Allgemeine Berichte | 17.11.2022

BUND-Klimaschutz-Exkursion im Koblenzer Stadtwald fand großen Anklang

Den Wald als Lebensgrundlage erhalten

Förster Dietmar Ebi vom Forstamt Koblenz erläuterte die vielfältigen Aspekte einer naturnahen Waldbewirtschaftung.  Foto: BUND Regionalbüro Koblenz

Koblenz. „Ein naturnaher Wald ist eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen. Das betrifft die Biodiversität, das Wasser, aber auch die Erholung und die Versorgung mit natürlichen Rohstoffen. Insbesondere im Hinblick auf die Eindämmung der Klimakrise sollten wir alles tun, um unsere Wälder nachhaltig zu schützen“, so der Koblenzer BUND-Vorsitzende Egbert Bialk bei der Begrüßung einer großen Wandergruppe unterhalb des Kühkopfs. Unter fachkundiger Leitung von Förster Dietmar Ebi vom Forstamt Koblenz konnten rund 30 Mitglieder und interessierte BürgerInnen erkunden, wie es um den Zustand des Waldes zu Klimakrisen-Zeiten bestellt ist und mit welchen Maßnahmen man die Vitalität der Baumgesellschaften zu erhalten versucht.

Die Brisanz der Problematik sei unübersehbar, so der BUND-Sprecher. Inzwischen sei die menschengemachte Temperaturerhöhung seit der Industrialisierung bereits auf 1,15 Grad gestiegen. In Ägypten bei der 27. Weltklimakonferenz COP 27 versuche man gerade, die Verursacherstaaten zu Maßnahmen zu bewegen, dass die Menschheit wenigstens noch in die Nähe des vereinbarten 1,5-Zieles käme. Zu befürchten sei das Doppelte. Das hätte weltweit auch gravierende soziale Verwerfungen zur Folge: Kriege, Flucht, Verarmung.

„Alles hängt zusammen. Auch Koblenz wird das zu spüren bekommen und trägt Verantwortung – für unsere Kinder und Enkel und für die aus den Ländern, die unter unser hemmungslosen Wirtschaft besonders leiden“, so Bialk. Förster Joachim Ebi zeigte anhand von Grafiken auf, wie die Temperaturen in unserer Region kontinuierlich anstiegen, messbar in Zahl an Sommertagen (über 25 Grad) und zurückgehenden Frost- und Eistagen. Auch einzelne extreme Wetterereignisse häuften sich, zum Beispiel waren Baumrinden im Bereich des Forstamts durch Hagel geschädigt worden. Bei der langen Trockenheit gab es nicht nur erhöhten Käferbefall durch „Buchdrucker“ bei Fichten, die sich durch zu geringe Harzbildung nicht gegen die Insekten wehren konnten.

Da der Anteil an Nadelbäumen aber im Vergleich zu anderen Regionen geringer ist im Raum Koblenz, seien hier größere Kalamitätsflächen eher die Ausnahme. Rund drei Viertel der Flächen sind Laubwald, insbesondere Buchen und auch Eichen, die als widerstandfähiger galten bisher. Aber auch Buchen konnten ihre Kronen nicht mehr mit genügend Wasser versorgen, sodass diese vertrockneten und teilweise abbrachen. Die Förster stünden nun vor dem Problem, mit welchen klimafesteren Baumarten sie den Wald ergänzen und erhalten könnten. Man versuche hier zunehmend, Baumarten aus anderen Ländern aus Europa anzusiedeln, auch kleinräumig aus Übersee, die jedoch Fremdkörper in den Biotopen seien – Ausgang ungewiss. Bei der Buche hoffe man, dass diese ihre Gene langsam an veränderte klimatische Bedingungen anpassen könnte. Wichtig sei die Pflege von kleinen naturnahen Biotopflächen, die aus der Nutzung genommen werden und dann ein Netzwerk bilden. Auch der Boden müsse vor Verdichtung geschützt werden, sonst sei er biologisch entwertet.

Im Stadtwald wurde bei der Exkursion an vielen Stellen deutlich, welch große Bedeutung die Naturverjüngung und eine standortgerechte Baumwahl und der Erhalt von schattenspendenden großkronigen Bäumen spielt. Letzteres senkt die Bodentemperatur und die Austrocknung. Eine ausreichende Bejagung hilft den jungen Bäume vor Verbiss.

Nach zwei Stunden Besichtigung und Diskussion zeigten sich die TeilnehmerInnen sehr zufrieden über die intensiven neuen Wald-Erfahrungen und schmiedeten beim abschließenden gemütlichen Ausklang in der Gaststätte bereits Pläne für eine Folgeveranstaltung zum Thema im nächsten Jahr. Hier wird der BUND auch die vielen Interessenten einladen können, die diesmal wegen zu hoher Anmeldezahl auf die Warteliste verwiesen werden mussten. „Insgesamt eine gelungene Veranstaltung: Umweltbildung mit Kopf, Herz und Fuß“, so eine der Teilnehmerinnen.

