Allgemeine Berichte | 28.04.2017, 16:44 Uhr

„Forum Kultur“ Bad Breisig organisierte Gesprächs-Konzert

Der Freigeist Beethoven in Wort und Musik

Birgit Letschert brachte den Gästen die Persönlichkeit des Komponisten näher – Lydiya Plastun brillierte am Klavier

Zum Abschluss der außergewöhnlichen und mitreißenden Veranstaltung dankte Forum-Vorsitzender Bernd Lang den beiden Vortragenden Birgit Letschert (r.) und Lydiya Plastun herzlich.  FA
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Bad Breisig. Im Rahmen der Reihe „Kultur im Hotel“ veranstaltete der quellenstädtische Verein „Forum Kultur“ im Hotel „Rhein-Residenz“ ein Gesprächs-Konzert rund um Ludwig van Beethoven. Birgit Letschert, Studienrätin a.D., selbst begeistert für klassische Musik – und damit große Verehrerin Beethovens – übernahm den verbalen Streifzug durch Leben und Schaffen des Bonn-Wiener Musik-Titanen, und sie tat das mit feinem Gespür für das, was für Musikfreunde interessant und verdaulich ist.

Letscherts Vortrag war dramaturgisch geschickt aufgebaut: Er begann mit dem Rückblick auf die riesige Beerdigung des in Wien berühmten Komponisten am 29. März 1827. Ein beeindruckendes Bild der Verehrung des Genies, so völlig verschieden von der Grablegung Mozarts, die ganz ohne Publikum erfolgt war. Nach soviel Kunde von der schon zu seinen Lebzeiten gereiften Bewunderung für das Genie Beethoven folgte ein Galopp durch dessen Bonner Zeit.

Bescheidene Anfänge eines großen Genies

Nun – das meiste glaubten die Zuhörer aus dieser Periode zu wissen, aber es tut gut, noch einmal daran erinnert zu werden, dass der größte Sinfoniker der Musikgeschichte einst in einem dürftigen Mansardenzimmer das Licht der Welt erblickte, von einem musikalisch tüchtigen, aber versoffenen Vater an die Tasteninstrumente herangeführt wurde, als verschlossenes , aber talentiertes Kind mit viel Beharrlichkeit das Klavier traktierte, schon als Elfjähriger vor dem Kurfürsten konzertierte und früh in dessen Hofkapelle aufgenommen wurde. Dort wurde Beethoven 14-jährig schon Vize-Kapellmeister, stolzierte mit Livree oder modisch gekleidet – und oft verliebt – durch das vornehme Bonn. Aber der Wunsch nach Perfektion verfolgt ihn.

Wien und die Entwicklung von Beethovens Kompositionsstil

1787 fährt er zu Mozart nach Wien, später trifft er Haydn (auf dessen Rückreise von England) in Bonn. Der wird auch sein ständiger Lehrer, als beide in Wien sind. Beethoven hat seinen Musikstil längst fortentwickelt. Er findet vom damals geliebten Improvisieren zur Sonatenform. Er legt sich mit dem Wiener Adel an. Obwohl von diesem gefördert und verehrt, pocht er auf seine künstlerische Freiheit. Zu seinem Freund Fürst Lichnowsky sagt er: „Sie sind Fürst von Geburt – was ich bin, bin ich durch mich!“ Er ist dem guten Wein nicht abgeneigt, arbeitet aber vormittags immer diszipliniert an seinen Kompositionen. Die sind für damalige Zeit avantgardistisch. Und nicht für jedermann verdaulich. Beispiel: die bis dahin nie gehörten Harmonien der Eroica. Der Komponist ist oft (und fast immer unglücklich) verliebt. Zum Beispiel in Josefine Brunswik. Ist sie seine „unsterbliche Geliebte“, an die er Liebesbriefe schreibt, die zum Teil nie abgeschickt werden? Unglückliche Liebe, aber auch seine früh sich entwickelnde Taubheit beeinflussen seine Psyche. Er wird reizbar, oft tobsüchtig, schreibt dennoch die größten, gewaltigsten Kompositionen der Musikgeschichte. Seine Sinfonien – vor allem die Neunte – werden Riesenerfolge, die er wegen seiner Taubheit aber nicht mehr wahrhaben kann. Soweit ein Querschnitt durch die Erläuterungen von Birgit Letschert.

Beeindruckende Klangbeispiele illustrierten den Vortrag

Aber was wäre ein Beethoven-Abend ohne Beispiele seiner Musik. Und für die war die Klaviervirtuosin Lydiya Plastun zuständig. Sie zauberte auf den Tasten des Pianos exzellente, kurze Partien aus Beethovens kompositorischem Schaffen. Da erklingen der „Trauermarsch aus der Sonate op. 25“, die „Variationen über ein Schweizer Lied“, der erste Satz aus der Sonate op. 2, ein Satz aus der Sonate op. 13, Ausschnitte aus den „Eroica-Variationen“ op. 35, das für Josefine Brunswik komponierte Lied „An die Hoffnung“ und Ausschnitte aus den „Diabelli-Variationen“ op. 120. Wer sich schon einmal mit Beethovens Musik befasst hat, weiß, welch hohe Ansprüche sie an den Interpreten stellt. Lydiya Plastun wurde diesen Ansprüchen in hohem Maße gerecht und erhielt – gemeinsam mit der Moderatorin – begeisterten Applaus für 90 höchst erlebenswerte Minuten rund um Beethoven. Allgemeiner Wunsch: „Bitte mehr davon!“ FA

Lydiya Plastun bewies einmal mehr ihre absolute Könnerschaft am Piano.

Lydiya Plastun bewies einmal mehr ihre absolute Könnerschaft am Piano.

Zum Abschluss der außergewöhnlichen und mitreißenden Veranstaltung dankte Forum-Vorsitzender Bernd Lang den beiden Vortragenden Birgit Letschert (r.) und Lydiya Plastun herzlich. Fotos: FA

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