Allgemeine Berichte | 30.04.2018, 11:09 Uhr

Mitgliederversammlung der Ökumenischen Flüchtlingshilfe RheinAhr e. V. (ÖFH)

„Die Arbeit ist noch lange nicht getan!“

Der 1. Vorsitzende, Werner Rex (2 v.li.) mit Vereinsmitgliedern.Privat
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Kreis Ahrweiler. Dramatische Fälle von Familientrennungen waren ein Auslöser für die Änderung der Satzung der ÖFH, die auf der diesjährigen Mitgliederversammlung beschlossen worden ist. Die finanzielle Unterstützung von geflüchteten Menschen in Notlagen und Hilfen bei der Familienzusammenführung wurden neu in die Vereinssatzung aufgenommen.

Trotz deutlich weniger Neuzuweisungen von Flüchtlingen in den Landkreis Ahrweiler im Jahr 2017 im Vergleich zu den Vorjahren können die haupt- und ehrenamtlichen Kräfte der ÖFH ihre Hände nicht in den Schoß legen. Die drastisch gestiegene Zahl an Anerkennungs- und Klageverfahren, als auch vermehrt Fälle getrennter Familien, die bei der ÖFH um Hilfe nachsuchen, verlangen weiterhin den ganzen Einsatz.

Jessica Ulrich und Joachim Dedenbach, die beiden hauptamtlich tätigen Kräfte der ÖFH, trugen nicht nur die eher nüchternen Zahlen vor, sondern schilderten auch an einem anonymisierten Beispiel die Problematik der Familienzusammenführung. Diese Schilderung ging den Mitgliedern unter die Haut. Während in der öffentlichen Diskussion oftmals das Einsickern in die deutschen Sozialsysteme oder möglicher Missbrauch der Kindergeldregelungen in den Vordergrund gerückt sind, sehen die beiden, die im täglichen Kontakt zu geflüchteten Menschen stehen, vor allem die Not der Menschen. Wenn Familienväter auf der Flucht von Frau und Kindern getrennt werden, ist das für sie ein traumatisches Erlebnis. Dem Wunsch, die Familie wieder zu vereinen, stehen aber leider erhebliche bürokratische Hürden und finanzielle Verpflichtungen gegenüber.

Auch hier hilft die ÖFH. Vom ersten Kontaktgespräch bis zur erfolgreichen Zusammenführung der Familie vergehen Monate. Unzählige Anträge und Formulare müssen ausgefüllt, Botschaftstermine geplant und vereinbart sowie Reisen und Flüge gebucht werden. Und wenn dann noch - wie im Falle von Afghanen - die zuständige deutsche Botschaft in einem anderen Land liegt - in diesem Fall in Pakistan - macht das die Sache noch viel komplizierter.

Verlagerung zu intensiver Beratung und Integrationsarbeit

Zurück zu den nüchternen Zahlen. Auch wenn längst nicht mehr so viele Flüchtlinge dem Kreis Ahrweiler zugewiesen werden wie in den Jahren 2015 und 2016, bleibt für die ÖFH viel zu tun. Die Arbeit hat sich lediglich verlagert von der Erstversorgung von Neuankömmlingen hin zu intensiver Beratung und Integrationsarbeit. Die Zahl der Beratungen im Asylverfahren liegt zur Zeit bei circa 70 bis 90 Terminen im Monat. Etwa 110 Klageverfahren gegen die Erstentscheidungen durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge werden von der ÖFH betreut. Wenn man weiß, dass fast die Hälfte dieser Klageverfahren erfolgreich verläuft, kann man die Bedeutung dieses Teils der Arbeit ermessen.

Nicht weniger beeindruckt waren die Vereinsmitglieder von den weiteren Aktivitäten der haupt- und ehrenamtlich Tätigen.

Schatzmeister Rolf Nelles präsentierte als Resultat seiner Arbeit das von den Kassenprüfern kontrollierte Jahresergebnis. Auch wenn der Verein nicht auf Rosen gebettet ist, stellte er doch überzeugend dar, dass bei weiterhin klugem Wirtschaften die Arbeit bis ins Jahr 2019 gesichert ist. „Es ist beruhigend“, so ein Vereinsmitglied, „dass die Arbeit für die Flüchtlinge auf festen Füßen steht und der Verein solide wirtschaftet.“ Ob und wie sich die Entscheidungen der Bundesregierung zum Asylverfahren im Jahr 2019 auf die Vereinsaktivitäten und -finanzen auswirken werden, bleibt abzuwarten.

Helmi und Rainer Stuckenschmidt berichteten von ihren Erfahrungen aus den Sprachkursen, die sich nicht nur großer Beliebtheit erfreuen, sondern auch überaus erfolgreich waren und sind. Da sitzen Menschen aus den verschiedensten Nationen zusammen und lernen die deutsche Sprache. Mal auf sehr hohem Sprachniveau als Vorbereitung auf ein Studium, mal als Startbasis für die ersten Schritte in Deutschland. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Menschen aus dem arabischen Sprachraum zuerst die lateinischen Schriftzeichen erlernen müssen. Arabische Schrift ist nun einmal deutlich anders als unsere Buchstaben und man schreibt von rechts nach links.

Maria Müller und Lothar Scheffel, die schwerpunktmäßig in Remagen arbeiten, gaben ebenfalls einen umfassenden Einblick in ihre Aktivitäten. Diese reichen von der intensiven Einzelfallbetreuung vor Ort bis zur Organisation der monatlichen Treffen in der Kulturwerkstatt, die an diesen Abenden zur Integrationswerkstatt wird. Damit ist in Remagen neben der Selbsthilfewerkstatt für Fahrräder eine zweite Anlaufstelle entstanden, die die Möglichkeit zu Kontakten und Hilfestellung bietet. „Bei den letzten Treffen waren nicht nur jeweils etwa 30 Flüchtlinge anwesend“, führte Lothar Scheffel aus, „sondern auch Vertreterinnen der internationalen Studierenden des RheinAhrCampus zusammen mit ihrem Dozenten Dr. Laurent Borgmann, der Vorsitzende des Beirates für Migration und Integration Vitor Matins und der 1. Beigeordnete der Stadt, Rolf Plewa.“ Damit bietet dieser Treff ein Forum für Gedankenaustausch, Kennenlernen und Planung zukünftiger Aktivitäten.

Die Entlastung des Vorstandes war schließlich nur eine Formsache. Der 1. Vorsitzende Werner Rex konnte nicht nur mit dem Verlauf der Veranstaltung hoch zufrieden sein, sondern mit der gesamten Arbeit, die dieser engagierte und schlagkräftig arbeitende Verein mit seinen 45 Mitgliedern leistet.

„Und wenn dann nach langem Bemühen ein Flüchtling anerkannt ist, Deutsch gelernt hat, Arbeit findet und sein Leben in Sicherheit und Frieden selbst gestalten kann, weiß man, warum man sich so engagiert hat.“ sagte Joachim Dedenbach. Ein schönes Schlusswort.

Der 1. Vorsitzende, Werner Rex (2 v.li.) mit Vereinsmitgliedern.Foto: Privat

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