Gartenkolumne Ulrich Junker
Die Woche im Garten
Die Jahresmitte ist vorüber, aber sie ist nicht dasselbe wie die Mitte des Gartenjahres, die wir jetzt langsam erreichen. Das ist nämlich die Zeit der größten Blütenfülle, und die liegt in diesem Jahr etwas später als sonst, sagen wir Ende Juli. Vieles ist schon verblüht, manches steht schon vor der zweiten Blüte, wie Rittersporn und auch ältere Rosen. Aber die großen Sonnenblumen, Sonnenhut und Sonnenbraut haben ihre Hauptzeit noch vor sich, ebenso die Dahlien, und unsere Lilien und Agaphantus gehen erst gerade auf. Die Löwenmäulchen sind von der ersten großen Blüte jetzt etwas erschöpft, und es hängt wohl vom Wetter ab, wann sie neue Blütentriebe bringen. Eine besondere Erwähnung verdient zu dieser Zeit der Sommerflieder, Inbegriff des Hochsommers, der zu seinen schönen Blüten auch noch einen besonders noblen Duft hat. Immer heißt es, ihn wegen Verkahlung nach dem Frost ganz tief herunter zu schneiden, er blüht dann am jungen Holz. Das ist auch richtig, aber wo das Herunterschneiden einmal unterblieben ist, ist es auch kein Unglück, er treibt dann eben oben weiter und hat die Blüten in drei bis vier Meter Höhe, die man allerdings nicht mehr beschnuppern kann. Und nun, wie alle Jahre, zum Sommerurlaub in den Schulferien: Für den Garten ideal ist er ja nicht, auch wenn es nicht allzu viel Arbeit gibt, aber ganz gewiss viel Gießen und man versäumt ja auch etwas. Wenn man Glück hat, kann man sich mit Nachbarn gegenseitig vertreten, und auf jeden Fall sollten die Regentonnen voll und der Gartenschlauch bereit gelegt sein. Der Handel bietet ja eine Vielfalt von automatischen Berieselern an, das meiste für den Hobbygärtner zu perfekt und auch zu teuer, aber eine Anlage ist doch praktisch und erschwinglich: Man stellt zum Beispiel seine Blumenkübel bis zu zehn Stück in eine Reihe, führt darüber einen Schlauch, in den man T-förmige Abzweige mit Düsen montiert hat, und am Wasserhahn zuerst eine Zeitschaltuhr. Es gibt stattdessen auch Computer mit Trockenheitsfühler, aber das ist doch überperfekt. Bei uns war es jetzt nötig, den Komposthaufen umzustechen, weil er einfach zu hoch wurde. Das ist eine echte Knochenarbeit, vielleicht die einzige im Garten, aber es war doch erfreulich, wie weit die Kompostierung mit der seit März aufgelaufenen Masse schon gediehen ist, auch ganz ohne eigens gekaufte Beschleuniger. Sympathisch und lehrreich wie immer war die dritte Runde der Offenen Gartenpforte, ein Kompliment hierfür. Das heutige Gemälde, im Rahmen der Serie „Gärten in der Malerei“, stammt aus der Schweiz und ist die zeitlose Idylle einer Blumenterrasse im Hochsommer.
Ulrich Junker