe sehr, dass im Rahmen des Schutzschirmverfahrens die Krankenhausstandorte erhalten werden können.“

Achim Hallerbach, Landrat des Kreises Neuwied, äußerte sich gegenüber BLICK aktuell wie folgt: „Die medizinische Versorgung in der Region Linz ist über das Krankenhaus Linz weiter gesichert – der Klinikbetrieb läuft weiter. Meine herzliche Bitte an alle Betroffenen ist es, gerade jetzt noch mehr zusammenzuhalten und sich nicht verängstigen zu lassen. Es wird intensiv an tragfähigen, guten Lösungen gearbeitet. [...] Durch kompetente Maßnahmen zu einer qualifizierten Sanierung muss der Standort Linz in unserem Landkreis eine Zukunft haben. In diesem Sinne ist es ebenfalls erfolgsversprechend, dass sich der Krankenhausträger dazu entschieden hat, das eigenverantwortliche Schutzschirmverfahren zu nutzen und mit externer Expertise ein Zukunftskonzept zu entwickeln. [...] Zielführend ist auch hier, in strukturiertem Vorgehen wirtschaftlich stabile Lösungen zu entwickeln und ein für alle Seiten zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen.“ ROB

Das Franziskus Krankenhaus in Linz.  Foto: SvM

Das Franziskus Krankenhaus in Linz. Foto: SvM

Das Krankenhaus Maria Stern in Remagen. Foto: ROB

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