BUND-Klimaschutz-Exkursion im Koblenzer Stadtwald fand großen Anklang
Den Wald als Lebensgrundlage erhalten
Koblenz. „Ein naturnaher Wald ist eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen. Das betrifft die Biodiversität, das Wasser, aber auch die Erholung und die Versorgung mit natürlichen Rohstoffen. Insbesondere im Hinblick auf die Eindämmung der Klimakrise sollten wir alles tun, um unsere Wälder nachhaltig zu schützen“, so der Koblenzer BUND-Vorsitzende Egbert Bialk bei der Begrüßung einer großen Wandergruppe unterhalb des Kühkopfs. Unter fachkundiger Leitung von Förster Dietmar Ebi vom Forstamt Koblenz konnten rund 30 Mitglieder und interessierte BürgerInnen erkunden, wie es um den Zustand des Waldes zu Klimakrisen-Zeiten bestellt ist und mit welchen Maßnahmen man die Vitalität der Baumgesellschaften zu erhalten versucht.
Die Brisanz der Problematik sei unübersehbar, so der BUND-Sprecher. Inzwischen sei die menschengemachte Temperaturerhöhung seit der Industrialisierung bereits auf 1,15 Grad gestiegen. In Ägypten bei der 27. Weltklimakonferenz COP 27 versuche man gerade, die Verursacherstaaten zu Maßnahmen zu bewegen, dass die Menschheit wenigstens noch in die Nähe des vereinbarten 1,5-Zieles käme. Zu befürchten sei das Doppelte. Das hätte weltweit auch gravierende soziale Verwerfungen zur Folge: Kriege, Flucht, Verarmung.
„Alles hängt zusammen. Auch Koblenz wird das zu spüren bekommen und trägt Verantwortung – für unsere Kinder und Enkel und für die aus den Ländern, die unter unser hemmungslosen Wirtschaft besonders leiden“, so Bialk. Förster Joachim Ebi zeigte anhand von Grafiken auf, wie die Temperaturen in unserer Region kontinuierlich anstiegen, messbar in Zahl an Sommertagen (über 25 Grad) und zurückgehenden Frost- und Eistagen. Auch einzelne extreme Wetterereignisse häuften sich, zum Beispiel waren Baumrinden im Bereich des Forstamts durch Hagel geschädigt worden. Bei der langen Trockenheit gab es nicht nur erhöhten Käferbefall durch „Buchdrucker“ bei Fichten, die sich durch zu geringe Harzbildung nicht gegen die Insekten wehren konnten.
Da der Anteil an Nadelbäumen aber im Vergleich zu anderen Regionen geringer ist im Raum Koblenz, seien hier größere Kalamitätsflächen eher die Ausnahme. Rund drei Viertel der Flächen sind Laubwald, insbesondere Buchen und auch Eichen, die als widerstandfähiger galten bisher. Aber auch Buchen konnten ihre Kronen nicht mehr mit genügend Wasser versorgen, sodass diese vertrockneten und teilweise abbrachen. Die Förster stünden nun vor dem Problem, mit welchen klimafesteren Baumarten sie den Wald ergänzen und erhalten könnten. Man versuche hier zunehmend, Baumarten aus anderen Ländern aus Europa anzusiedeln, auch kleinräumig aus Übersee, die jedoch Fremdkörper in den Biotopen seien – Ausgang ungewiss. Bei der Buche hoffe man, dass diese ihre Gene langsam an veränderte klimatische Bedingungen anpassen könnte. Wichtig sei die Pflege von kleinen naturnahen Biotopflächen, die aus der Nutzung genommen werden und dann ein Netzwerk bilden. Auch der Boden müsse vor Verdichtung geschützt werden, sonst sei er biologisch entwertet.
Im Stadtwald wurde bei der Exkursion an vielen Stellen deutlich, welch große Bedeutung die Naturverjüngung und eine standortgerechte Baumwahl und der Erhalt von schattenspendenden großkronigen Bäumen spielt. Letzteres senkt die Bodentemperatur und die Austrocknung. Eine ausreichende Bejagung hilft den jungen Bäume vor Verbiss.
Nach zwei Stunden Besichtigung und Diskussion zeigten sich die TeilnehmerInnen sehr zufrieden über die intensiven neuen Wald-Erfahrungen und schmiedeten beim abschließenden gemütlichen Ausklang in der Gaststätte bereits Pläne für eine Folgeveranstaltung zum Thema im nächsten Jahr. Hier wird der BUND auch die vielen Interessenten einladen können, die diesmal wegen zu hoher Anmeldezahl auf die Warteliste verwiesen werden mussten. „Insgesamt eine gelungene Veranstaltung: Umweltbildung mit Kopf, Herz und Fuß“, so eine der Teilnehmerinnen.
