Allgemeine Berichte | 06.03.2016, 15:30 Uhr

Vierter Begegnungsnachmittag des Flüchtlingsnetzwerkes der VG Altenahr war ein großer Erfolg

Durch Begegnung Vorurteile abbauen

Sie kannten sich schon vorher: junge Männer aus Pakistan und von der Ahr.privat
21

Mayschoß. Schlüsselblumen, Tischdecken in zarten Frühlingsfarben, feinste Torten: Die Mitglieder des Pfarrgemeinderates von Mayschoß waren liebevolle und umsichtige Gastgeber beim vierten Begegnungsnachmittag des Flüchtlingsnetzwerkes in der Verbandsgemeinde Altenahr. Der Andrang im Bürgerhaus war so groß, dass nicht alle Platz fanden. Weil auch das Wetter freundlich war, bildeten sich draußen an den schnell aufgebauten Tischen Grüppchen, die diskutierten, neue Aktionen planten, die Sonne genossen. Die Flüchtlingskinder hatten einen ganzen Raum für sich. Da bastelten sie Filzblüten mit Messdienerinnen und engagierten Frauen, und auch die anderen Spielangebote wurden gut angenommen. Diese Kinder tobten nicht ausgelassen herum. Manches kleine Gesicht war viel zu ernst. „Wir wollen mit diesen Begegnungsnachmittagen, die an wechselnden Orten stattfinden, Neugierde wecken, Vorurteile abbauen und Patenschaften fördern“, sagte Brigitte Weber vom Flüchtlingsnetzwerk. Guido Cramer, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, war beeindruckt: „Das ist einfach nur schön, Junge und Alte, Menschen aus unterschiedlichen Nationen, die sich kennenlernen. So kann Integration anfangen.“ Besonders erfreut war der Pfarrgemeinderat darüber, dass Nachbarn und ortsansässige Unternehmen gerne bereit waren, sich fest zu engagieren. So wurden Kuchen gebacken und Sachspenden zur Verfügung gestellt. Hier und da waren auch Stimmen zu hören, die sich kritisch mit der Flüchtlingspolitik auseinandersetzten. Aber immer wieder fragte jemand nach, wie er den Menschen, die an der Ahr Schutz suchen, helfen kann. Ein junges Mädchen aus Syrien war einfach nur froh, einmal unter Menschen zu kommen: „Wir sind oft einsam.“ Jutta Pührling vom Netzwerk weiß, dass der Vater des Mädchens in Syrien auf der Seite der Kurden kämpft. Seine Frau und seine Kinder haben Angst um ihn.

Jutta Pührling kümmert sich um die Familie, die aus einem Ort nahe Aleppo stammt, der völlig zerbombt worden sei. Sie begleitet die Mutter zum Arzt und übt mit ihr Deutsch, sie war dabei, als der Jüngste eingeschult wurde.

Sie ist eine von vielen, die sich im Netzwerk engagieren.

Die Ehrenamtlichen schleppen bis an die Grenzen ihrer Kräfte Möbel, um den Flüchtlingen Wohnungen einzurichten, laden Frauen zu Kochabenden ein, bringen jungen Männern aus Syrien und Pakistan die deutsche Sprache nahe. Sie freuen sich über jeden, der sich ihnen anschließt.

Sehr zufrieden mit dem Nachmittag war auch Bürgermeister Hans-Ulrich Jonas. Er hat sich mit einigen Syrern unterhalten. „Ich war sehr überrascht, wie gut sie schon Deutsch sprechen.“

Und Weinkönigin Elena Metzinger, die mit ihren Weinprinzessinnen Nina Schall und Shameena Zedler nach einer wohlformulierten Ansprache die ganze Zeit Traubensaft eingeschenkt hatte, war längst ins Gespräch mit einer vorher noch Fremden vertieft. Anfangs hat sie gesagt: „Ich hatte keine Ahnung, dass schon so viele Flüchtlinge hier leben. Man kriegt davon zu wenig mit.“ Eine 80-jährige Dame berichtet, ihr Mann und dessen Familie seien nach dem Krieg aus Danzig nach Bad Neuenahr gekommen. „Die waren auch Flüchtlinge, man hat sie das spüren lassen. Mein Mann hat als Kind sehr darunter gelitten“. Anette Kalt, Hausfrau und Winzerin, kam dann von „einer Art Boule-Spiel“ mit Kindern und Männern zurück an den Kaffeetisch. Sie ist überzeugt: „Nur persönliche Erfahrung nimmt uns die Unsicherheit.“

