Allgemeine Berichte | 29.08.2018

Förderverein Gedenkstätte KZ-Außenlager Cochem in Treis gegründet

Die Erinnerung an die Opfer wach halten

Der frisch gewählte Vorstand des Fördervereins „Gedenkstätte KZ-Außenlager Cochem“ (von links): Holger Haupt, Veronika Raß, Rupertus Woehl, Mariette Nölle, Joachim Hennig und Michael Thomiczny. TT

Treis-Karden. Der Nationalsozialismus hat auch im Landkreis Cochem-Zell seine Spuren hinterlassen. Eine Gruppe von Bürgern engagiert sich seit einiger Zeit dafür, dass die Erinnerung an die Opfer des KZ-Außenlagers Cochem mit seinen Einrichtungen in Treis und Bruttig wach gehalten wird. Mariette Nölle, ehemalige Lehrerin aus Wittlich mit Wurzeln in Wirfus, berichtete bei der Gründungsversammlung des Fördervereins KZ-Außenlager Cochem in der ehemaligen Mädchenschule in Treis von ihrer Recherchearbeit, um mehr über die Insassen des KZ-Außenlagers Cochem zu erfahren. Da wichtige Unterlagen zu dieser NS-Einrichtung in Archiven in Paris liegen, führte ihr Weg auch dorthin. „Weil die Recherche sehr umfänglich ist, natürlich auf Französisch verfasst ist, muss ich sicherlich noch einmal in die französische Hauptstadt“, berichtete Mariette Nölle. Unterstützt von Joachim Hennig aus Koblenz breiteten die beiden ihre bisherigen Ergebnisse rund 20 interessierten Bürgerinnen und Bürgern in der Versammlung aus. Vor der eigentlichen Gründung informierte Rupertus Woehl, der sich bereits seit Jahren in der Gedenkarbeit in Kusel engagiert, über die Satzung des zu gründenden Vereins. Demnach soll er gemeinnützig sein und seinen Sitz in Cochem haben. Weiterhin beschloss man als Zweck des Vereins „die Gedenkarbeit an die Opfer des KZ-Außenlagers Cochem mit den Teillagern Bruttig und Treis in Zusammenarbeit mit den betroffenen Kommunen aufrecht zu halten“. Dabei will der Verein ebenso „die Förderung internationaler Gewinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungs-Gedankens.“ Weitere Aktivitäten sollen demnach auch das Aufstellen von Infotafeln, das Erarbeiten eines Lageplans und der Aufbau und Kontakt zu Schulen sowie Kirchen sein. „Wir wollen Privat-Dokumente sammeln, sichten und aufarbeiten“, fasste Joachim Hennig zusammen. „Das Gedenken an die Opfer wollen wir so wachhalten und zum Beispiel auch im Internet präsent sein.“ Der pensionierte Richter am Oberverwaltungsgericht Koblenz berichtete dann der Versammlung detailliert von seinen Untersuchungen. Beispielsweise konnte er aus Akten entnehmen, dass 1944 drei große Menschen-Transporte nach Cochem erfolgten, bei denen einmal 300 Häftlinge, dann 700 und schließlich 850 Gefangenen aus dem KZ Ausschwitz an der Mosel ankamen. So wurden am 24. Juli 1944 exakt 1527 Häftlinge in beiden Teillagern unter schlimmsten Bedingungen gefangen gehalten. Joachim Hennig berichtete auch in dem Zusammenhang von Hinrichtungen, etwa dass an einem Tag in Treis und in Bruttig jeweils sieben Männer gehängt wurden, weil sie einen Fluchtversuch unternommen hatten. Augenzeuge Karl Welches aus Bruttig erzählte in dem Zusammenhang den Zuhörern tief bewegt vom tödlichen Ende eines Häftlings in Bruttig, das er selbst als Achtjähriger im Dorf miterlebt hat: „Wir spielten gerade im Bereich des Todesstreifens, als ein Häftling von einem Kapo beauftragt wurde, im Todesstreifen Unkraut zu rupfen. Der Mann fing an und wurde sofort von einem Wachmann auf dem Sandstreifen erschossen, da er den Häftling von seinem Wachturm aus als Flüchtenden ins Visier genommen hatte.“ Tiefe Betroffenheit herrschte bei allen Teilnehmern nach diesem Erfahrungsbericht und erst nach einer Pause konnte Rupertus Woehl die Erläuterung der Vereinsgründung fortsetzen. Die Wahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzende ist Mariette Nölle, Stellvertreter Diakon Michael Thomiczny, Schatzmeisterin Pastoralreferentin Veronika Raß und Schriftführer Rupertus Woehl. Zu Beisitzern wählte die Versammlung Joachim Hennig und Holger Haupt aus Cochem. Zu Kassenprüfern bestimmte man Manfred Ostermann und Thomas Welz aus Bruttig. Der Mitgliedsbeitrag beträgt für Einzelpersonen 20 Euro pro Jahr, erstes Familienmitglied 10 Euro, danach jedes weitere 5 Euro. Kinder unter 18 Jahren sind frei, Schüler und Studenten zahlen jährlich 5 Euro Mitgliedsbeitrag, Institutionen je nach Selbsteinschätzung. Unter dem Punkt „Verschiedenes“ wurde angeregt, dass der Verein alsbald eine Führung zu den markanten Stellen des ehemaligen KZ-Außenlagers sowie eine ganztägige Fahrt zur Gedenkstätte KZ Natzweiler-Struthof anbieten soll. Ein Termin steht aber schon fest: Das ist die nächste Info-Tagung der Landeszentrale für politische Bildung. Diese findet am Samstag, 19. November 2018, im Kapuzinerkloster in Cochem statt. Schwerpunkt dabei ist das Gedenken an das KZ-Außenlager Cochem. Im Rahmen dieser Veranstaltung soll auch die von der Arbeitsgruppe (bestehend aus Vertretern der Kreisverwaltung, der Landeszentrale, der Universität Trier und Einzelpersonen) bis dahin erarbeitete Konzeption für eine Gedenkstätte KZ Außenlager Cochem vorgestellt werden.

TT

Die Erinnerung an die Opfer wach halten

Der frisch gewählte Vorstand des Fördervereins „Gedenkstätte KZ-Außenlager Cochem“ (von links): Holger Haupt, Veronika Raß, Rupertus Woehl, Mariette Nölle, Joachim Hennig und Michael Thomiczny. Fotos: TT

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