Förster Dietmar Ebi vom Forstamt Koblenz erläuterte die vielfältigen Aspekte einer naturnahen Waldbewirtschaftung. Foto: BUND Regionalbüro Koblenz

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Walter Knieps: Warum erst jetzt ?!?!
  • K. Schmidt: Das "Sicherheitskonzept" überzeugt. Ein Polizeieinsatz, "geringe Anzahl" Rettungsdienst, keine Feuerwehr nötig. Im Haushaltsplan 2025 hatte Boppard 10.000 Euro für ein Sicherheitskonzept vorgesehen, in...
  • W. Harkort: Danke für diesen Kommentar. Gab es auch Einwendungen wegen seltener Ameisen? Irgendwann in naher Zukunft werden diese Leute ihre Entscheidung bereuen. Dann ist es aber zu spät.
Maifest Gönnersdorf
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Gesundheit im Blick // Anzeige Kinder
Erzieher
Gesundheit im Blick
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Pädagogische Fachkraft (w/m/d)
Anzeigenschaltung zur Praxisschließung
Gegengeschäft
Empfohlene Artikel
Die Weinmajestäten von Altenahr, Rech und Dernau (von links) eröffneten gemeinsam mit Ingrid Näkel-Surges und Helmut Fischer (WeinKulturDorf Dernau e.V.) auf dem Dernauer Weinfestplatz den Weinfrühling Mittelahr. Fotos: DU
62

Dernau/Rech/Mayschoß/Altenahr. Was einst als „Dernauer Weinfrühling“ begann und am vergangenen Wochenende seine 17. Auflage erlebte, hat sich als erweitertes Gemeinschaftswerk der Mittelahr-Orte Dernau, Rech, Mayschoß und Altenahr längst auch als „Weinfrühling Mittelahr“ fest etabliert. Eben jener findet 2026 schon zum vierten Mal statt und ist ein unbestrittener Frequenzbringer, auch über die Mittelahr...

Weiterlesen

Das Team des Freibads Andernach freut sich darauf, allen Besucherinnen und Besuchern eine schöne und erlebnisreiche Freibadsaison zu bereiten.Foto: Stadtverwaltung Andernach / Regina Unruh
45

Andernach. Mit dem 1. Mai 2026 startet das Freibad Andernach in die neue Saison und lädt alle Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste herzlich zum Schwimmen, Entspannen und gemeinsamen Erleben ein. Auch in diesem Jahr soll das Freibad wieder ein Ort der Begegnung für Jung und Alt sein – ein Platz, an dem Freizeit, Bewegung und Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Dir rote RB 30 auf Gleis 2 am Haltepunkt Ahrweiler/Markt
53

Ahrtalbahn: Elektrifizierung ab 13. Mai für beide Richtungen nutzbar

E-Züge können bald Gleis 1 und 2 zwischen Ahrweiler und Bad Neuenahr voll nutzen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es hat eine Weile gedauert, bis die Probleme mit der Elektrifizierung der Ahrtalbahn an Gleis 1 zwischen Ahrweiler, und bis kurz vor Bad Neuenahr, bald beseitigt worden sind. Trotz dieser Einschränkung hat der Zugverkehr in beiden Richtungen in der Summe sehr gut funktioniert.

Weiterlesen

Symbolbild.
54

Koblenz. Der 2. Strafsenat – Staatsschutzsenat – des Oberlandesgerichts Koblenz hat mit Beschluss vom 24. Februar 2026 die Anklage des Generalbundesanwalts vom 5. Dezember 2025 gegen den 48jährigen syrischen Staatsangehörigen Fahad A. zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet. Die Hauptverhandlung startete am heutigen Montag, 27.04.2026.

Weiterlesen

Die „Jaadeporz“ von Wershofen Garten ist für ihre einzigartige Atmosphäre bekannt und beliebt. Fotos: DU
21

- Anzeige -Wershofen Garten begeistert erneut mit der „Jaadeporz“

Vielfalt rund um Garten, Genuss und Gestaltung

Ahrweiler. Wenn inspirierende Ideen für Garten, Haus und Wohnung auf Beisammensein, entspannte Atmosphäre und regionalen Genuss treffen, dann hat die „Jaadeporz“ von Wershofen Garten – Nomen es Omen – ihr (Garten)-Tor geöffnet. Am vergangenen Wochenende war es wieder so weit und der Besucherzuspruch aus nah und fern bestätigte einmal mehr, wie beliebt dieser einzigartige Event seit vielen Jahren ist.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Dienstleistungen
Gesundheit im Blick
Gesundheit im Blick
Maifest in Gönnersdorf
Titel-Eckfeld - Bestellung Nr. 4300003863
Innovatives rund um Andernach
Gesundheit im Blick
Minijob
Angebotsanzeige (April)
Innovatives rund um Andernach
100 Jahre Eifelverein Dernau
Sachbearbeiter/in (w/m/d)
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
T-Roc & R-Line / Meckenheim
100 Jahre Eifelverein Dernau
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr