Teilnehmer am Adenauer Geschichtsprojekt informierten sich
Ehemalige Synagoge Niederzissen besucht
Bewegende Dokumentation jüdischen Lebens
Adenau. Die Gesprächsrunde „Kriegskinder erinnern sich“, im Jahr 2011 von der Beratungs- und Koordinierungsstelle Ehrenamt des Caritasverbands in Ahrweiler und vom Dekanat Ahr-Eifel ins Leben gerufen, bildete den Anfang. Erinnerungen der Kindheit im gemeinsamen Austausch wachhalten, war die Idee. In dem mittlerweile rein ehrenamtlich geführten Projekt „Die vergessene Generation“ geht es auch nicht mehr nur um eigene frühe Erinnerungen rund um den II. Weltkrieg. Das zeigte sich beim Besuch der ehemaligen Synagoge in Niederzissen. Richard Keuler, Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins, und seine Frau Gisela begrüßten die Adenauer Gruppe und berichteten vom jüdischen Leben in Niederzissen, neben Wehr der damals größten jüdischen Gemeinde im Brohltal. Mit der Heimat und den Menschen verbunden, gingen die Juden in allen Ortsgemeinden ungestört ihrem alltäglichen und religiösen Leben nach. Nach der sogenannten „Reichskristallnacht“ änderte sich das Leben der jüdischen Bewohner dramatisch. Die Synagoge wurde am 10. November 1938 entweiht und verwüstet. Mit der letzten Deportation im August 1942 erlosch das jüdische Leben im Brohltal.
Von der Synagoge zur Schmiede
Nach dem Zwangsverkauf war die Synagoge zur Schmiede umfunktioniert worden. Im Dezember 2009 erwarb die Ortsgemeinde das Gebäude. Nach umfassenden Wiederaufbau- und Renovierungsarbeiten ist das Haus seit März 2012 eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte. Liebevoll und mit Respekt und Einfühlungsvermögen restauriert, zeigt sich der Gebets- und Versammlungsraum den Besuchern.
Schatz auf dem Dachboden
Und Richard Keuler machte auf einen Schatz aufmerksam, der die Nazizeit überstanden hat. Auf dem Dachboden hatten die Restauratoren eine sogenannte „Genisa“ entdeckt. Unbrauchbar gewordenen liturgischen Gegenstände, also Gebetstexte, oder Reste alter Textilien, gebührt auch weiterhin Respekt. Diese dürfen nach jüdischen Glauben nicht vernichtet werden. Ein Großteil dieser Fundstücke bereichert heute die Ausstellung. Die acht Adenauer Bürger zeigten sich bewegt von so viel greifbarer Geschichte, die das Unbeschreibliche lebendig werden lässt. Immer wieder schweiften die Blicke zur ehemaligen Thoranische, in der die Namen aller aus der Gemeinde Niederzissen deportierten Juden verzeichnet sind. Eine Bronzetafel, ein Geschenk von Steffi Friedmann, einer in Amerika lebenden Künstlerin, erinnert an das unfassbare Geschehen und an die in Konzentrationslagern umgekommenen Niederzissener Bürger jüdischen Glaubens mit nur zwei Worten: „Never again“.
