Schlechte Nachricht für die geplante Bebauung des Meckenheimer Marktplatzes
Designierter Betreiber des Betreuten Wohnens im Marktplatz-Komplex hat Insolvenz angemeldet
Das könnte auch Auswirkungen auf das 30 Millionen Euro schwere Projekt insgesamt haben - Investor HCRE stellte den Stand der Planungen vor - Kritik am Wegfall von Stellplätzen
Meckenheim. Über den aktuellen Stand der Planungen für die Neugestaltung der Markplatzfläche in der Meckenheimer Altstadt informierte der Investor Health Care Real Estate GmbH (HCRE) aus Berlin jetzt die Meckenheimer Bürger. Dabei hatte Toni Trautwein, Geschäftsführender Gesellschafter der HCRE, eine schlechte Nachricht im Gepäck, die das ganze, etwa 30 Millionen Euro schwere Projekt in Frage stellen könnte: „Der Pflegeheimbetreiber Convivo, der das Betreute Wohnen in dem Objekt eigentlich betreiben sollte, hat vor zwei Tagen Insolvenz angemeldet.“ Dennoch halte HCRE an dem von Convivo entwickelten Konzept fest, möglicherweise könnten eventuell auch einzelne Projekte des insolventen Unternehmens weitergeführt werden, hofft Jonas Rabe, ein weiterer Geschäftsführender Gesellschafter von HCRE. Darüber hinaus gebe es aber auch schon erste Gespräche mit anderen möglichen Betreibern.
Bis zu 120 Senioren sollen betreut werden
Das Betreute Wohnen ist nämlich ein Herzstück des Vorhabens, das aus mehreren Teilen besteht. Die Planungen sehen auf dem 5700 Quadratmeter großen Baufeld einen Nutzungsmix aus Wohnen, Einzelhandel und Gastronomie vor. Auf dem Niveau der Hauptstraße soll ein Vollsortimenter eröffnen und über den neugestalteten Marktplatz erreichbar sein. Darüber entsteht ein Wohnquartier mit 55 kleineren Apartments sowie zwei Wohngemeinschaften mit jeweils zwölf Zimmern sowie einer Tagespflege für 18 bis 24 Personen. Alles in allem können hier also bis zu 120 Senioren in allen Pflegestufen betreut werden, rechnete Trautwein vor. Das Ensemble soll aus insgesamt vier Gebäuden bestehen, die nach derzeitigem Stand der Planungen bis zu vier Stockwerke hoch, bis auf einen für eine gewerbliche Büronutzung vorgesehenen „Campanile“ direkt an der Hauptstraße aber nicht höher als die Umgebungsbebauung sein sollen.
In vier bis sechs Wochen, so Rabe, sei klar, wie es mit Convivo weitergehe. „Wir sind vom Standort und vom Konzept weiterhin überzeugt und haben auch schon erste Gespräche mit einem möglichen Nachfolge-Betreiber geführt.“ Zumal innerhalb der vorgesehenen Kubatur der Gebäude auch noch Änderungen möglich seien, falls dies von einem anderen Betreiber gewünscht werde.
Wohngemeinschaften und Tagespflege-Plätze
Nach derzeitigem Stand sollen hier bis zu 120 Menschen über 65, die noch nicht so viel Pflege benötigen, dass sie stationär untergebracht werden müssten, ebenso eine Bleibe finden können wie Personen, die eine vollstationäre Betreuung benötigen. Auch Ehepaare mit unterschiedlichen Pflegegraden könnten hier gemeinsam alt werden und müssten auch bei einer Erhöhung des Pflegegrades nicht umziehen. Außerdem gebe es zwei Wohngemeinschaften für jeweils zwölf Personen mit jeweils eigenem Zimmer und Bad sowie Rund-um-die-Uhr-Versorgung, etwa bei Demenz. Darüber hinaus sind 18 bis 24 Tagespflege-Plätze vorgesehen, der dafür zuständige ambulante Pflegedienst werde sich aller Voraussicht nach auch um externe Kunden kümmern.
Bei den drei Dutzend Zuhörern im Sitzungssaal des Rathauses trafen die Vorstellungen der Planer nicht auf ungeteilte Zustimmung. Insbesondere der Wegfall der derzeit 162 kostenlosen Stellplätze auf den beiden Ebenen des Marktplatzes wurde bemängelt, hauptsächlich von Gewerbetreibenden mit einem Geschäft in der Hauptstraße. Derzeit sind lediglich 102 Stellplätze für das komplette Bauvorhaben vorgesehen. Davon etwa 80 in einer Tiefgarage, die aber allesamt der neuen Nutzung zugeordnet werden sollen. Kostenfrei dürften demnach nur etwa 40 Parkplätze für die Kunden des Vollsortimenters während des Einkaufs seien. In einiger Entfernung, in der Swistbachaue neben dem Bolzplatz, sollen weitere 60 Parkplätze für Langzeitparker entstehen, mithin für die Beschäftigten in den Altstadt-Geschäften.
Ohne kostenfreie Parkplätze laufen die Kunden weg
Willi Wittges-Stoelben, der Vorsitzende des „Meckenheimer Verbundes“, betonte einmal mehr die Wichtigkeit von kostenfreien Parkplätzen in der Altstadt, „sonst laufen uns die Kunden weg.“ Die Ansicht der Stadtverwaltung und des Investors, die im Wegfall der Stellplätze kein Problem sähen, konnte er nicht nachvollziehen: „Wenn Sie uns erklären wollen, was unsere Kunden brauchen, dann übernehmen Sie doch unsere Läden“, schüttelte er den Kopf. „Wir als Einzelhändler verstehen das jedenfalls nicht.“ Einzelhändler Thomas Freichem sah das ähnlich und hätte es ohnehin besser gefunden, „wenn mit der Hauptstraße gesprochen worden wäre und nicht über die Hauptstraße“, kritisierte er eine mangelhafte Kommunikation mit den Gewerbetreibenden in der Umgebung des Marktplatzes.
Waltraud Leersch, Leiterin des Fachbereichs Stadtplanung und Liegenschaften bei der Stadt Meckenheim, wies dies zurück und zugleich darauf hin, dass die Planungen schon seit Jahren immer wieder kommuniziert worden seien. Außerdem gebe es ausweislich des Parkraumkonzeptes eine überaus komfortable Parkplatzsituation in der Altstadt. „Gefühlt kann es allerdings auch anders sein“, gab sie zu. Dennoch dürfe man nicht nur an die „Blechlawine“ denken, sondern in erster Linie an die Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Stadt. Letztlich gelte es, abzuwägen zwischen einem zusätzlichen Angebot an Einzelhandelsflächen und Wohnungen gegenüber dem Erhalt von Pkw-Stellplätzen, ergänzte Trautwein.
Statt den Gefahren die Chancen sehen
„Wir sollten nicht nur zurückblicken, sondern nach vorne schauen und unseren Frieden machen mit den getroffenen Entscheidungen, statt den Gefahren besser die Chancen sehen“, ergänzte Diplom-Ingenieur Matthias Klipp (HCRE). Ohnehin sei man noch ganz am Anfang der Planungen, die sich durchaus noch ändern könnten. Die Jahre 2023 und 2024 würden wohl noch komplett für die Planungen benötigt werden, anschließend folge eine zweijährige Bauphase, sodass frühestens Ende 2026 der Bau abgeschlossen sein könnte, gab er einen zeitlichen Horizont vor.
JOST
