„Zu Gast auf dem Sofa“
Die Erziehung des Mannes
Michael Kumpfmüller las aus seinem neuesten Werk
Rheinbach. Wieder einmal präsentierte sich ein besonderer Gast auf dem Campus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Der 54-jährige Schriftsteller Michael Kumpfmüller las aus seinem neuesten Buch: „Die Erziehung des Mannes“. Es kann schon gesagt werden: Er kam, las und begeisterte die etwa 100 Zuhörerinnen und Zuhörer. Kumpfmüller ist bereits bekannt mit Werken wie zum Beispiel Franz Kafkas letzte Liebe, Durst oder die Herrlichkeit des Lebens, das in 24 Sprachen übersetzt wurde. Außerdem erhielt er viele Preise wie unter anderem den Walter Serner Preis 1993 oder den Prix Jean Monnet 2013. Er ist verheiratet mit der ebenfalls erfolgreichen Schriftstellerin Eva Menasse, hat drei Söhne und lebt zurzeit in Berlin.
Sein Romanheld heißt Georg und ist Student der Musikwissenschaften und angehender Komponist. Er ist kein Weiberheld, lässt aber auch nichts anbrennen. Traurigerweise verlassen ihn die jungen Frauen immer wieder, was für ihn verwunderlich ist. Mit Katrin zum Beispiel hatte er sieben Jahre zusammengelebt, ohne dass sie nur einmal zusammen geschlafen hätten. Dann lernte er Julika (Jule) kennen, die er schließlich heiratete und das Paar bekam drei Kinder. Aber Jule ließ ihn ständig wissen, dass er faul sei, nichts zustande bringe während sie als Lehrerin hart arbeiten müsse. Dann kam der Durchbruch für Georg. Sein erstes musikalisches Werk wurde hoch bejubelt, sein Gehalt stieg und somit hätten sich die Vorwürfe von Jule erledigen können. Aber im Gegenteil. Jule verfolgte ihren Ehemann mit blankem Neid und trieb es auf die Spitze. Georg zeigte endlich mal seine entschlossenere Seite, verließ die Familie und lebte mit Sonja zusammen.
Das Gezerre um die Kinder und das Kindergeld hielten auch nach der Scheidung an. Sonja bemühte sich, eine einfühlsame Stiefmutter zu sein, wenn die drei Kinder alle zwei Wochen bei ihnen anrückten. Bei der Scheidung hatte Georg zwar das Beste für sich herausgeholt, aber Sonja hatte er verloren und nach Ansicht von Georg hatte „Jule den Krieg auf der ganzen Linie gewonnen, zumindest war sie dabei, ihn zu gewinnen.“ Mehrere Kapitel verwendet Kumpfmüller dem Leben seines Helden Georg in dessen Elternhaus. Von einem autoritären Vater geprägt, lebt die Familie in ständiger Angst. Georg grübelt darüber nach, ob vielleicht hier die Wurzeln seiner Unentschiedenheit und Indifferenz liegen. Für seine Kinder aber bleibt er eine Liebeskonstante. Daran hält er fest, auch wenn ihm in der Paartherapie vorgeworfen wird, er sei grausam, dass er Jule verlassen habe. Und tatsächlich, insgeheim gibt er sich immer noch die Schuld am Scheitern der Beziehung. Dann endlich mit 60 Jahren bekommt er sein Leben ein wenig in den Griff. Er trifft seine Jugendfreundin Theres wieder. So sagt Georg im letzten Kapitel: „Mit Theres werde ich wohl alt“. Wie er mit der Jugendfreundin ein Gentlemen`s Agreement nach fast 40 Jahren des ersten Kennenlernens trifft, erfahren Interessierte beim Lesen des Buches. Wie es im Klappentext des Buches heißt, ähnelt der Roman einem Erziehungsroman, der den spannungsreichen Weg nachzeichnet, den viele Männer heute gehen, die viel von sich erwarten und von denen viel erwartet wird. Susanne Kundmüller machte die Anmoderation und sprach die Schlussworte, wobei sie dem Schriftsteller entlockte, dass der Roman in gewissen Abschnitten einer Autobiografie gleich kommt. Das Publikum spendete viel Applaus und so mancher erwarb das Buch, das selbstverständlich von Michael Kumpfmüller signiert wurde. STS
