evm Verkehrs GmbH wertet Ergebnisse aus und erarbeitet ein Konzept
E-Bus in Koblenz getestet
Koblenz. Premiere in Koblenz: Erstmals bahnte sich ein elektrisch angetriebener Linienbus seinen Weg durch die Stadt am Deutschen Eck. Er zog sofort neugierige Blicke vieler Koblenzer auf sich, war er doch nahezu geräuschlos auf den stark befahrenen Straßen unterwegs. Und weil der in den Farben blau, grün und weiß lackierte Bus den gut lesbaren Aufdruck „city bus electric 100%“ trug, war sofort klar: „Das muss der E-Bus-Test der evm sein.“
Genau so war es: Die evm Verkehrs GmbH testete in den vergangenen Tagen einen Bus der Firma Solaris, der vollständig elektrisch und damit ohne Abgasemissionen fährt. Mit Spannung hatten die Experten der Verkehrsgesellschaft das Eintreffen des Fahrzeuges erwartet und waren entsprechend neugierig, wie sich der Solaris New Urbino 12 Electric wohl im intensiven Praxistest schlagen würde.
Der erste, der sich hinter das Lenkrad des zwölf Meter langen Busses setzen durfte, war Stefan Wecker, Leiter der Verkehrstechnik der evm Verkehrs GmbH. Für ihn war es natürlich etwas ungewohnt, nicht einen Motor starten zu müssen, um das Gefährt in Gang zu setzen. Stattdessen legt man quasi einen Schalter um, der die Elektrik startet. Ein Tritt auf das Gaspedal genügt, und schon setzt sich der E-Bus in Bewegung – und das ziemlich geräuschlos.
Vollauslastung unter realistischen Bedingungen getestet
„Ich habe zuerst sehr vorsichtig das Gaspedal gedrückt, um ein Gefühl für den Bus zu bekommen“, berichtet Stefan Wecker, der gleich feststellte, wie gut der Bus von der Stelle kommt. Die beiden eingebauten Elektromotoren mit jeweils 110 kW Leistung sind so leistungsfähig, dass das Solaris-Fahrzeug locker mit jedem Dieselbus mithalten kann – auch wenn es voll besetzt ist und dann knapp 19.000 Kilo auf die Waage bringt. Um genau das – die Vollauslastung – unter realistischen Bedingungen testen zu können, hatte die evm Verkehrs GmbH den Fahrgastraum gleichmäßig mit Sandsäcken beladen lassen. Und noch einen Härtetest hatte der E-Bus zu bewältigen: Hansjörg Kunz, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft, schickte ihn ganz bewusst auf den Weg der Linie 12. Diese verfügt im Koblenzer Stadtgebiet auf das anspruchvollste Höhenprofil: Über die Straßen Am Löwentor musste sich der Elektrobus hoch auf die Karthause kämpfen. Wobei er diesen Test spielend bestand, wie Stefan Wecker sichtlich beeindruckt berichtet: „Diese Steigung ist für den Solaris überhaupt kein Problem, wie sich gezeigt hat.“ Dies galt im Übrigen auch für den Erdgas-Bus, den die evm Verkehrs GmbH vor einiger Zeit bereits unter identischen Bedingungen getestet hatte.
Ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob ein E-Bus auch in der Praxis linientauglich ist, ist die Reichweite: Wie lange kann er unterwegs sein, ohne zwischendurch geladen zu werden? Auch das interessierte die Experten der evm-Verkehrs GmbH. Der getestete Solaris verfügt über Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien mit einer Speicherkapazität von 200 kWh. „Die Linie 12 kann der getestete Bus nach den vorläufigen Ergebnissen auf einer Schicht nicht komplett mit einer Akkuladung durchfahren“, berichtet Hansjörg Kunz. Das hängt vor allem mit dem Höhenprofil zusammen, das mit anderen Linien im Stadtgebiet nicht vergleichbar ist. Daher ist die evm-Verkehrs GmbH aktuell auch dabei, alle Linien exakt auf diese Parameter hin zu analysieren: Welchen Höhenprofil liegt vor? Wie oft muss der Bus bremsen und wieder starten? Wie viele Haltestellen sind zu bedienen? Sind im Streckenverlauf Flächen vorhanden, die sich für die Installation von Ladeinfrastruktur eignen? Wie ist die Auslastung zu welchen Zeiten? All dies spielt Hansjörg Kunz zufolge eine Rolle, um eine seriöse Aussage zur E-Bus-Tauglichkeit zu treffen.
Kunz ist daher froh, dass es in diesem Zusammenhang wissenschaftliche Unterstützung gibt. Julia Zimmermann, Studentin des Fachbereichs Bauwesen an der Hochschule Koblenz, erstellt derzeit unter Professor Dr. John Schoonbrood eine Bachelorarbeit, die die Elektrifizierung des Koblenzer Linienbusnetzes zum Inhalt hat. Sie wird dabei auch untersuchen, welcher E-Bus-Typ sich für welche Linie eignet. Neben der Lösung mit einem großen, leistungsstarten Akku, der über Nacht geladen wird, gibt es auch kleinere Lösungen mit Batterien, die an einer Haltestelle für sechs Minuten geladen werden können, damit der Bus seine Fahrt fortsetzen kann. Dies setzt entsprechende Schnelllademöglichkeiten voraus.
Erkenntnisse werden in Konzept einfließen
Die Erkenntnisse, die diese Arbeit liefert, werden in das Konzept einfließen, das die evm Verkehrs GmbH erarbeitet. Dabei geht es nicht nur um eine mögliche Elektrifizierung des Busverkehrs. Auch der Einsatz von umweltschonenden Erdgasbussen wird dabei ins Auge gefasst. Über allem schwebt dabei das Ziel, den Nahverkehr in Koblenz auf die Zukunft auszurichten und Schadstoffemissionen möglichst auf null zurückzufahren. Bis der erste E-Bus im Koblenzer Linienverkehr fahren kann, wird daher noch einige Zeit ins Land gehen. „Dazu muss man auch wissen, dass die Lieferzeiten aktuell bei mindestens einem Jahr liegen. Und zudem müssen wir solche Aufträge europaweit ausschreiben, was ebenfalls seine Zeit beansprucht“, berichtet Marcelo Peerenboom, Pressesprecher der evm-Gruppe. Da bei der Verbesserung der Luftqualität in Koblenz keine Zeit zu verlieren ist, nimmt die evm-Gruppe bekanntlich derzeit rund eine Million Euro in die Hand, um die Dieselbusse mit modernster Filtertechnik auszustatten. So werden nahezu alle Linienbusse der evm-Gruppe in wenigen Monaten den strengen Euro-6-Standard erfüllen und mit minimalstem NOx-Ausstoß und fast feinstaubfrei unterwegs sein. „Da die Busse unterschiedlich alt sind und jedes Jahr alte gegen neue Busse ausgetauscht werden, ist die Neubeschaffung von Bussen ein Dauerthema, sodass sich hier auch die Frage alternativer Antriebsmodelle stellt“, erläutert Marcelo Peerenboom.
evm-Pressemitteilung
Stefan Wecker, Leiter der Verkehrstechnik, hat den Elektrobus ausgiebig getestet. Fotos: evm/Ditscher
