Malerin Ruth Klein und Fotograf Wilfried Lenz zeigen ihre Arbeiten in der Ahrweiler Stadtgalerie
Der Austausch zieht sich durch
Ahrweiler. Manche Dinge brauchen etwas länger. Schon einmal, vor sechs Jahren, planten Malerin Ruth Klein und Fotograf Wilfried Lenz gemeinsam auszustellen.
„Da blieb es allerdings beim Wunschgedanken.
Nun, in 2016 ein neuer Anlauf und Ruth Klein kombinierte während eines Treffens sofort beim Betrachten der von Wilfried Lenz ausgesuchten Fotografien – Werke, aus ihrem Pinsel stammend.
Energie stieg in ihr auf, und sie fertigte sogar das ein oder andere Bild noch passend zu den Fotomotiven“, sagte Sonja Guse in ihrer Einführung zu „Austausch“, der neuen Ausstellung in der „Stadtgalerie Weißer Turm“.
Deren fröhlicher Auftakt wird für die Gäste erlebbar, sobald sie die Eingangstür durchschritten haben.
Gemaltes schwarz-buntes Haribo, schrille Lutscher und glänzende Campinos auf der einen Wand und auf der anderen Fotos zart-lila Blüten: Wenn das keine freundliche Einladung ist, die Stufen bis zum zweiten Stockwerk zu erklimmen.
Wo die Treppe endet, entdeckt der Betrachter Farbtuben in der gemalten und in der fotografierten Version.
Auch stößt er Betrachter auf das Breitformat „Apfelparade“, riesige Äpfel in Öl und den überbordenden Orangen-Stand, gleichfalls Öl, eines orientalischen Händlers.
Schöpferin Ruth Klein, die erstmals mit ihren Bilden in die Öffentlichkeit tritt, hatte sich nach der Berufsausbildung und Familienphase 1998 in der Malschule Roos erneut der Malerei zugewandt.
Bis heute ist sie mit Freude dabei.
Das Geheimnis der Linien
Die zwei Ausstellungsräume eröffnen dann vollends die umfängliche, von gegenständlich bis abstrakt reichende Bilderwelt von Klein und Lenz, die beide in der Kreisstadt leben und bereits als Kinder zu ihren heutigen Hobbys fanden. Insgesamt zeigen sie 43 Arbeiten unterschiedlichster Themen, Motive und Techniken. Während sich Klein farbfreudig zeigt, sind von Lenz überwiegend Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu sehen.
Drei davon hängen nebeneinander: links die entkernte Röhre des Regierungstunnels mit zwei Figurenschatten, rechts ein abgedeckter Pflanztunnel mit dürren Gestrünk. Sie lassen sich als melancholische Impulsgeber wahrnehmen, um zu sinnieren über Menschenwerk, das aufgegeben wurde.
In der Mitte dann „Aufstrebend“, ruckelnde Linienstränge, die sich auf eine Art Zentrum bewegen oder von ihm ausgehen. In Ahrweiler konnte niemand die geheimnisvolle Darstellung zuordnen, was nicht verwundert, da Lenz, Mitglied im Film- und Fotoclub Ahrweiler, für den es die rund 20. Ausstellung ist, dafür ein Rohr mit Aluminium verkleidete.
Jedem seine Träumerei
Rednerin Guse beschrieb, wie Fotos allgemein und speziell von Wilfried Lenz entstehen: „Grundlage für das Foto sind der Blickwinkel, der Augenblick, die Belichtung, der Bildausschnitt.
Auf dieser Grundlage, dem ‚Jedermannfoto‘, wird am Computer das Besondere von Wilfried Lenz erarbeitet.“
Viele Menschen sind interessiert daran, was die Künstler bewegte und wie genau sie vorgingen.
Doch wesentlich ist, was auch Guse betonte, dass jeder, der den Exponaten gegenübersteht, seine persönliche Anknüpfung findet: „Jeder darf sich, ob Gemaltes oder Fotografiertes, in seine Träumerei fallen lassen und betrachten, was er gerade daraus sieht.“
Fallen lassen kann man sich gut in Kleins lauschiges Ölbild „Im Grünen“, das zwei junge Frauen, zwischen üppigem Wiesen- und Baumgrün an einen Baumstamm gelehnt, zeigt. Als menschenfeindlich könnten sich dagegen wohl die bedrohlich spitzen und vielfarbigen „Zauberberge“ erweisen.
So lässt sich in „Austausch“ Bild für Bild etwas entlocken. Als Dreingabe an den Betrachter aber wirkt der Austausch, der anders als häufig, kein hohler Titel ist, sondern sich als funktionierendes Ausstellungskonzept erweist.
Von den Machern intendiert, korrespondieren Fotos und Bilder. Mal vollzieht sich der Brückenschlag von einem ins andere Medium über die Farbe, siehe die Arbeiten über dem Sofa, mal ist es ein linear geprägter Aufbau, wie beim Foto „Spiegelung“ und dem Ölbild „Chimäre“ sowie bei fotografierten Skulpturen im Wasser und „Graphik“ in Acryl oder ein dargestelltes Element, wie die Pflanze Mohn. Doch nie fallen die Bezüge eins zu eins aus.
Das war Ruth Klein, von der die Zuordnungen ausgingen, wichtig. So kommt Lenz‘ Blütensolist „Mohnvariation“ neben dem ingressiven Blütenmeer von Kleins „Mohnwiese“ zu hängen. Die Struktur wiederum ist verbindendes Element, einer reizvollen Allianz zwischen einem Lichtbild mit schwimmenden hellen Schwingungen – Ausgangspunkt waren Büroklammern – und drei Seerosenteich-Variationen in Acryl, nach Claude Monet.
Die Ausstellung ist bis 27. November geöffnet: montags bis donnerstags 16 bis 18 Uhr, freitags 15 bis 18 Uhr, samstags 14 bis 18 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. (02641) 3 78 10 24 oder (01 78) 3 76 19 29.
HG
Ein Portrait, aber vier Techniken: In Öl, Tusche, Bleistift und Aquarell hat Ruth Klein den Schauspieler Jean Gabin festgehalten. Foto: unknown
Kunst-Duo und Betrachter-Trio. Foto: unknown
Gut gelaunt am Start: die Ausstellungsmacher Ruth Klein und Wilfried Lenz. Foto: unknown
„Filmriss“ nennt Wilfrid Lenz diese Foto-Collage. Foto: unknown
