Ein Nachruf auf „Goddi“ (1961-2020)
Der Heimatmaler Ralf Godde ist tot
Koblenz. In diesem Monat wäre er 59 Jahre alt geworden, aber das hat er nicht mehr erleben dürfen. Oder müssen? Schon als er 55 wurde, meinte er, dass er nie damit gerechnet hätte, 50 Jahre alt zu werden und nun sei er schon 55. Nein, mit einem langen Leben hatte er nie gerechnet, aber sein früher Tod trifft seine Freunde und die zahlreichen Bewunderer, die er in unserer Region hatte, sehr hart. Es wird keine neuen Ausstellungen mit Vernissagen, die oft zu künstlerischen Ereignissen avancierten, mehr geben und keine Ausstellungstourneen mit prominenter Begleitung aus Stadt und Land. Viele namhafte Künstler unserer Region wirkten mehrmals dabei mit und wurden dafür meist mit von ihm gemalten Bildern entlohnt. Kunst gegen Kunst war in diesem Zusammenhang sein Motto und alle, die er dazu einlud, machten gerne mit.
Als Werbegraphiker hatte er in den Räumen der Kulturfabrik mit seinen „Graphischen Werkstätten“ angefangen, war dann in die Altstadt und danach in die Vorstadt umgezogen und lebte zuletzt als freier Maler in der alten Hufschmiede von Koblenz. Dort entfaltete er eine rege Tätigkeit mit vielen Atelierfesten, kochte nach eigenen Rezepten für Prominente der Region und gab seine Malkurse, an denen selbst frühere Lehrer von ihm teilnahmen, denn man konnte von Goddi, wie ihn seine Freunde nennen durften, immer noch etwas lernen.
Die Schule verließ er mit der mittleren Reife, weil ein geplanter Leistungskurs Bildende Kunst nicht zustande kam und lernte eben Werbegraphiker, was er auch bis zuletzt blieb. Immer hatte er beim Malen den Rezipienten im Blick und erhielt sich das Gefühl für die Wirkung seiner Bilder. Diese waren meist sehr schön und eben an dieser Wirkung orientiert. Vitamine für die Seele, die eine heitere Atmosphäre schufen und einen freundlichen Blick auf die Welt ermöglichten, aber auch immer einen Erkenntnisgewinn durch neue Perspektiven und Kontexte für bekannte Motive aus Koblenz und Umgebung beinhalteten.
Dr. Kurt Eitelbach, der langjährige Leiter des Mittelrhein-Museums in Koblenz, der ein Bewunderer der Arbeiten Goddis war, beurteilt sein Gesamtwerk so: „Wenn wir Goddes Schaffen überblicken, scheint gerade das Besondere an diesem Künstler, dass in seinem Werk Temperament und Idylle, alles, was wir an Rhein und Mosel lieben, dass nichts davon seiner Palette fremd ist, dass dies alles bei ihm zu einer einzigen Schau zusammenfließt.“
Zu seiner letzten Ausstellung gemeinsam mit seiner Tochter, der Fotografin Sarah Reuther, konnte er schon kein neues Bild mehr malen. Es wurden dafür nur frühere Werke von ihm verwandt. Seine Augen versagten ihren Dienst und er litt schon lange an Parkinson. Zuletzt kamen noch Panikattacken und epileptische Anfälle dazu, sodass er sein letztes Lebensjahr mehr in verschiedenen Krankenhäusern als in seinem Atelier verbrachte. Fast hat man den Eindruck, er habe sich so langsam aus einem Leben verabschiedet, das nach seinem Gefühl ganz einfach lange genug gedauert hatte…
Ruhe in Frieden, lieber Goddi, in Deinen Bildern bleibst Du immer bei uns. Andino
