Allgemeine Berichte | 10.11.2017

Tanz- und Sportzentrum Mittelrhein

Die Leistung stetig steigern

Im 2014 gegründeten Tanz- und Sportzentrum Mittelrhein werden junge Tänzer optimal gefördert

Mit Herz und Seele für den Nachwuchs im Einsatz: (v. li.) Anja Strubel-Horch, Hans Wickert, Carina Berg und Olga Golmstock.BSB

Koblenz. Vier Trainerinnen sind bei dem als gemeinnütziger Verein 2014 gegründeten Tanz- und Sportzentrum Mittelrhein („TSZ“) mit Herz und Begeisterung für das Angebot Kindertanz im Einsatz. Anja Strubel-Horch, Carina Berg, Madeline Garnier und Olga Golmstock vermitteln Kindern schon ab drei Jahren Rhythmusgefühl und Spaß an der Bewegung. Auf spielerische Art führen sie sie langsam an Bewegungsabläufe, die ersten Tanzschritte und die Basiselemente lateinamerikanischer Tänze heran. Ohne ein Mindestmaß an Disziplin kommt der Tanzunterricht allerdings nicht aus, sofern die Tänzer jemals Erfolgserlebnisse haben wollen. Das stürmische Ankommen der Gruppe der fünf- bis neunjährigen Tanz-Anfänger im Saal wird von Olga und Carina relativ schnell in einigermaßen geordnete Bahnen gelenkt. Denn ausgetobt hatten sich die Kinder gerade zuvor bei Anja im Raum nebenan. Dort konnten sie sich die erste Viertelstunde lang im Aufwärmtraining mit Zumba-Übungen einstimmen. Carina, die mit ihrem Tanzpartner Christian Scherf selber in der „A-Klasse Latein“ tanzt, sind ihre sportgymnastischen Erfahrungen anzumerken. Sie kommt gut bei den Kindern an. Olga, die erst seit Anfang des Jahres Trainerin beim TSZ ist, unterstützt sie, indem sie überall da weiterhilft, wo es hakt - die Tanzhaltung verbessert oder die Schrittfolge noch einmal im Detail einübt. Vor dem großen Spiegel an der Wand können die jungen Tänzer Körperhaltung und die Synchronität ihrer Schritte genau kontrollieren. Heute werden die bereits gelernten „Jive“-Schrittkombinationen wiederholt. Die Trainerinnen erklären und machen vor. „Gut aufpassen, wir gucken alle nach vorne!“, ruft Carina, bevor sie damit beginnt, die Schrittfolge „Rück-Platz“ einzustudieren. Erst ohne, dann zur Musik - erst alleine, dann mit Partner. Weil unter den etwa zwanzig Kindern nur zwei Jungen sind, tanzen viele Mädchen eben in der Jungen-Rolle. Manches Mal besteht Diskussionsbedarf, wer gerade welchen Part übernehmen soll. Die Trainerinnen vermitteln und finden schnell eine kompromisshafte Lösung.

