Allgemeine Berichte | 23.04.2019

Künstler Wolfgang Kutzner zeigt im Museum Römervilla, welche Inspiration Pompeji für ihn ist

Der Maler als Archäologe

„Den ganzen Tag schiebe ich die Vierecke hin und her, bis mir das Bild etwas sagt“

Als wär’s ein Teil der Römervilla: Kutzners „Komposition Pompejanischrot“. Foto: HG

Ahrweiler. Es ist mühsam. Es dauert, und vieles wird aussortiert, weil es nicht bestehen kann vor dem Urteil des Künstlers, der sich selbst der strengste Kritiker ist.

Bis er ein Bild fertigstellt, hat es ihn einiges an Zeit und Anstrengung gekostet. Wolfgang Kutzner, Maler mit Lebensmittelpunkt und sein Atelier in Staffel, unterwirft sich einem anspruchsvollen Bildfindungsprozess.

„Inspiration Pompeji“

Die antike Malerei fasziniert ihn seit jeher. Nun ist der Künstler nach einer Ausstellung in 2004 zum zweiten Mal zu Gast im Museum Römervilla. „Inspiration Pompeji“ hat er die neue Präsentation überschrieben.

Denn Kutzner kam spätestens nach der eigenen Anschauung nicht mehr los von Pompeji, jener heute so bekannten Stadt des römischen Reiches, die im Jahr 79 durch den Vesuvausbruch begraben wurde. „Mit Pompeji verbindet man vor allem auch die Römische Wandmalerei, die nirgends so hochwertig wie dort erhalten ist und deshalb auch zu Recht den Namen ‚Pompejanische Wandmalerei‘ trägt“, erklärte der Kreisbeigeordnete Hans-Jürgen Juchem. „Man kann Wolfgang Kutzner kaum einen besseren Ausstellungsort für seine Werke bieten“, befürwortete er Kutzners Ausstellung im Museum Römervilla und übermittelte zur Eröffnung Grüße von Zweckverbandsvorsteher Bürgermeister Guido Orthen und Vizevorsteher Landrat Jürgen Pföhler.

Künstlerisch verwandelt

Der Künstler beschränke sich nicht auf eine Werkschau vorhandener Arbeiten. „Seit vor zwei Jahren die Entscheidung für die Ausstellung fiel, ließ er sich dazu inspirieren, neue Werke anzufertigen, wobei er sich neben Pompeji und anderer mediterranen römischen Kunst auch von der Kunst in der Römervilla hat leiten lassen“, so Juchem.

Ebenso zeigte sich Museumsleiter Dr. Hubertus Ritzdorf überzeugt „vom Menschen und Künstler Kutzner“.

Wie Kutzner gegenüber Blick aktuell äußerte, habe er sich von Ritzdorf beim Ausstellungsvorhaben stets unterstützt gefühlt. Zum Verständnis seiner Bilder, die Erscheinungen der Wirklichkeit künstlerisch verwandeln und in abstrakte Bildformen führen, sprach Kunsthistorikerin Heike Wernz-Kaiser.

Impulse empfangen

Im Anschluss führte Kutzner selbst durch die Ausstellung und stellte sich den Fragen der interessierten Gäste. Zwei naturnah gemalte Kaiserköpfe, dem Nero und Claudius zugehörig, zählen zu den Ausnahmen, umfasst doch das Spektrum der gezeigten Arbeiten zumeist Zwischenstufen von sehr abstrahierten und figürlichen Werken. Sie weisen entlang der linken Fensterfront im Museum Bezüge zu Pompeji und Darstellungen der Villa dei Misteri auf, zu Rom, Amalfi, Sevilla. Auch Heimisches, wie der Eppelsberg und der Laacher See, zitiert der Maler. Seine Arbeit entfaltet sich im Prozess. „Den ganzen Tag schiebe ich die Vierecke hin und her, bis mir das Bild etwas sagt“. Diesen Impuls, etwa eine Erinnerung an farbige Dachziegel aus Positano oder ein Architekturdetail aufgreifend, geht die Gestaltung in weitere Phasen. Kutzner malt, kratzt, klebt Papiere ein, reißt sie wieder ab, trägt Asche und erneut Farbe auf. Kunsthistoriker Hartmut Witte stellte zu den Arbeiten des Künstlers einmal fest, „es scheint, als würde Wolfgang Kutzner in seiner Malerei zu einer Art Archäologen, der seine Bilder nicht malt, sondern freilegt“.

Wie in der pompejanischen Malerei öffnet Kutzner im Bild auch Fenster in einen anderen Bildraum. So blickt man zwischen farbigen Flächen auf einzelne oder mehrere gegenständliche Passagen. Oft auch sind die geometrischen Farbpartien so differenziert ausgebildet, dass sie eine je eigene Welt bilden.

In der Römervilla frappieren speziell jene Arbeiten, die sich aus gedeckt leuchtenden viereckigen Farbfeldern zusammensetzen und mitten in die ausgegrabenen historischen Räume positioniert sind. Sie scheinen sich in den Tonwerten ihrer kunstvoll gealterten Oberflächen mit Farbresten an den vorhandenen Mauern zu verbinden. Allenthalben sind Referenzen auszumachen in der erdigen Ausstrahlung, in der Textur und Farbtemperatur. Zugleich kontrastieren die geometrischen Kompositionen mit ihrer Umgebung. Ein Kenner der Bilder staunte, „wie anders sie hier im Vergleich zum Atelier wirken: die haptische Anmutung ist gesteigert“. HG

Er ist sein strengster Kritiker: Künstler Wolfgang Kutzner vor eigenen Arbeiten.

Er ist sein strengster Kritiker: Künstler Wolfgang Kutzner vor eigenen Arbeiten.

Wolfgang Kutzner erläutert Arbeiten mit Bezügen zur Villa die Misteri.

Wolfgang Kutzner erläutert Arbeiten mit Bezügen zur Villa die Misteri.

Als wär’s ein Teil der Römervilla: Kutzners „Komposition Pompejanischrot“. Foto: HG

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