Die Jahresendabrechnung 2015 mit der Schlachtplatte im Kreaforum
Die „Kanzlerin“ ist bedient, aber „Sie schaffen das schon“
Swisttal-Morenhoven. Die Raute symbolisiert Verlässlichkeit und Standhaftigkeit, aber aus „Wir schaffen das“ ist nun ein „Sie schaffen das“ geworden. Dabei haben die fünf Kabarettisten, die mit der „Schlachtplatte“ die 28. Morenhovener Kabaretttage beendeten, die Kölner Ereignisse aus der Silvesternacht noch außen vor gelassen. Wie konfus es in der Flüchtlingspolitik derzeit zugeht und dass die Frage zur Glaubwürdigkeit der Politiker völlig überbewertet wird, verdeutlichte die derzeit wohl bekannteste Darstellerin der Bundeskanzlerin Maria Grund-Scholer mit einem einzigen Satz: „Wogegen ich morgen angeblich schon gestern gewesen bin, das weiß ich doch heute noch nicht.“
Zusammen mit Maria Grund-Scholer boten Robert Gries, Adrian Engels und Markus Riedinger als „Onkel Fisch“ und Jens Neutag einen fulminanten Jahresrückblick. Natürlich nahm das Flüchtlingsproblem breiten Raum ein. Auf einer Kreuzfahrt durchs Mittelmeer entdeckt die Touristin „Maggi“ zwischen einem Latte macchiato und dem Abendbüffet ein Schlauchboot voller Flüchtlinge. „Da muss man doch helfen“, steht für sie fest. Da muss doch das Rote Kreuz in Deutschland angerufen oder zumindest der Pizzaservice bestellt werden. „Aber warum haben die nicht einfach gebucht, so wie wir, der Schlepper war doch sicher auch nicht billiger.“
Viele aktuelle Themen in satirischer Form abgearbeitet
Aber auch andere aktuelle Themen wurden mit viel Witz und zuweilen beißendem Sarkasmus abgearbeitet. Etwa die Terroranschläge und das abgesagte Länderspiel in Hannover. War die Absage schlimm? Nein, so konnten wir in Deutschland doch auch mal Opfer sein. Oder die -vielleicht- gekaufte Fußballweltmeisterschaft 2006. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kann sich ja an nichts erinnern, aber er ist sich sicher, dass da keine Korruption im Spiel war. Ärzte sprächen da von einer taktischen Demenz. Auch die Pharmaindustrie bekam ihr Fett weg. Wenn sich mit aktuellen Krankheiten der Gewinn nicht mehr steigern lässt, ja dann kann man doch mit der Vorsilbe „Prä“ künftig gut verdienen.
Die „Merkelkratie“ bleibt uns erhalten!
Wie ein roter Faden zog sich aber doch die Flüchtlingswelle durch das Programm. Da kam allerdings nicht jede Pointe gut an, etwa die Aussage, dass vor 25 Jahren neben einigen Tausend politischen Flüchtlingen doch 17 Millionen deutsche Wirtschaftsflüchtlinge „zu uns“ gekommen sind. Und die „Kanzlerin“? „Ich sitze in meinem Kanzleramt und warte auf die kleinen Kanzlerkandidaten und die nächste Koalition, die unter mir nichts zu sagen haben. Vor zehn Jahren habe ich gesagt, ich will Deutschland dienen, jetzt bin ich bedient. Trotzdem, Deutschlands Zukunft ist schwarz, und ich liebe schwarz, und die Merkelkratie bleibt bestehen.“
Aber an einem sollten alle Deutschen festhalten: „Ich bin eure Mutti, ihr schafft das“.
Trotz verlässlicher Raute, nach mehr als zwei Stunden versinkt das Narrenschiff 2015 im Meer, aber für Januar 2017 kündigten die Kabarettisten mit nicht minder spannenden Themen den nächsten Jahresrückblick in der Krea Morenhoven an.
