Caritasverband Rhein-Sieg findet kreative neue Wege in seiner Beratungstätigkeit
Die Türen sind zu, die Telefone offen
Rhein-Sieg-Kreis. „Die Türen sind zu, aber die Telefone sind offen“. Diese Botschaft hat das Team der Caritas-Suchtkrankenhilfe allen Klientinnen und Klienten seit dem 16. März mitgeteilt- per Anruf, versteht sich. „Die Akzeptanz ist erstaunlich hoch“, so Berater Benedict Wassong. „Es hilft, wenn man sich vorher schon einmal gesehen hatte, aber selbst ein Erstkontakt ist so gut möglich.“ „Es ist ein Findungsprozess“, berichtet der Sozialarbeiter, auch für sein eigenes Arbeiten Schließlich hat er diesen Beruf gerade deshalb gewählt, weil ihm der Kontakt zu anderen Menschen so wichtig ist. Aber dann stellte er fest: Diese Portion Anonymität, die das Gespräch am Hörer mit sich bringt, macht es den Anrufenden manchmal sogar noch leichter, sich zu öffnen. Und dazu erlebe er im Team – auch hier natürlich derzeit nur fernmündlich - eine Welle der Kreativität. „Wir überlegen gemeinsam, wie wir unsere Angebote jetzt neu, aber genauso Klienten-freundlich zuschneiden können. Da gibt es zum Beispiel die Nachsorgegruppen: „Wir begleiten Menschen, die aus der Langzeittherapie kommen und mehrere Monate in einer Klinikumgebung lebten bei ihrem Wiedereinstieg in den Alltag. „Die Freizeitgestaltung ist da ein grundlegender Baustein“, so Wassong. Deshalb sei es auch so wichtig, dass die Beratung nicht entfällt in dieser Zeit, in der der Alltag so anders und die Freizeitgestaltung beschnitten ist. Aus den Gruppenabenden wurden da zunächst einmal Einzelgespräche, aber das Team arbeitet auch an anderen Möglichkeiten: an immer wieder neuen Hausaufgaben für die Klienten, an Telefonkonferenzen oder einer freiwilligen Vernetzung der Klienten untereinander. „Die gegenseitige Unterstützung“, weiß der 32-jährige Berater, „ist eine gute Ressource.“ Auch die Caritas-Krebsberatung, weiß Teamleiterin Kirsten Liebmann, ist trotz Homeoffice und geschlossener Türen ausgelastet wie immer. „Die Ratsuchenden freuen sich im Gegenteil, wenn sie das Haus nicht verlassen müssen, denn ihr Immunsystem ist ja häufig ganz besonders geschwächt“. Da ist das intensive Gespräch am Hörer doch viel stressfreier. Das Team der Flüchtlings-, Migrations- sowie Ausreise- und Perspektivberatung dagegen würde schon ein wenig lieber den Klienten gegenübersitzen. Denn oft ist die Sprachbarriere groß, „die Verständigung mit Händen und Füßen ist nun einmal nicht möglich“, so Kirsten Liebmann. Doch Not macht erfinderisch, und so rufen viele Menschen gleich mit dem sprachkundigeren Freund zusammen an. Auch die Zuschaltung Dritter zwecks Übersetzung ist möglich. „Es ist einfach alles ein wenig schwerfälliger“, resümiert Flüchtlingsberater Daniel Frömbgen. „Etwa wenn ich Dokumente einsehen muss.“ Doch per Foto und Scan und dank der Möglichkeit zu mailen, findet sich auch für diese Fälle irgendwie ein Weg. Hinter Plexiglas und mit einem Nasen-Mundschutz versehen, wollen die Beratungsdienste nach einigen Wochen der äußersten Zurückhaltung Anfang Mai behutsam und mit strikter Terminvergabe beginnen, auch wieder die persönliche Begegnung zu ermöglichen. Auch hier gilt: Das Virus lehrt die Menschen, sich vorsichtig und kreativ an neue Wege heranzutasten.
Pressemitteilung des
Caritasverbands Rhein-Sieg e. V.
