Förderverein Kultur im A.K.T. e.V.
Dr. Mathias Jung berührte seine Zuhörer
Montabaur.Dr. phil. Mathias Jung gab unter dem Titel „Mein Charakter - mein Schicksal?“, Antworten auf diese wichtige Frage des Lebens. Der montabäurer Förderverein Kultur im A.K.T. e.V. setzte mit diesem 3. Vortrag nach der Pandemie-Pause seine bekannte Vortragsreihe ‚Philosophie und Lebenskunst‘ fort. Die gute Botschaft vorweg: „wir können selbst Herr oder Herrin unsers Schicksals werden!“
In ihren Eröffnungsworten berichtete Heike Schönborn als Veranstalterin des Fördervereins Kultur im A.K.T. e.V. von den Anfängen der Vortragsreihe in den 90ziger Jahren, als sie die großen Tabuthemen der Zeit aufgriffen, um psychiatrische und psychosomatische Themen durch WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen für alle Menschen zu enttabuisieren und zugänglich zu machen. Damals wie heute sei es wichtig Gefühle wie Angst und Ohnmacht in Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit zu wandeln, so Schönborn. Gerade in Anbetracht der großen Themen unserer Zeit, wie, die Corona Pandemie, Ökologie, ökonomische Ungleichheit, Flüchtlingsströme und die direkten Auswirkungen des Klimawandels, die alle im Ahrtal erleben mussten, sei es besonders wichtig sich nicht von der Angst lähmen zu lassen und aktiv die Gesellschaft und Zukunft mitzugestalten. Heike Schönborn berichtete von den gemeinsamen Erfahrungen, die sie zusammen mit den Councilfrauen, einer Gruppe des Atelier Kunst und Therapie, im Flutgebiet an der Ahr sammelte. Die unglaublichen Zerstörungen an Infrastruktur, an Gebäuden, an der Natur und vor allem an und in den Überlebenden vor Ort erschütterten und motivierten die Frauen gleichermaßen langfristig in Form von Patenschaften zu helfen. Den großen Themen wird sich der Förderverein Kultur im A.K.T. e.V. mit einer neuen Vortragsreihe auch im kommenden Jahr widmen. Der bekannte Psychotherapeut und Philosoph nahm, in seiner gewohnt charmanten Art sein Publikum gekonnt mit auf eine kurzweilige Reise durch die Charakterologien und Temperamentenlehren verschiedener Epochen der Philosophie und Psychologie. Letztendlich seien es die Überlebensstrategien des Kindes, aus denen sich die Grundformen der Charaktere wie Schizoide-, Zwanghafte-, Depressive- und Choleriker, bilden, so Dr. Jung. Seine Beispiele waren aus dem prallen Leben gegriffen, saftig und ungeschminkt, so wie sich das Leben selbst nun einmal gibt. Theoretische Überfliegerei befürchtet man bei Dr. Jung zu Unrecht, auch wenn er als Autor von über 80 Büchern seinen wissenschaftlichen Kompetenzen über alle Zweifel hinweg unter Beweis gestellt hat. Jung ermunterte sein Publikum zur Eigeninitiative: Charakter sei nur teilweise vorweg bestimmt, durch Gene und durch familiäre oder frühkindliche Prägungen, zum großen Teil öffne sich der Charakter dem eigenen Selbst zur Formung durch gerade dass, worauf man sich im täglichen Leben im wesentlichen beziehen. Man prägt sich quasi selbst, schreibt die Blaupause des Charakters laufend selbst neu, nicht einfach ausgeliefert der eigenen Herkunft, sondern darf, ja soll sich durch seine eigenen Träume und Visionen leiten lassen, besser gesagt: selbst leiten. Wie Jede und Jeder seines und ihres Glückes Schmied sei, so läge es also auch in der eigenen Hand, den Charakter selbst aktiv zu formen, zu bilden und weiter zu entwickeln. Krisen seien dabei, so berichtet er aus seiner therapeutischen Erfahrung heraus, oft Katalysator und Beschleuniger der Charakterentwicklung. Wichtig jedoch, so Jung: „wie gehe ich mit einer Krise um und wie bewusst arbeite ich diese auf.“
Gerade diese sehr persönliche und verbindliche Art seines Auftretens sichern dem Autor in seinen Vorträgen in Montabaur seit Jahren ein begeistertes Publikum. So war es kein Wunder, dass er nach der langen Lockdown-Phase nun wieder vor einem – nach Corona-Bedingungen –voll besetzten Stadthalle sprechen konnte. Weitere Informationen und Termine unter www.atelierkunstundtherapie.de.
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