„Weihnachten anders – Bethlehem ist überall“
„Den Sinn von Weihnachten getroffen“
Weihnachtsgottesdienst unter der Brücke lockte viele Menschen an
Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Raus aus der „Kuschel-Weihnacht“ unter die Brücke.
Anders halt. Mutig.“, das schrieb eine Frau bei Facebook auf die Ankündigung von „Weihnachten unter der Brücke“. Mutig waren die Besucher, die sich, in warme Jacken gepackt, mit Taschenlampen am Heiligen Abend auf den Weg machten. Manche mussten den Platz unter der Brücke in Bad Neuenahr-Ahrweiler suchen, nicht nur die, die von weiter weg angefahren waren. Mutig - weil sie nicht wussten, was sie unter der Ankündigung von „Weihnachten anders – Bethlehem ist überall“ erwarten würde. Das Vorbereitungsteam aus der Pfarrei Ahrweiler St. Laurentius aus der PGR-Vorsitzenden Ulrike Phiesel, Brigitte Doege, Andrea Klaus, Ursula Läufer und Dechant Jörg Meyrer wollten ein Angebot machen für die, die den Kinderkrippenfeiern entwachsen sind und die feierliche Christmette auch nicht die richtige Form ist.
„Anders soll es schon sein“, sagt Ulrike Phiesel, „aber wir wollen auch niemand verärgern.“ So ist eine andere Form von Gottesdienst entstanden. Die Menschen, die den Platz am Gummiweg unter der B 266 gefunden hatten, sahen zwei Feuerkörben und dazwischen eine leere Krippe, es war alles dunkel unter der Brücke. Zwischen den dicken Steinen musste man sich erst einen guten Platz zum Stehen suchen. Los ging es mit einem alten kurdischen Friedenlied, da war es sofort ganz still. Und nachdem Ulrike Phiesel begrüßt hatte, sangen alle, begleitet von einem Tenorhorn „Macht hoch die Tür“. Das klingt auch unter der Brücke, wenn es 300 Menschen singen. Das Weihnachtsevangelium wurde vorgelesen von Brigitte Doege und in Arabisch von Sherro Khalil. Zwei Fluchtberichte von 1945 und von 2016 verdeutlichten, was es heißt, kein Dach überm Kopf zu haben, in der Fremde zu sein, keinen Schutz zu haben. Shiar Ibo, 17 Jahre, berichtete über seine Flucht, allein, ohne Familie, aus der Nähe von Aleppo nach Deutschland. Dann klingt „Stille Nacht, Heilige Nacht“ für alle ganz anders.
Und Shiar hat dann das Jesus-Kind in die Krippe gelegt, genau dorthin, ins Kalte, Harte, Fremde. Und weil die Welt so ist, wie sie ist, wird dieses Kind gebraucht. In den Fürbitten haben dann viele diese Welt dem Kind ans Herz gelegt, das Vater unser haben alle gebetet. Aus dem Koran gab es eine Friedenssure. Und natürlich durfte „O du Fröhliche“ nicht fehlen, auch das klingt dann ganz anders. „Es waren sehr viele unterschiedliche Menschen da: Familien mit kleinen Kindern, Eltern mit ihren längst erwachsen gewordenen Kindern, Menschen aus Äthiopien, aus den Niederlanden und Italien, aus Syrien. Es waren Jesiden da, und Moslems. Neugierige. Und solche, die sicher schon länger nicht mehr in einer Kirche waren.
Es war spürbar, dass wir alle zusammen gehören“, sagt Pfarrer Jörg Meyrer. „Das war ganz deutlich, als am Schluss alle frohe Weihnachten wünschten“. Weihnachten anders war etwas für Mutige - und die sind nicht enttäuscht worden. Auf Facebook postete eine junge Frau, die mit der ganzen Familie 25 Kilometer angereist war, am ersten Weihnachtstag: „Ich finde, der Gottesdienst hat den Sinn von Weihnachten ins Schwarze getroffen“.