„We love to dance!“ begeistert den Nachwuchs

Pressesprecher Hans Wickert, der das Hobby Tanzen vor zehn Jahren für sich persönlich entdeckt hat, schaut zu und freut sich über die offensichtliche Begeisterung der Kinder für diesen Sport. So soll es sein, denn schließlich lautet das Motto des Vereins „We love to dance!“ Besonders die Nachwuchsförderung habe sich das TSZ auf die Fahne geschrieben. Die Zahlen bestätigen das. Von den 300 Mitgliedern sind etwa ein Drittel Kinder. Oft kommen sie über ihre tanzbegeisterten Eltern an den Sport. Doch auch die Auftritte in der Gruppe und die zwei bis drei Wettbewerbe pro Jahr seien für die Kinder attraktiv und ein Ansporn, mitzumachen oder gar die Leistung stetig zu steigern. Die Trainerinnen, die jährlich vom Verein zu Weiterbildungslehrgängen entsandt werden, begleiten und stützen sie auf diesem Weg. Sie unterrichten das Tanzen in lockerer und verspielter Weise, beginnend bei den drei- bis sechsjährigen, die hier „Tanzmäuse“ genannt werden. Der Unterricht schafft damit die Grundlagen für Kondition und Koordination zu Musik. Madeline, die eine der beiden Tanzmäuse-Gruppen trainiert, hat Erfahrung in Kinderanimation, ist Diplom-Pädagogin und Turniertänzerin. Sie erklärt, wie die Kinder mit einfachen Choreografien langsam an das Tanzen herangeführt werden. Den „Biene-Maja-Tanz“ zum Beispiel durften die Kleinen schon bei verschiedenen Veranstaltungen in Koblenz einem richtig großen Publikum vorführen. Ab dem Alter von sechs Jahren, können dann die richtigen Tänze gelehrt werden. Ab diesem Zeitpunkt schauen die Trainerinnen danach, welche Tanzpaare in Bezug auf die Talentstärke am besten zusammenpassen, erklärt Madeline. Wenn die Tänzer das Potenzial und den Willen haben, auf Leistung hinzuarbeiten, muss die Trainingsfrequenz auf drei- bis viermal wöchentlich angehoben werden. Wichtig bei allem Ehrgeiz sei es für Anfänger, Hobbytänzer oder Fortgeschrittene, den Spaß am Tanzen hochzuhalten, um dauerhaft dabei zu bleiben.

Trainer sein bedeutet mehr als nur betreuen

Carina macht deutlich, dass sie als Trainerinnen nicht nur Lehrende, sondern für die Zeit im TSZ so etwas wie Freundin oder Ersatzmama sind. „Guck mal, ich habe ein neues Kleid!“, ruft eines der Mädchen und kommt freudestrahlend zu ihr gelaufen. Das hübsche Outfit wird natürlich ausgiebig bewundert. Auch Tränchen gilt es mal zu trocknen, über Schulnoten zu sprechen oder für das leibliche Wohl zu sorgen. Die Trainerinnen müssen ein gutes Ohr haben für die Kinder und das, was sie bewegt, ist Wickert überzeugt. Die Trainingsstunde nähert sich dem Ende. In den letzten Minuten gibt es noch einmal ein Bewegungsspiel, mit dem dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder freien Lauf gelassen werden soll. Im Anschluss gehört der Saal Anja, die hier mit ihrer Gruppe das Kinder-/Junioren-Training Latein durchführt. Deutlich ist der Unterschied zwischen den noch eher ungestümen und ungeordnet tanzenden Kindern im Anfänger-Stadium und dieser turniererfahrenen Gruppe zu sehen. Die jungen Tänzer bewegen sich schon sehr professionell im Cha-Cha-Cha-Rhythmus und folgen den zackigen Kommandos ihrer Trainerin aufs Wort. Anja ist von frühester Jugend an dem Tanzfieber verfallen und erreichte in der A-Klasse sogar die Position der deutschen Vizemeisterin. Danach tanzte sie erfolgreich in der höchsten deutschen Klasse, der S-Klasse, wo sie sich mit ihrem künftigen Mann, der heutige Präsident des TSZ, als Tanzpaar zusammenschloss und schließlich zu den Profis wechselte. Da wird nicht gekleckert, da wird richtig Gas gegeben. Natürlich ist auch ihre Tochter Ana-Noelia, die in dieser Gruppe mittanzt, Mitglied des TSZ. Sie stieg erst vor Kurzem mit ihrem Turniertanzpartner Ilja Shayevych bei den Landesmeisterschaften im Standard-Tanz in die B-Klasse auf. Man sieht: Tanzen ist nicht nur gesund und gesellig, sondern auch eine Sportart, die das Selbstbewusstsein stärken und bei Talent und Ausdauer große Erfolge bescheren kann. Die Kinder eroberten sich bei den diesjährigen Titelkämpfen des Landes Rheinland-Pfalz zwölf Medaillen und zwei Aufstiege in die höchste Klasse. BSB

Carina und Olga üben mit den Kindern das „Rück-Platz“ für den Jive ein.

Carina und Olga üben mit den Kindern das „Rück-Platz“ für den Jive ein.

Mit Herz und Seele für den Nachwuchs im Einsatz: (v. li.) Anja Strubel-Horch, Hans Wickert, Carina Berg und Olga Golmstock.Fotos: BSB

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