Allgemeine Berichte | 06.08.2019

„Koblenz: Im Dialog“ mit App-Entwickler Marius Krüger

„Democracy“ soll den Bundestag transparenter machen

Vortrag am 12. August um 19 Uhr in den Kaiserin-Augusta-Anlagen

Koblenz. Mit seiner neuen App „Democracy“ will Marius Krüger den Bundestag transparenter machen und junge Leute zum Engagement bewegen. Der App-Entwickler hält am Montag, 12. August in den Kaiserin-Augusta-Anlagen (am Café Rheinanlagen) einen Vortrag und präsentiert seine technische Idee zur Veranstaltungsreihe „Koblenz: Im Dialog“. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Es gibt eine Geschichte, die Marius Krüger gerne erzählt, wenn er gefragt wird, warum er die App „Democracy“ entwickelt hat. Einige Wochen vor der letzten Bundestagswahl sei er durch Berlin gelaufen, sagt der 24-Jährige, und dabei immer wieder an den Wahlplakaten eines Kandidaten vorbeigekommen, auf denen folgendes Schlagwort prangte: Abrüstung.

Krüger wollte es genauer wissen und recherchierte, wie der Politiker sich in der vergangenen Legislaturperiode bei Abstimmungen zur deutschen Verteidigungspolitik positioniert hatte. Das Ergebnis: Er hatte immer wieder für die Ausweitung oder Verlängerung von Auslandseinsätzen gestimmt – und gegen ein Rüstungskontrollgesetz, mit dem Waffenexporte hätten verboten werden können.

Wachsende Distanz zwischen Regierenden und Regierten

Um welchen Politiker und welche Partei es ging, sagt Krüger nicht. Denn der Bundestagskandidat, dessen Versprechen und Handeln so eklatant auseinanderzuklaffen scheinen, ist für ihn ein Symbol für das, was er eine „Repräsentationskrise“ nennt.

Er nehme eine wachsende Distanz zwischen Regierenden und Regierten wahr, sagt er und zitiert eine Studie des Leibniz-Instituts von 2014, bei der lediglich 23 Prozent der Befragten angaben, dem Regierungshandeln ihrer Politiker zu vertrauen.

Ein undurchsichtiges System

Der Bundestag, glaubt Marius Krüger, sei für die meisten Deutschen eine „Black Box“. Ein undurchsichtiges System, bei dem kaum jemand verstehe, wie es funktioniere und wie am Ende bestimmte Gesetze zustande kämen.

Und in dem die Beteiligten viel zu selten erklärten, warum sie so und nicht anders abgestimmt haben – ob es um Waffenexporte gehe oder TTIP.

Mit seiner App „Democracy“ will Krüger das System Bundestag für die Bürgerinnen und Bürger transparenter machen.

Insgesamt ein Jahr lang hat der 24-Jährige an dem Konzept getüftelt. Mitte 2017 startete er schließlich eine Crowdfunding-Aktion und sammelte in kürzester Zeit 35.000 Euro. Außerdem bekam er ein Stipendium der Hertie-Stiftung.

Zusammen mit zwei Programmierern machte er sich ans Werk – und seit Oktober 2018 kann man „Democracy“ im App-Store kostenlos downloaden.

Etwa 75.000 Nutzer klicken sich seitdem bereits durch die vielen Gesetzesvorlagen der aktuellen Legislaturperioden und Fraktionen, auch in den einzelnen Wahlkreisen der Lokanzeigerausgaben.

User können selbst abstimmen

Künftig soll das sogar für jeden einzelnen Abgeordneten gesondert angezeigt werden. Der Clou:

Die User der App können über jeden Antrag auch selbst abstimmen – und vor der nächsten Wahl das eigene Abstimmungsverhalten mit dem der verschiedenen Fraktionen und Abgeordneten abgleichen.

So könnten Nutzer nicht nur nachvollziehen, welche Partei am ehesten ihren Interessen vertritt, sondern auch, ob Politiker im Parlament ihre Versprechen einhielten, sagt Marius Krüger.

Andersherum sollen künftig auch Politiker in der App einsehen können, wie Menschen in ihrem Wahlkreis zu bestimmten Themen stehen.

So hätten Politiker eine Chance, ihren Standpunkt mit Volkes Stimme abzugleichen, bevor sie wichtige Gesetze absegnen.

Pressemitteilung „Koblenz:

Im Dialog“

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Kommentare
08.08.201912:41 Uhr
Uwe Klasen

„… der Abgeordnete zu seinen Wahl-Versprechen steht…“ ---- Solange der sogenannte Fraktionszwang bestehen bleibt, ist einstweilen dieser Gedanke, die Abgeordneten dahingehend durch diese App einer Kontrolle durch den Souverän zu unterziehen, einzig ein, dennoch begrüßenswerter, frommer Wunsch(traum)! Die einzig verbliebene Kontrollinstanz für diese Politikdarsteller“ ist, leider, nur noch das Bundesverfassungsgericht! Und dies muss wohl wieder tätig werden, weil aktuell die Politikdarsteller sich versuchen gegenseitig zu überbieten bei der neuesten Steuererhebungsorgie, der sogenannten „Fleischsteuer“, zusätzlich noch zur eh schon alles verteuernden CO²-Steuer, denn hätten sie ihre „Hausaufgaben“ gemacht, dann wüssten sie, dass das Gesamtdeckungsprinzip gilt, also Steuern dürfen gerade nicht zweckgebunden sein!

07.08.201919:57 Uhr
juergen mueller

Ich begrüße den "Versuch" damit die Politik transparenter machen zu wollen.Nur - es wird nie eine gläserne Politik so geben,dass man ihr vertrauen kann u.sollte.Diese App bietet keine nenneswerten Vorteile außer für die Politik,die sich,insbesondere vor anstehenden Wahlen,darüber informieren kann,welche Themen den Wähler beschäftigen,um sich dann,wie wir es jetzt schon immer haben,genauso darauf einzustellen,dass es von eigenem Vorteil ist,im Klartext,dem Volk nach dem Maul reden,im Nachhinein aber das machen,was man für das einzig Richtige hält.Eine kommunal-,landes- u.bundesweite Transparenz ist von der Politik nicht gewollt.Und um beurteilen zu können,ob Versprechen der Politik eingelöst werden/wurden,dazu brauche ich keine App.Wer sich einbildet,mit dieser (gut gemeinten) App Einfluß auf politische Entscheidungen nehmen zu können,der irrt gewaltig.Unsere sogen.Volksvertreter lassen nur soviel Transparenz zu,solange sie diese selbst steuern können.

07.08.201912:30 Uhr
Koblenz: Im Dialog

Danke für die Veröffentlichung. Die App ist gutes Vehikel, um jederzeit auf dem neuesten Stand zu sein, was gerade im Bundestag entschieden werden soll, um noch rechtzeitig mit seinen Abgeordneten Kontakt aufzunehmen. Ebenso eine gute Kontrolle, wie der Abgeordnete zu seinen Wahl-Versprechen steht. Der Wunsch vieler Bürger ist: Es müsste künftig eine Regelung geben, die Abgeordnete verpflichtet, sich an ihre Wahlversprechen zu halten. Daran werden Sie gemessen und möglicherweise sanktioniert, wenn sie sich anders entscheiden. Die Regelung sollte sicher auch neue Überlegungen (andere Entscheidungen) einschließen, wenn diese sich friedensstiftend auswirken, dem Gemeinwohl dienen, moralisch und ethisch vertretbar sind.

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