Ausstellung „Weinkulturlandschaft Ahrtal“ in der ehemaligen Synagoge in Ahrweiler
Die Region, der Weinbau und der Wein in Bilder
Ahrweiler. „Weinkulturlandschaft Ahrtal“, dies war der Titel der Kunstausstellung von Bernd Schreiner und Matthias Bertram in der ehemaligen Synagoge Ahrweiler. Doch nicht nur Bilder, Fotografien, Gemälde und Drucke wurden den zahlreichen Besuchern geboten, sondern auch Vorträge zu interessanten historischen und kulturhistorischen Ereignissen, die teilweise neben dem Weinbau auch einen engen Bezug zu den jüdischen Bürgern hatten, die im Leben der jüdischen Gemeinde Ahrweiler und beim Bau der Ahrweiler Synagoge eine wesentliche Rolle spielten.
Die Brüder Heymann und der Bau der Synagoge
Nach der gut besuchten Eröffnung der Veranstaltung, in die der Veranstalter Klaus Liewald einführte, folgte am zweiten Tag ein Vortrag über die Rolle der ehemaligen jüdischen Bürger Ahrweilers im Weinhandel und Weinbau des 19. und 20. Jahrhunderts. Anhand einer von ihm erstellten Collage stellte Matthias Bertram die Geschichte einiger Personen vor, die dabei eine wesentliche Rolle spielten. Herausragend war hier die Rolle, der aus Dernau stammenden Familie Heymann, deren Mitglieder sich von 1842 bis 1865 in Ahrweiler niederließen. So war die Rede von Samuel Heymann aus der Niederhutstraße 10, der, als Weinhändler tätig, sich dafür einsetzte, dass die jüdischen Bürger ihre Verstorbenen, statt abgelegen auf dem Berg am Weg zum „Altenwegshof“, auf einem neuen stadtnahen Friedhof beerdigen konnten. Samuel Heymann war es auch, der erste Schritte einleitete, in Ahrweiler eine eigene Synagoge zu errichten, um den Juden den weiten Weg in die Dernauer Synagoge zu ersparen. Samuels jüngerer Bruder Friedrich Wilhelm Heymann (Weinhändler in Niederhutstraße 70, später Nummer 60) setzte diese Pläne dann als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde ab 1891 mit Hilfe seines Bruder Joseph Heymann (Niederhutstraße 61, Manufaktur, Weinhandel und Salzhandel) und dem Bruder Leopold Heymann (Oberhutstraße 33, später 25) um. So konnte im Jahr 1894 die neue Synagoge eingeweiht werden auf einem ehemaligen Gartengrundstück des Leopold Heymanns.
Die Geheimnisse einer alten Handschrift
Ein weiterer Vortrag befasste sich mit den Geheimnissen einer alten Handschrift, die im Jahr 1827 für die junge Catharina Schmitt in Dernau erstellt wurde und nun aus Berlin an die Ahr zurückgekommen ist. Matthias Bertram erforschte den Weg dieses reich bebilderten und bemalten Gebetbuchs von Dernau nach Berlin und zurück ins Ahrtal. Wie es scheint, sind die Gemälde und die Beschriftung des Buchs erste Werke des jungen Dernauer Künstlers Johann Joseph Leyendecker, der wenige Jahre später nach Paris zog, um dort bei bekannten französischen Künstlern eine Weiterbildung zu absolvieren. Die Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse der Catharina Schmitt mit Familie Leyendecker und erste Vergleiche von Bildern und Handschriften scheinen dies zu bestätigen. Bertram wird sich dieses Themas weiter annehmen, um bald einen eindeutigen Beweis führen zu können.
Diese Vorträge in den Räumlichkeiten der Synagoge, parallel zum Ahrweiler Weinmarkt zogen Besucher an, die sich nicht nur, aber auch für die farbintensiven und stimmungsvollen Bildwerke von Bernd Schreiner und Matthias Bertram interessierten. Die beiden Aussteller hatten in den vergangenen Monaten eine Vielzahl von Bildern passend zum Thema der Ausstellung, mit einem Schwerpunkt auf der Region Ahrweiler, Walporzheim, erstellt und dabei darauf geachtet, dass auch das Kloster Kalvarienberg in vielen Werken wiederzufinden war.
„Steinreiche“ Fotos und farbenfrohe Gemälde
Große Aufmerksamkeit fand die neue Fotoserie „Stein-Reich“ von Bernd Schreiner, in der er den vielen abstrakten, meist in Erdfarben erscheinenden Mustern und Verfärbungen in den Grauwackesteinen der alten Weinbergsmauern nachging. Sicher werden diese Fotografien manchen Besucher des Ahrtals animieren, sich die Strukturen der jahrhundertealten Weinbergsmauern in Zukunft ein wenig intensiver anzusehen.
Schreiner, bekannt für seine stimmungsvollen Landschaftsfotografien des Ahrtals, zeigte etliche neue Werke: ein Blick vom Krausberg in das nebelverhangene Ahrtal, aus dem der Kalvarienberg gerade so durchscheint; schwere Wolkenfronten, die sich von der Grafschaft in das Marienthaler Hubachtal hinabwälzen, und weiße Schneelandschaften, in denen sich die Strukturen der schneebedeckten Weinstöcke und die Weinbergsmauern kontrastreich abheben.
Ein Schwerpunkt der Gemälde von Matthias Bertram waren seine neueren farbenfrohen Aquarelle, die die herbstlichen Weinbergsterrassen von Dernau. Walporzheim und Ahrweiler zeigten oder in winterlichen blau-weiß Tönen den Wanderweg entlang der Ahr von Walporzheim nach Ahrweiler mit Blick auf den Kalvarienberg. Großformatige Acrylbilder zeigten die Winzer in den Weinbergen bei der Bodenbearbeitung, beim Räuchern oder bei der Weinprobe im Keller.
Insgesamt eine gelungene und viel gelobte Gesamtveranstaltung, die auch von der neuen Ahrweinkönigin Irena Schmitz in Begleitung von Ina Josten und Oliver Kniel von Ahrwein e.V. besucht wurde. Der Veranstalter bat die beiden Aussteller abschließend spontan, mit einem ähnlichen Konzept zeitgleich zum Weinmarkt Pfingsten 2018 eine Ausstellung vorzubereiten.
