FeinHerb theater&musik Ellenz-Poltersdorf
Dem Amtsschimmel aus Spaß die Sporen gegeben
Theaterensemble begeisterte beim Dreiakter „Der Geist im Rathaus“
Ellenz-Poltersdorf. Es ist diese typische Amtsstube im betagten Rathaus einer Moselgemeinde, wo Theobald Müller und Elfriede Schwarz ihr Leben als beamtete Sachbearbeiter für Bürgeranträge jedweder Art fristen. Zu ihrer Verwaltungstätigkeit zählt auch die Anhörung von nervigen Beschwerdeführern, die hier oftmals mit dümmlichen Kinkerlitzchen vorstellig werden und damit vornehmlich Herrn Müller auf den Geist gehen. Ein solcher erscheint dann auch alsbald auf der Bildfläche und bringt den üblicherweise trägen Büroalltag schnell mal auf Trab.
So entpuppt sich besagter Geist als der dahingeschiedene Nikolaus Nachtigall, den als Vorgänger von Theobald Müller in gleicher Amtsstube der Tod im Dienst ereilte. Als wandelnder Untoter ist er aber nur für seinen Nachfolger Theobald sichtbar und will jetzt mit ihm einen von Bürgermeisterin Sieglinde Haselbusch geschmiedeten Komplott gegen das Rathaus und seine Belegschaft aufdecken. So vermischt die Haselbusch diesbezüglich das Private mit dem Dienstlichen und begibt sich auf das dünne Eis einer Vorteilsnehmerin, indem sie per unlauterer Zusammenarbeit mit dem betrügerischen Unternehmensberater Roland Hein eine für sie karrierefördernde Strategie anstrebt. Dahingehend sieht sie in dem intriganten Vorgehen mit Herrn Hein eine zeitnahe Fusion mit der Nachbargemeinde und den Abriss des Rathauses vor, das hier unisono einem Supermarkt weichen soll. Parallel dazu soll auch noch reichlich Schmiergeld fließen.
Derweil geht es vor den Schreibtischen von Herrn Müller und Frau Schwarz turbulent zu, denn mit den beiden Furien Rita Knopf und Karla Gutknecht leben zwei zänkische Nachbarinnen ihre Streitereien in der Amtsstube bis hin zu Handgreiflichkeiten aus. In die Diskussionen vor Ort mischt sich zusätzlich die mitteilungsbedürftige Reinigungskraft Regine Nussbaum ein, die mit dem derben Charme und dem Ausdrucksvermögen einer heimischen Labertasche als stichelnde Provokateurin ihre Berufung gefunden hat. Weiterhin bereichert die selbsternannte Wahrsagerin mit Gewerbeschein, Emma Schwein, das Verwaltungschaos und versucht neben den Gerüchten um ihre Person auch die Bedenken bezüglich ihrer Qualifikation vom Tisch zu fegen.
In diesem Tohuwabohu legt dann Theobald Müller, von Rathausgeist Nikolaus Nachtigall gecoacht, als weissagender Offenbarer einen dramaturgisch wertvollen Auftritt hin, in welchem er unter scheinbarer Trance die Machenschaften von Bürgermeisterin und Unternehmensberater anprangert.
Für ein amtliches Happyend sorgt schließlich das gesamte Ensemble, das bei der etwas abstrusen Story in drei Akten bis zum letzten Vorhang begeistert. Allen voran Dieter Schulz alias Theobald Müller, der zusammen mit Sylvia Fett (Elfriede Schwarz) trefflich die Klischees des wiehernden Amtsschimmels bedient und die Trägheit von dessen Untergebenen aufzeigt. Sonja Fuhrmann-Weber brilliert in der Rolle der hochnäsigen Bürgermeisterin Sieglinde Haselbusch, während Maria Oster ihr lautstarkes Mundwerk als Putzfrau Regine Nussbaum herausragend zu Gehör bringt. Überzeugend streitsüchtig bringen sich die Beschwerdeführerinnen Andrea Serwazi als Rita Knopf und Elke Zenz als Karla Gutknecht ins Geschehen ein und können in ihren Parts ebenso erfreuen wie Susanne Weber als „omm“-säuselnde Wahrsagerin Emma Schwein. Michael Hermes scheint die Rolle des windigen Unternehmensberaters Roland Hein wie auf den Leib geschrieben und Bernhard Konzen begeistert last but not least als gewiefter Rathausgeist mit dem richtigen Überblick. Resümierend ein zwerchfellerschütternder Spaßmarathon in „Misseler Platt“ für die ganze Familie, der durch exzellente Laiendarsteller in einer authentisch anmutenden Kulisse besticht.
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Nach Unterbindung von deftigen Handgreiflichkeiten erfolgen in der Amtsstube die Schlichtungsgespräche.
Rathausgeist Nikolaus Nachtigall hat seinem Nachfolger Theobald Müller einen tüchtigen Schrecken eingejagt.
Die resolute Rathausputze und Labertasche Regine Nussbaum zeigt der Bürgermeisterin ihre Grenzen auf.
Frau Bürgermeister fühlt sich liebesbedürftig und unbeobachtet, was den Geist des Hauses sichtlich erfreut.
Die eiskalte Hand des Rathausgeistes lässt der Bürgermeisterin eine Gänsehaut über den Rücken laufen.
Schwebende und aufblitzende Glaskugeln vor der Nase sollen den Sachbearbeiter Müller in Trance versetzen.
