Spannende Geschichte(n) der Niederwerther St. Georgskirche Folge 14

Die Zisterzienserinnen und ihre Kunstwerke

Die Zisterzienserinnen und ihre Kunstwerke

Die St. Georgskirche von den Feldern aus. Foto: privat

24.08.2020 - 15:10

Niederwerth. Vor 440 Jahren, also im Jahr 1580, kamen Zisterzienserinnen als dritte klösterliche Gemeinschaft auf die Rheininsel Niederwerth, um dort zu beten und zu arbeiten; zuvor hatten schon einmal fromme Frauen als Klausnerinnen auf der Insel an gleicher Stelle gelebt, deren Niederlassung 1275 erstmals urkundlich erwähnt wurde und die 1429 zugunsten einer Niederlassung der Augustiner Chorherren ins benachbarte Kloster Besselich versetzt wurden. Die Ordensgemeinschaft der Zisterzienser wurde 1098 vom Benediktinerabt Robert von Molesme in Citeaux/Burgund als Reformorden gegründet; sie wollten die Klosterregel des Heiligen Benedikt wieder strikt auslegen und die Aufgaben „ora et labora – bete und arbeite“verstärkt in den Mittelpunkt stellen. Handwerk, Landwirtschaft und Handarbeit waren neben dem Gebet wichtige Aufgaben der Ordensleute. Klöster sollten an entlegenen Orten, meist in Tälern gegründet werden und Kirchen des Ordens sollten nicht prunkvoll ausgestattet sein. Mit der Gründung des Klosters in Citeaux und vielen weiteren Tochtergründungen, so in unserer Gegend z.B. in Himmerod (1138), St. Thomas an der Kyll (1171) oder Marienstatt (1212/1215) sowie der Gründung von Frauenkonventen ab 1113 entstand ein europaweites Klostersystem, dass auch wirtschaftlich sehr erfolgreich war. Die Geschichte, wie ein Zisterzienserinnenkloster auf die Rheininsel kam, ist jedoch insofern bemerkenswert, da es sich nicht um eine Klostergründung handelte, die an diesem eher abseits gelegenen Ort sogar in guter zisterziensischer Tradition gestanden hätte, sondern um eine nicht ganz freiwillige Umsiedelung: Benigna von Helfenstein, Spross der einflussreichen Koblenzer Helfenstein-Familie, die bereits einer 1242 erstmals erwähnten Klause vorstand, stiftete 1244 das Marienkloster „in der Leer“, das in Koblenz an der Stelle des Jesuitenkollegs, das heute als Rathaus genutzt wird, stand und das dem Zisterzienserkloster Himmerod unterstellt wurde und deren Nonnen in einer Urkunde von 1259 erstmals auch als Zisterzienserinnen bezeichnet werden. 338 Jahre hat das Kloster an dieser Stelle bestanden, bis Erzbischof Jakob III. von Eltz die Nonnen unvermittelt nach Niederwerth in das Kloster der Augustiner Chorherren versetzte, das zu dieser Zeit nur noch von den zwei Ordensleuten Prior Augustin Glesch und Stiftsherr Johannes Heimersheim belegt war, die am 29. Juli 1580 nach Eberhardsklausen versetzt wurden. An der alten Stelle des Zisterzienserinnenklosters im Herzen von Koblenz sollte im Zuge der Gegenreformation eine Niederlassung der Jesuiten entstehen, die dafür sorgen sollten, dass Koblenz „katholisch bliebe“. Die 18. Äbtissin des Klosters „in der Leer“ Gutta Bolen von Mertloch und ihre Nonnen wehrten sich aber gegen diese Versetzung, da sie in der Einsamkeit der Insel Übergriffe befürchteten und dort Krieg, Unwetter, Eisgang und Hochwasser schutzlos ausgeliefert waren. Unter Androhung der Exkommunikation durch den Erzbischof in einer Anordnung vom 2. September 1580 und unter Billigung des Papstes Gregor XIII., der der Übersiedelung der Nonnen und der Ansiedelung der Jesuiten in einer Urkunde vom 4. Mai 1580 bereits zugestimmt hatte, ergaben sich die Nonnen tragisch ihrem Schicksal, nachdem eine Kommission die Bedenken der Nonnen gehört hatte. Der „Rheinische Antiquarius“ (Abt. I Bd. 1, S. 419-420) des Koblenzer Historikers Johann Christian von Stramberg von 1851 berichtet von diesen dramatischen Stunden: „Anfänglich als die Herren Commissarii um 8 Uhren des Morgens in das Gotteshaus seynd kommen, haben Abtissin und Convent sie ehrlich empfangen; danach seynd sie sämtlich in die Conventsstub gangen. Als nun der Herr Official Homburg seine Commission und Befelch anfieng zu thun, ist eine aus den geistlichen Jufferen in die große Krankheit (Krämpfe) gefallen, die Abtissin aber ist aufgestanden, thäte einen erbärmlichen Kreisch, und mit weinenden Augen, Herzen und Gemüth, mit zusammengeschlagenen Händen in die Luft also ausruffen: „Ach, Wehe und Wehe!“ Und als sie aus der Stub wollt gehen, ist sie in Ohnmacht gefallen. Als nun der Convent dieser beiden Juffern Jammer gesehen, seynd sie sämbtlich zugefallen, und haben die zwey beinahe tödtlich mit hohem Weinen und Heulen aus der Stub getragen." Von diesem Schock erholte sich die Äbtissin Gutta Bolen von Mertloch, die schon vorher kundgetan hatte, dass sie in Koblenz begraben werden wolle, nicht mehr und verstarb aus Gram noch vor der Übersiedelung am 22. September 1580 und wurde vier Tage später in der Klosterkirche „in der Leer“ beigesetzt. Noch am gleichen Tag siedelten die sieben Nonnen, vier Laienschwestern und zwei Novizinnen per Schiff nach Niederwerth über.

