Heimersheimer Kellerkinder übergaben Spende an die Pfadfinder
Das lebendige Miteinander gefördert
Heimersheim. Nur kurz wollten die Kellerkinder in Ringen vorbei, um die Hälfte der Jahresspende an die Pfadfinder zu übergeben. Es wurden zwei kurzweilige Stunden, in denen viel an Informationen ausgetauscht wurden. Dass bei den Pfadfindern die Kinder im Mittelpunkt stehen, war von Beginn an spürbar. Vier Erwachsene, Dominik Laubenthal, Walter Engelbracht, Michael Meyer und Viktoria Reifferscheid, saßen Addi Burkert und Anika Ihmann, den Vorsitzenden der Kellerkinder, und Irene Thöing gegenüber. Sie sprachen von den Kindern, die sie als Gleichberechtigte sehen, von den Aktivitäten und vom Stamm Galileo Galilei, wie die Gruppe offiziell heißt. Vieles war vollkommen neu für die Besucher, die bisher wenig Berührungspunkte mit den Pfadfindern hatten.
Nun erfuhren sie, dass der Stamm 70 Mitglieder hat, dass die Kinder und jungen Erwachsenen im Alter von acht bis 22 Jahren in vier Altersgruppen aufgeteilt sind und bis in den Vorstand Mitsprache haben, von der Partnergruppe in Bolivien, mit der man sich in größeren Zeitabständen trifft und darüber hinaus einen regen Austausch hat. Überhaupt ist der Austausch mit anderen Gruppen von Pfadfindern sehr intensiv. Es fällt ihnen nicht schwer, denn sie haben alle ein „Gemeinsam auf dem Weg“. Das besagt auch, dass alles – auch die jährlichen Unternehmungen – zusammen besprochen und geplant wird. Hier können Kinder gedeihen und sich entfalten. Spielerisch lernen sie, Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen.
Ein ganz großes Erlebnis liegt noch nicht weit weg und hat noch Nachhall. Als Ahrweiler plötzlich viele Flüchtlinge zugewiesen wurden und sie oberhalb der Stadt beim AKNZ unterbrachte, waren die Pfadfinder vor Ort. Die Flüchtlinge waren dort gut untergebracht, und ihnen wurde jede organisatorische Hilfe zuteil. Nur an einem mangelte es: Sie hatten keine Beschäftigung und wenig Kontakt mit den Einheimischen. Hier sahen sich die Pfadfinder in der Pflicht. Sie spielten mit den Flüchtlingskindern und unterhielten sich mit ihnen, als würden alle die gleiche Sprache sprechen. Sie organisierten Ausflüge, und niemand wunderte sich, dass sich auch erwachsene Flüchtlinge an den Spielen beteiligten. Kurz, ehe das Lager wieder aufgelöst wurde, besuchte die Gruppe die Sommerrodelbahn in Altenahr. Für die Flüchtlingskinder war das, nach langer Entbehrung, ein besonderes Erlebnis. Als Dank erhielten die Ringener Pfadfinder am Abreisetag von den Flüchtlingen eine „Heldenurkunde“ mit persönlichen Widmungen.
Das Engagement endete damit aber nicht, denn mit der Zeit entstand so etwas wie eine Freundschaft zu einer Familie. Durch Vermittlung der Pfadfinder fanden die fast erwachsenen Kinder Praktikumsplätze bei einheimischen Firmen, und sie fühlen sich immer mehr ihren Gönnern verbunden. Der nächste Schritt wird sein, dass die Kinder den Pfadfindern beitreten und so einen weiteren Schritt in die Integration vollziehen werden.
Nun sind Pfadfinder, die im Freien zelten, wandern und vieles mehr gemeinsam unternehmen, gut ausgestattet. Hier ist Qualität gefragt, denn Kleidung und Campingartikel werden stark strapaziert. All dies zahlen die Mitglieder aus eigener Tasche. Dies dürfte eine gewaltige Hürde für die „Fastmitglieder“ sein. Hier kommen nun die Kellerkinder ins Spiel. Durch ihre großzügige Spende in Höhe von 1.250 Euro können diese Kosten – und noch mehr – abgedeckt werden.