Nächster Termin am 20. März

Die nächste Gelegenheit bietet sich beim Begegnungsnachmittag am 20. März, 15 Uhr im Naturfreundehaus Berg. Kontakt: Flüchtlingsnetzwerk Altenahr: Gregor Doege, Tel. (01 52) 28 69 43 23, gregor.doege@bistum-trier.de. Team Haben und Geben (Wohnungseinrichtungen, Verwaltung von Sachspenden): Beatrix Jakobs, Tel. (0 26 43) 9 03 55 54, oder Stephanie Mischo, Tel. (01 51) 42 36 13 53, habenundgeben-altenahr@gmx.de. Gruppe Sprachförderung: Ulrike Walden, Tel. (0 26 43) 90 47 11, ulrikeregina@web.de.

Waren völlig überrascht von dem Andrang: Weinkönigin Elena Metzinger mit den Weinprinzessinnen Nina Schall (l.) und Shameena Zedler.

Waren völlig überrascht von dem Andrang: Weinkönigin Elena Metzinger mit den Weinprinzessinnen Nina Schall (l.) und Shameena Zedler.

Sie kannten sich schon vorher: junge Männer aus Pakistan und von der Ahr.Fotos: privat

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Hans-Werner Adams (rechts) verabschiedete vor dem Plenum des Stadtrates Förster Stephan Braun in den Ruhestand.
0

Er war aus dem Sinziger Stadtwald nicht wegzudenken, Revierleiter Stephan Braun vom Forstamt Ahrweiler. Jetzt wurde der engagierte Förster nach 39 Dienstjahren im Stadtrat offiziell in den Ruhestand verabschiedet. In seiner Laudatio würdigte Hans-Werner Adams, der als erster Beigeordneter Bürgermeister Andreas Geron vertrat die Meriten des Forstmannes. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Der Kalender zeigt historische Motive aus Montabaur – darunter das erste Fußballteam des TuS Montabaur, die Heuernte im Gelbachtal und den Großen Markt im Jahr 1950.
1

Die Stadt Montabaur hat gemeinsam mit der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft (DUG) einen Kalender mit historischen Stadtansichten veröffentlicht, dessen Erlös einem Ferienprogramm für Kinder aus der ukrainischen Stadt Trostyanets zugutekommt. Der Kalender, der für neun Euro erhältlich ist, wird in der Tourist-Info, der Stadtbibliothek und im Stadtarchiv verkauft. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Wein und Gebärdensprache: Ein erfolgreiches inklusives Konzept.
0

Kürzlich fand im Weingut Matthias Müller in Spay eine besondere Weinprobe statt, die speziell für Menschen mit Hörbeeinträchtigung konzipiert war. Diese Veranstaltung markierte die dritte Weinprobe in Deutscher Gebärdensprache und zog 42 interessierte Gäste an, die von der einzigartigen Kombination aus Genuss, Begegnung und Inklusion begeistert waren. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Dauerauftrag 2026
Kokubu - 14.01.27
Martinsmarkt Adendorf
Steampunk-Abendmarkt "Zeitreise im Lichterglanz“
Herbstaktion KW 45
Titel-Anzeige
Media-Auftrag 2026/27 Job Nr. 45-11-26-17
Stellenanzeige Kita Leitung / Erzieher / päd. Fachkräfte
Weitere Artikel
In Brogsitters Gasthaus Sanct Peter wurden die besten Ahrweine des Jahres 2026 ausgezeichnet.
1881

Siegerweine zeigen die außergewöhnliche Klasse an der Ahr

Ahrweine des Jahres 2026 ausgezeichnet

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zum 16. Mal zeichnete der Weinpreis „Ahrwein des Jahres“ die besten Weine des Anbaugebiets Ahr aus. Insgesamt 97 Weine wurden in diesem Jahr in sechs Kategorien bewertet. Die Preisverleihung fand in Brogsitters Gasthaus St. Peter in Walporzheim statt, wo Winzerinnen, Winzer und Weinfachleute zusammenkamen, um die Siegerweine zu würdigen.

Von Barbara Knieps aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Weiterlesen

50 ehrenamtlichen Ordnern
577

Koblenz. Angeführt von Alexandra Susenburger und ihrem Hengst Cartujano zogen erneut rund 2.000 Teilnehmende vom Münzplatz durch die Straßen und Gassen der Koblenzer Altstadt zum Deutschen Eck. Musikalisch unterstützt wurde der Zug durch die Musikvereine von Löf und Rhens und dem Posaunenchor des Evangelischen Gemeindeverbandes.

Von "Unsere Altstadt" aus Koblenz

Weiterlesen