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juergen mueller:
Warum immer so kompliziert - 30 Grad Differenz - wen interessiert`s. Steingärten sind optisch monoton und ökologisch = 0. Die NACHTEILE - Teuer in Anschaffung und Pflege, Insekten,Vögel u.andere Gartentiere finden weder Nahrung noch Lebensraum, Schnell unansehnlich durch Algen und Pflanzenaufwuchs, Regelmäßiges Reinigen nötig - Einsatz von Laubbläsern, Hochdruckreiniger kostet Energie und schädigt Kleinlebewesen, Einsatz von Pestiziden tötet Lebewesen, Schotter heizt sich im Sommer auf, Feinstaub wird nicht gefiltert, Staubbelastung steigt, Lärm wird verstärkt, Boden wird verdichtet u.zerstört, später aufwendige Renaturierung nötig, Wasser kann gar nicht oder nur schwer versickern. Das muss reichen, um dagegen zu sein, oder?
juergen mueller:
Was für Träumereien - ein Neubau, etwas was der ein oder andere in diesem Leben eh nicht mehr erleben wird, Hauptsache,darüber geredet - wie lange schon?. Und die Frage ist - WOFÜR? Vor Jahrzehnten ABENDSPORTFEST ... ade FUSSBALL ... ade Also - WOFÜR eine neue Tribüne, Herr NAUMANN?
juergen mueller:
Seit wann setzen vor allem CDU und SPD auf Transparenz?Dieses Wort gibt es nicht in deren Wortschatz.Die leben ihre undurchsichtige Politik nach wie vor nach dem Motto aus:"Bürger*innen dürfen zwar alles essen, aber nicht alles wissen".Politik lässt sich nicht in die Karten schauen.Da wird vertuscht,getäuscht,gelogen und verarscht und das auf einem sprachlichen und gestikreichen absolut unterem Niveau - man schaue sich auf FACEBOOK den Senf der SPD-Fraktion einmal näher an.Ein Herr Biebricher/CDU zerreißt sich das Maul immer nur dann,wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist - inhaltlos,verständnislos,absolut desorientiert,uninformiert,selbstgefällig,von seiner eigenen unwichtigen Wichtigkeit überzeugt,das Bild eines Möchtegern-Politikers,der seine Abwahl als Landtagsabgeordneter immer noch nicht verkraftet hat,weil ihm vom Wähler aufgezeigt wurde,dass es dafür dann doch nicht reicht - die SPD mit eingeschlossen. BÜRGERBETEILIGUNG - BÜRGERNÄHE = eine verlogene POLITIK.
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