Rheinbrücken-Sanierungen: Die Stadt lud zu einem Presserundgang unter die Pfaffendorfer Brücke
„Die Arbeiter sind nicht im Urlaub, sondern jetzt unter der Brücke“
Auch wenn man nichts sieht, es wird weiter gearbeitet
Koblenz. Bald werden sie nicht mehr zu sehen sein, obwohl sie gleichwohl weiterhin fleißig tätig sein werden. Die Handwerker, Bauarbeiter und Ingenieure auf oder bald vielmehr unter der Pfaffendorfer Brücke, einer der Hauptverkehrspulsadern der Stadt an Rhein und Mosel. Diese für jedermann wahrnehmbare Veränderung der Arbeiten, nahm die Stadt Koblenz am vergangenen Montag zum Anlass zum aktuellen Stand der Brückenarbeiten, zu einem gut besuchten Presserundgang zu laden.
Gerade dann, wenn man beruflich gezwungen ist, mit dem Auto die Innenstadt aus dem Osten zu erreichen, ist die 1953, nach ihrer Zerstörung durch die Wehrmacht 1945 wiederaufgebaute Brücke die mit Abstand wichtigste Rheinüberquerung. Was dazu führte, dass seit Baubeginn im April dieses Jahres die Verkehrssituation, gerade auch auf der Pfaffendorfer Brücke, die als B49 auch eine Bundesstraße ist, auch wegen anderer Brückenarbeiten rund um die Stadt, zu manchen Uhrzeiten zu manch heikler Verkehrsthematik geführt hat. Dieser Umstand sorgte für einige erhitzte Gemüter und Diskussionen. Auch um diese nicht abermals zu befeuern, war es der Stadt wichtig für Transparenz und Akzeptanz in dem Thema zu sorgen.
„Es wird auch weiterhin mit Hochdruck an der Brücke gearbeitet“
„Um nicht den Eindruck zu vermitteln, die Arbeiter seien jetzt sechs oder acht Wochen im Sommerurlaub“, so ein Zitat von Peter Schwarz, dem Brückenbeauftragten der Stadt Koblenz im Rahmen des Rundgangs, „sei es wichtig die Öffentlichkeit fundiert darüber zu informieren, dass auch, wenn man aufgrund des zukünftigen Bauabschnitt unterhalb der Fahrbahn oben nichts mehr wahrnehmen würde, man wissen müsse, dass weiterhin mit Hochdruck an der Brücke gearbeitet würde.“
Dies zu kommunizieren sei auch deswegen wichtig, da man auch weiterhin aus verkehrsplanerischen Gründen nur zwei Fahrspuren während der gegenwertigen Bauzeit freigeben kann und das Bauwerk auch noch längerfristig für den Schwerlastverkehr gesperrt bliebe. Man arbeite jedoch mit Hochdruck daran, so unterstreicht es ein Sprecher der Stadt, die Brücke wieder für den vierspurigen Verkehr vorzubereiten und freizugeben. Dieser Fakt wird auch damit herausgestellt, dass sich derzeit zwei Koblenzer Firmen um die Arbeiten kümmern, dessen Mitarbeiter mit Herzblut und dem Bewusstsein für die Situation alles geben würden, schnell und professionell die unausweichlichen Maßnahmen zum Abschluss zu bringen.
Die Arbeiten, so betont es auch gegenüber BLICK aktuell nochmal der zuständige Leiter des Koblenzer Tiefbauamt und anerkannte Brückenexperte Peter Schwarz, seien aber unumgänglich gewesen. Der Fachmann betont, hätte es diese Sanierungen jetzt nicht gegeben, hätte man bald an den Auffahrten einfach Sperrbalken hinstellen können mit Verweis auf den geplanten Brückenneubau. Einhergehend mit der Frage: „Hätte man das gewollt? Sicherlich nicht.“ Auch habe das Gutachten ergeben, dass der gleichzeitige Verkehr und damit die Tragbelastung reduziert werden muss, wenn die Brücke noch bis zu ihrem Neubau nutzbar bleiben soll.
Der leitende Ingenieur, Bauleiter Holger Ritter verweist dabei auch auf die hohen deutschen Standards. „So etwas wie in Genua, als vor einem Jahr die dortige Autobahnbrücke „Ponte Morandi“ eingestürzt ist, ist aufgrund der derzeitigen Arbeiten und unseren ständigen Kontrollen und strengen Maßgaben unmöglich!“
Einen genauen Zeitplan bis zur Fertigstellung, so Ritter gegenüber BLICK aktuell, kann man nicht nennen, da man erst im Rahmen der Arbeiten unter der rund 312 Meter langen Balkenbrücke, nach Abtragung an den betroffenen Stellen, ein genaues Schadenbild erhält. Man werde nun dort, wo man im Vorfeld zum Beispiel Hohlräume festgestellt hat, einfach ausgedrückt, ähnlich wie bei einer Zahnbehandlung, den brüchigen Beton rund um die Schadstellen großräumig entfernen und soweit abtragen das jegliche betroffene Masse beseitigt ist, damit man anschließend die betroffenen Stahlträger prüfen, reparieren und wenn nötig verstärken kann. Anschließend würden die Bereiche mit einer besonderen Betonmischung wieder gefüllt und verschlossen werden.
Um diese Arbeiten durchzuführen, wird unter der kompletten Brücke eine aufwendige Gerüstkonstruktion aufgebaut. Das Gerüst wird einen Laufsteg von über 300 Metern länge aufweisen, welcher zwischen den beiden Brückenhauptträgern gehangen wird. Daran werden vier fahrbare und höhenverstellbare Arbeitsebenen montiert, von denen aus man die Brückenunterseite bearbeiten kann.
Eine Übersicht über die Situation
Oben auf der Brücke laufen derweil noch die letzten Arbeitsschritte der notwendigen Sanierungsarbeiten im Bereich der Randsteinwasserablauf- und Drainagesysteme direkt auf der Fahrbahn. „Hierbei wurden die Randbereiche neu abgedichtet. Nach Entfernung der alten Schrammbordschienen aus Strahl wurde der darunterlegende marode Beton bearbeitet und mit einem kunststoffvergüteten Beton ertüchtigt. Im Anschluss dessen, wurde die Randfuge mit Stahlbauteilen und mit Gussasphalt dicht verschlossen“, wie man es der Pressemitteilung in schönster Fachformulierung entnehmen kann. Diese noch einige Tage dauernden Arbeiten sollen verhindern, dass zukünftig Wasser, welches im Winter ja auch Streusalze enthalten kann, abermals in die Brücke eindringen und den Beton oder die Stahlbewehrung schädigen kann.
Läuft alles planmäßig, könnten nach Einschätzung der Experten im Herbst oder Winter dieses Jahres alle vier Fahrspuren auf der Pfaffendorfer Brücke wieder geöffnet werden. Der Baubeginn einer neuen Brücke, welche die bestehende Brücke ablösen wird und die parallel zur aktuellen errichtet werden soll, um diese dann nach Abriss der bestehenden Konstruktion auf die historischen und denkmalgeschützten Widerlagern zu schieben, wird noch mindestens vier bis fünf Jahre dauern.
Auch deshalb sind die aktuellen Baumaßnahmen nötig, weil die Brücke trotz aller Standards maroder ist, als ursprünglich angenommen.
Roland Schäfges
Für die Schiffsfahrt besteht auch trotz der Arbeiten keine Gefahr oder Einschränkung. Foto: Roland Schaefges
Die Arbeiten an der Fahrbahn werden in den nächsten Tagen abgeschlossen. Foto: Roland Schaefges
