Feierliche Wiedereinweihung der Christian Ludwig König-Orgel
Der „König aller Instrumente“ begeistert mit neuem Klang
Swisttal-Ollheim. Am 31. Juli 2007 fasst der Kirchenvorstand von St. Martinus den Beschluss, die Orgel der Kirche stimmen zu lassen. Unter Verweis auf eine Restaurierung der Orgel in den Jahren 1958 bis 1963 durch die Firma Orgelbau Johannes Klais in Bonn sollte diese auch den Auftrag erhalten. Ausgehend von diesem Beschluss unter Beteiligung des Erzbischöflichen Generalvikariats in Köln, dauerte es über viele einzelne Stationen bis zum St. Martinus-Patronatsfest 2014, bis die Ollheimer Pfarrgemeinde in einem großen Festakt die Wiedereinweihung der Barockorgel feiern konnte.
Auf diesem langen Weg hat es so manche Überraschung gegeben. Zunächst wusste in Ollheim niemand, welches Kleinod sich in ihrer Pfarrkirche befand. Recherchen haben ergeben, dass die Orgel in den Jahren 1768 oder 1769 in dem Damenstift Schillingskapellen bei Dünstekoven aufgestellt worden ist. In den Jahren der Säkularisierung, als das linke Rheinufer von Frankreich annektiert war, wurde der Stift aufgelöst und verkauft, die dortige Kirche wurde abgerissen, das Mobiliar und Wertgegenstände wurden verkauft. Wie die Orgel in die Pfarrkirche nach Ollheim kam, konnte bisher nicht geklärt werden. Seit 1842 ist sie jedenfalls in der Pfarrkirche St. Martinus urkundlich nachgewiesen. Allerdings war wohl verloren gegangen, dass die Barockorgel aus der Werkstatt von einem der seinerzeit besten Orgelbauer, Christian Ludwig König, stammte. So blieb der eigentliche Wert der Orgel mehr als 200 Jahre unentdeckt, trotz einiger Reparaturen und Restaurierungsarbeiten. Erst bei einem Vortermin zur Aufnahme der Restaurierungsmaßnahmen durch den Leiter der Restaurierungsabteilung der Firma Klais, Dr. Hans-Wolfgang Theobald, wurde im April 2011 erkannt, dass die Orgel ein bislang unbekanntes Werk mit historischer Bedeutung, ein handwerkliches Meisterstück aus der Werkstatt Königs ist.
Nun galt es, für die aufwendige Restaurierung die erforderlichen Mittel aufzubringen. Der Kirchenvorstand ließ keine Stelle aus, die über Mittel der Denkmalpflege verfügt - von der Regionalen Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland bis zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien wurden Förderanträge gestellt. Während von den Bundeseinrichtungen eine Förderung abgelehnt wurde – von dort werden nur national bedeutsame Kulturdenkmäler gefördert – kamen Zusagen vom Land NRW aus Mitteln der „Denkmalförderung“, vom Landschaftsverband Rheinland aus dem Topf „Regionale Kulturförderung“, von der Bezirksregierung in Köln und vom Erzbistum Köln. „Erhebliche Mittel haben aber die Ollheimer selbst aufgebracht“, erläuterte Heiner Meurs, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes von St. Martinus, „wir haben bereits zu Beginn des Jahres 2010 den Beschluss zu Haussammelaktionen gefasst. Es war der Auftakt zu einem beispielhaften Eigenmittelaufkommen, da können wir den vielen Spendern in Ollheim und darüber hinaus nur dankbar sein“. 15.000 Euro Eigenmittel waren das Ziel des Kirchenvorstandes, mehr als 19.000 Euro sind zusammengekommen.
Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche begann die Wiedereinweihung der Christian Ludwig König-Orgel. Dabei konnten sich die Besucher von dem wunderbaren Klang der Orgel überzeugen. Anschließend traf sich die Gemeinde mit zahlreichen Gästen zu einem Festakt in der nahegelegenen Pfarrscheune. Nach der Begrüßung durch Heiner Meurs eröffneten Bettina Betzler (Flöte), Verena Knauf-Blaas (Violoncello) und Bettina Reinhard-Volbach (Klavier) musikalisch den Festakt mit einer Sonate von Johann Christoph Friedrich Bach (1732 bis 1795). In ihren Grußworten wiesen Dr. Gundula Lang vom Landschaftsverband Rheinland und Sebastian Schuster, neuer Landrat im Rhein-Sieg-Kreis, auf die Bedeutung der kulturellen Vielfalt auch im ländlichen Raum sowie auf das Engagement der Ollheimer Bürgerinnen und Bürger hin.
Die Festrede hielt die Schirmherrin der Wiedereinweihungsfeierlichkeiten, die Landtagsabgeordnete Ilka Freifrau von Boeselager. Auch sie ging auf den kulturhistorischen Wert der Ollheimer Orgel ein und erinnerte an die überlieferte Begeisterung von Wolfgang Amadeus Mozart von der Orgel als vom „König aller Instrumente“. Nach einem Schlusswort von Pater Stanislaus Friede gab es zum Ausklang des Festaktes Kaffee und Kuchen, und wer sich für weitere Einzelheiten interessierte, konnte noch dem Vortrag von Dr. Hans-Wolfgang Theobald zur „Restaurierung einer König-Orgel“ lauschen.
Die restaurierte König-Orgel in der Pfarrkirche St. Martinus in Ollheim.
