Allgemeine Berichte | 19.10.2023, 10:47 Uhr

Kolumne 56

Dorfgeschichte – Post (2)

Foto: Klaus Peter Scholz
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Odendorf/Essig. Die Einrichtung der ersten Odendorfer Postagentur konnte bisher nicht genau ermittelt werden. Sie kann jedoch mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Bonn-Euskirchen 1880 in Zusammenhang stehen, denn nach der Fertigstellung der Strecke benutzte die Post sie von Anfang an zur Beförderung ihrer Sendungen, je viermal in ankommender und in abgehender Richtung.

1880 erhielt Odendorf auch die erste Fernsprechstelle im Verbund mit der Postexpedition Kuchenheim, die 1877 eine Telegrafen-(Morse-)Stelle und 1878 die damals modernste Einrichtung der Post, eine Fernsprechstelle, erhalten hatte. Für 1892 ist ein Reichspoststempel Odendorf nachgewiesen, der eine „Agentur“ voraussetzt.

In einer Postzustellungsurkunde von 1903 ist (Hermann) Metzmacher „...in meiner Eigenschaft als Postbote zu Odendorf ...“ genannt. 1894 wird sein Bruder Peter Josef Metzmacher in Kuchenheim für den Postdienst eingestellt. Der Enkel gleichen Vornamens, Hermann Metzmacher aus Odendorf, berichtet über seinen 1870 geborenen Großvater Hermann Metzmacher, dass er 1902 von Köln, wo er in der Postlehre gewesen sei, nach Odendorf gekommen sei und als Postillion oder Postbote bis 1920 in einem einspännigen „Cariol-Postwagen“ mit Kutschbock die Post und teilweise Personen mehrmals am Tag von Odendorf über Essig – (Dom-) Esch - Ollheim - Miel – Ludendorf befördert habe.

Frau Margarethe Schmitz aus Odendorf erinnert sich, dass sie als Kind um 1910/14 nach der Schule die Post im Zehnthaus in einem Raum links neben der Haustür zur Straße abgeholt habe und dass dort auch der Telegrafenapparat gewesen sei. Zu dieser Zeit führte bereits Maria Sturm (geboren 1888, gestorben 1932) die Postagentur von Odendorf im Hause der Eltern Wilhelm Hubert und Anna Christina Sturm. Wilhelm Hubert Sturm hatte das Zehnthaus um 1879 erworben, es umgebaut und dabei das Haus mit der Tür zur Straße hin geöffnet. Er war vor und nach 1900 auch Ortsvorsteher in Odendorf und soll die Postagentur in seinem Wohnhaus, dem Zehnthaus, eingerichtet haben.

Schon vor 1932 half Margarete Hoven, die in Euskirchen bei der Post gelernt hatte, auf der Poststelle Odendorf im Zehnthaus aus. Sie übernahm dann auch nach ihrer Hochzeit im Jahr 1928 mit Johannes Hoven die Postagentur und führte sie in der gemeinsam betriebenen „Gemischtwarenhandlung und Drogenschrank“ in der heutigen Flamersheimer Straße 36 bis über den Zweiten Weltkrieg hinaus. Als Johannes Hoven aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, gaben sie die Postagentur an die Familie Engels ab, die sie dann lange in dem früheren Haus Arentz in der Burgstraße, heute das Fachwerkhaus Orbachstraße 23, führte. Später wurde die Post zunächst in die Odinstraße verlegt, dann in der Frankenstraße noch einmal neu eingerichtet, bevor sie nach einer Zeit im fahrbaren Postwagen im sogenannten alten „Kloster/ Krankenhaus/Altenheim“ in der Orbachstraße 9 ein letztes Mal als selbständige Poststelle bestand.

Seit 1998 wird die Postagentur in der Flamersheim Straße 12 geführt, zunächst im linken Hausteil (Schreibwarengeschäft Lexa) und ab 2005 im rechten Hausteil in der Raumausstattung Aussem.

Sammlung Zehnthaus

www.verein-zehnthaus.de

Foto: Klaus Peter Scholz

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