Ausstellung in der Dagernova Weinmanufaktur
Die ersten beurkundeten Ahrtaler kamen aus Dernau
Spektakuläre Funde eröffnen einen faszinierenden Blick auf die Zeit vor fast 2.000 Jahren
Dernau. Die meisten Menschen verbinden Dernau in erster Linie mit seiner langen Weinbaugeschichte. Doch auch in Sachen früher Besiedelung kann das Weinkulturdorf auf eine lange und bewegte Historie zurückblicken. Wo sich heute Einwohner und zahlreiche Gäste gleichermaßen wohlfühlen, haben auch die Römer schon gerne gelebt. Hiervon legen vor allem entsprechende archäologische Funde ein beeindruckendes Zeugnis ab. Dank Matthias Bertram aus Ahrweiler, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Vergangenheit seines Heimatortes Dernau beschäftigt, konnte jetzt in den Räumlichkeiten der Dagernova Weinmanufaktur eine Ausstellung über das römische Dernau eröffnet werden, in der zum Teil spektakuläre Funde zu sehen sind - und die gab es hier immer wieder!
Grabbeigaben tauchten bei Neubau auf
1868/1869 wurde ein altes Portal mit Umgebungsmauer beim Abriss des alten Kirchturms freigelegt, gut elf Jahre später folgte der Fund einer römischen Wasserleitung im Keller des heutigen Hauses in der Bachstraße 57. Die Reste eines Gutshofes mit Badetrakt und Hypokausten-Anlage entdeckte man 1885 beim Bau eines Kellers im Bereich der heutigen Dagernova-Eventhalle, ein neuer Weinkeller am Winzerverein förderte 1935 eine weitere Wasserleitung zutage. Grabbeigaben waren 1957 beim Neubau des Hauses Wingertstraße 37 zu verzeichnen und 1970/1971 wurden schließlich Heißluftkanäle der Villa Rustica beim Kegelbahnbau der Gutsschenke Näkel und beim Abriss des Winzerverein-Saales gefunden. Zwar konzentrierten sich die Funde überwiegend auf den Bereich in den Ortslagen „Plänzert“, „Ortes“ sowie entlang der heutigen Kirchgasse und der Wingertstraße hinter dem Dorf am Nordhang des Tales, doch auch in anderen Bereichen tauchten römische Funde auf.
Julius Peregrinus und Primia
Und die sind teilweise alles andere als alltäglich und in der Ausstellung zu sehen, wie beispielsweise ein römischer Tonteller und ein Sigilatabecher aus Grabbeigaben (50-100 nach Christus), eine Bodenplatte mit Pfotenabdruck, gemuffte Tonröhren und eine römische Soldatenfigur aus Bronze, die wohl als Öllämpchen genutzt wurde. Noch beachtlicher sind die Bruchstücke von Inschriftsteinen ehemaliger Grabmonumente. Diese gehörten zu „C. Julius Peregrinus“ und „Primia“, der Ehefrau des „Camul“ und stammen wohl aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Diese Personen sind somit bislang nicht nur die ersten beurkundeten Personen Dernaus, sondern des gesamten Ahrkreises. Erst mehr als 1.000 Jahre später waren wieder Namen von Dernauer Bürgern in Dokumenten zu lesen. Dass sie Landwirtschaft - möglicherweise Weinbau - sowie eine Eisenschmelze betrieben, wird durch entsprechende Beifunde und Ortslagennamen nahegelegt. Wissenschaftlich belegt ist der römische Weinbau für Dernau indes noch nicht.
Dank an private Leihgeber
Dass die überaus sehenswerten Artefakte der Öffentlichkeit präsentiert werden können, ist vor allem privaten Leihgebern zu verdanken, in deren Besitz sich die Ausstellungsstücke größtenteils befinden. Die Dauerausstellung, „Römische Funde im Weinkulturdorf Dernau“, deren Erweiterung geplant ist, ist zu den üblichen Öffnungszeiten der Dagernova Vinothek (Ahrweg 7, Dernau) bei freiem Eintritt zu besichtigen. Darüber hinaus werden dort auch historische Gerätschaften aus dem Weinbau und der Weinkelterei ausgestellt.
